Damit will Baidu persönliche Nutzer ebenso wie Geschäftskunden direkt über einen KI-Einstieg erreichen – statt sie zunächst in ein klassisches Dokumenten- oder Speichermodul zu führen.
Berichten zufolge kann Kuku AI bei Büroaufgaben spezialisierte Agenten für PowerPoint, Excel und Word aufrufen. Nutzer sollen dadurch komplexere Abläufe per natürlicher Sprache anstoßen können, anstatt jeden einzelnen Arbeitsschritt in verschiedenen Programmen auszuführen.
Welche Funktionen tatsächlich verfügbar sind, kann jedoch je nach Produktversion und Region variieren. Aus den Ankündigungen lässt sich deshalb nicht ableiten, dass alle Nutzer überall denselben Funktionsumfang erhalten.
Die Produktentscheidung zeigt, wohin sich der Wettbewerb bei KI-Bürosoftware entwickelt. KI-Agenten sollen nicht mehr nur einzelne Text-, Tabellen- oder Präsentationsaufgaben erledigen. Sie sollen zunehmend den gesamten Ablauf übernehmen – von der Interpretation eines Auftrags über die Planung der Arbeitsschritte bis zur Ausgabe einer fertigen Datei.
Baidus Ziel ist, dass Nutzer zunächst ihr gewünschtes Ergebnis beschreiben. Kuku AI soll anschließend passende Werkzeuge koordinieren und den Arbeitsprozess möglichst weitgehend abwickeln. Word, Excel und PowerPoint würden in diesem Modell weniger als Ausgangspunkt dienen, sondern eher als Ausführungsebene innerhalb eines KI-gesteuerten Workflows.
Die hohe Gesamtnutzung ist dabei nicht mit einer ebenso großen Zahl an Büroanwendern gleichzusetzen. Baidu nennt für den Bürobereich mehr als 25 Millionen MAU – nicht mehr als 100 Millionen. Für eine realistische Einschätzung der Wettbewerbsposition im Unternehmensmarkt wären außerdem Daten zu Kundenbindung, zahlenden Nutzern, Unternehmenseinsätzen und der Qualität der erledigten Aufgaben entscheidend.
Baidu sendet mit dem AI Day drei zentrale Signale: GenFlow überschritt im April insgesamt 100 Millionen monatlich aktive Nutzer, die KI-Bürotools kamen auf mehr als 25 Millionen; der Dienst heißt nun offiziell Kuku AI; und aus einer integrierten Funktion in Wenku und Netdisk soll eine eigenständige Produktfamilie für Privatpersonen und Unternehmen werden.
Baidu möchte damit einen größeren Anteil am schnell wachsenden Markt für KI-gestützte Produktivität gewinnen. Die entscheidende Frage ist nun, ob Kuku AI die große Reichweite in dauerhafte Nutzung, Unternehmenskäufe und messbare Produktivitätsgewinne übersetzen kann.