Unterzeichnet war die Erklärung von Patritalia-Chef Manuel Ros. Gegenüber RideApart sagte Ros: „I can confirm that the rumours are well founded. Patritalia S.p.A has formally expressed its interest and is fully prepared to acquire 100% of Ducati Motor Holding S.p.A.“
Der Haken: Volkswagen bestreitet, ein formelles Angebot erhalten zu haben.
Bei Übernahmen werden Angebote und die dazugehörige Kommunikation normalerweise streng vertraulich behandelt. Patritalia ging jedoch den entgegengesetzten Weg. Nach eigener Darstellung sah sich das Unternehmen dazu gezwungen, die Angelegenheit öffentlich zu machen, weil Volkswagen auf das Angebot nicht reagiert habe und Medienberichte aus Sicht der Firma unzutreffend gewesen seien .
Patritalia datiert ihr Angebot auf den 25. Juni 2026. Es soll an Ansprechpartner bei Audi und im Volkswagen-Konzern gegangen sein . Später veröffentlichte die Gesellschaft außerdem ein zehnseitiges Dokument, in dem erstmals die konkrete Summe genannt wird: 2,5 Milliarden Euro netto – also ohne Steuern und ohne Ducatis Schulden .
Die Unterlagen sollen an Empfänger bei Audi, Volkswagen, Lamborghini und Ducati verschickt worden sein. Damit legte Patritalia nach eigener Darstellung nicht nur den exakten Kaufpreis offen, sondern auch interne Kontaktdaten, genannte Empfänger, Versandprotokolle und die Kommunikationswege, über die das Angebot weitergeleitet worden sein soll . Gerade diese öffentliche Offenlegung normalerweise vertraulicher M&A-Kommunikation macht den Fall so ungewöhnlich – insbesondere, weil Volkswagen gleichzeitig erklärt, nie ein Angebot erhalten zu haben .
Die drei betroffenen Unternehmen weisen die Darstellung von Patritalia zurück – allerdings mit unterschiedlichen Nuancen:
Volkswagen Group: Der Konzern erklärte öffentlich, kein formelles Angebot von Patritalia erhalten zu haben . Zu internen oder vertraulichen Dokumenten wollte ein VW-Sprecher keine Angaben machen . Bemerkenswert ist jedoch, dass Volkswagen einen möglichen Verkauf nicht ausdrücklich ausschloss. Gegenüber RideApart hieß es, „alle Optionen“ blieben auf dem Tisch . Das ist keine Verkaufsbestätigung, lässt die Tür für Spekulationen aber offen.
Audi: Audi, das Ducati innerhalb der Volkswagen-Struktur direkt betreut, erklärte ebenfalls, kein Angebot erhalten zu haben. Zugleich zählt Audi zu den Empfängern, die Patritalia in den veröffentlichten Unterlagen nennt .
Ducati: Der Motorradhersteller sagte zunächst, von einem formellen Angebot „nichts zu wissen“ . Ducati-Chef Claudio Domenicali äußerte sich später bei der WDW-2026-Jubiläumsveranstaltung in Misano deutlich selbstbewusster: „We don't really need VW.“ Ducati sei operativ eigenständig. Einen laufenden Verkaufsprozess bestätigte er nicht . Aus Sicht von Audi und Volkswagen sei Ducati offiziell außerdem .
Dass die Geschichte Aufmerksamkeit erregt, liegt nicht allein an Patritalias ungewöhnlichem Vorgehen. Die Gesellschaft trifft mit ihrer Behauptung auf einen Konzern, der unter erheblichem finanziellen und strategischen Druck steht.
Der Nettogewinn von Volkswagen fiel auf 1,54 Milliarden Euro – ein Rückgang um 32,9 Prozent gegenüber dem entsprechenden Zeitraum 2025. Die operative Marge sank von 4,7 auf 4,2 Prozent, während der Ausblick für 2026 nach unten korrigiert wurde .
Volkswagen arbeitet an der größten Restrukturierung seiner Unternehmensgeschichte. Der Konzern prüft dabei auch den Verkauf von Geschäften, die nicht zum Kern gehören, um den mehr als 120 Milliarden Euro teuren Wandel zur Elektromobilität zu finanzieren . Ein BILD-Bericht sprach zudem von einer möglichen Liquiditätslücke von 11 Milliarden Euro im Jahr 2026. Finanzvorstand Arno Antlitz soll die Finanzteams des Konzerns aufgefordert haben, nach Wegen zur Schließung dieser Lücke zu suchen – darunter auch der Verkauf von Randaktivitäten .
Laut Financial Times drängen Investmentbanker Volkswagen dazu, Ducati zu verkaufen; parallel wird eine mögliche Börsennotierung von Lamborghini diskutiert . Zuvor hatte VW durch den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an seinem Schiffsmotorengeschäft Everllence rund 7,4 Milliarden Euro eingenommen . Einige Analysen sehen in Ducati allein einen möglichen Verkaufserlös von bis zu 7,4 Milliarden Euro .
Ducati gehört zu den profitabelsten Motorradmarken und ist im MotoGP-Sport äußerst erfolgreich. Genau das macht die Marke in einem angespannten Konzernumfeld interessant: Ein profitables Premiumgeschäft könnte einen hohen Preis erzielen, wenn Volkswagen kurzfristig Kapital beschaffen müsste . Zudem hat VW Kürzungen bei Modellreihen und Kosten angekündigt – ein Zeichen dafür, dass im gesamten Konzern auch vermeintliche Nebenmarken überprüft werden .
Offiziell ist Ducati nicht zum Verkauf angekündigt worden. Volkswagen und Audi bestreiten, ein formelles Angebot erhalten zu haben, und Ducati bestätigt keinen Verkaufsprozess. Patritalia hat zwar Dokumente, Versandnachweise und eine konkrete Bewertung veröffentlicht. Ein unabhängiger Nachweis, dass die Gesellschaft tatsächlich über das erforderliche Kapital verfügt, liegt jedoch nicht vor .
Auch die von Patritalia selbst gesetzte Frist bis zum 31. Juli 2026 verstrich ohne eine öffentlich bekannte Lösung . Damit bleibt die zentrale Frage offen: Hat Volkswagen ein Angebot tatsächlich erhalten und intern nicht als formellen Vorgang anerkannt – oder hat Patritalia eine ungewöhnliche öffentliche Kampagne gestartet, ohne dass ein belastbarer Übernahmeprozess existiert?
Fest steht bislang nur, dass die finanzielle Lage von Volkswagen die Spekulation über einen Ducati-Verkauf plausibel genug erscheinen lässt, um nicht zu verschwinden. Einen bestätigten Deal gibt es aber nicht.