Ein Muster, das an CRISPR erinnert, ist noch kein neues Werkzeug zur Genbearbeitung. Genau diese Unterscheidung ist bei ART entscheidend: Anthropic berichtete am 23. September 2026, Claude habe das bislang nicht als Gesamtsystem beschriebene Arrangement in Bakteriophagen gefunden – Viren, die Bakterien infizieren. Zugleich stellte das Unternehmen eine neue Forschungsgruppe für Biowissenschaften und ein Labor vor.
1
22
Wie Claude auf ART stieß
Nach den berichteten Zahlen durchsuchten rund 950 Claude-Agenten etwa 21 Stunden lang DNA-Sequenzdaten und verbrauchten dabei 210 Millionen Tokens. Sie sammelten mehr als 200.000 reverse Transkriptasen, markierten ungefähr 3.500 mögliche Systeme und wählten 20 für eine genauere Analyse aus. Reverse Transkriptasen sind Enzyme, die RNA in DNA umschreiben.
18
24
37
33
Die menschlichen Forschenden gaben zunächst die übergeordnete Suchrichtung vor. Danach lief die computergestützte Suche ohne fortlaufende Einzelschritte durch Menschen. Ein Agent bemerkte demnach eine auffällige Reihe von DNA-Wiederholungen neben einem Gen für eine reverse Transkriptase. Anschließend analysierten Forschende den Fund und führten Laborexperimente durch. Autonom war die Datensuche – nicht der gesamte Weg von der Entdeckung bis zur experimentellen Prüfung.
19
37
42
Was ist ART – und was daran ist neu?
Der Name ART steht für array-associated reverse transcriptases. Zu dem System gehören eine reverse Transkriptase, ein benachbartes Partnergen und eine lange Reihe regelmäßig angeordneter DNA-Wiederholungen.
26
35 Diese Anordnung erinnert an CRISPR. Daraus folgt aber weder, dass ART dieselbe Aufgabe erfüllt, noch, dass sich damit Gene bearbeiten lassen.
1
22
Das Enzym selbst war nicht völlig neu: Frühere Arbeiten hatten die zugrunde liegende reverse Transkriptase bereits in einem besonders großen Bakteriophagen identifiziert. Neu ist laut Anthropic die Zuordnung des zusätzlichen Gens und der nicht codierenden Wiederholungssequenzen zu einem umfassenderen System.
33
42 Erste Laborversuche deuten darauf hin, dass aus der Wiederholungsreihe verschiedene kurze RNA-Moleküle entstehen. Wie ART insgesamt funktioniert und ob es Anwendungen gibt, bleibt ungeklärt.
39
41
Wie belastbar ist der Befund?
Die Ergebnisse erschienen im September 2026 als Preprint und waren nach der vorliegenden Berichterstattung noch nicht begutachtet. Der CRISPR-Forscher Feng Zhang bezeichnete den Fund Berichten zufolge als interessant – nicht als bestätigten Nachweis einer Funktion.
19
22
26
ART zeigt damit vorerst, dass KI-Agenten in großen biologischen Datensätzen Muster aufspüren können, die Forschende anschließend prüfen. Ob das System tatsächlich eine neue, biologisch bedeutsame Funktion hat, müssen weitere Untersuchungen und unabhängige Bestätigungen zeigen. Die Zahl der eingesetzten Agenten beantwortet diese Frage nicht.
1
19
33