Shelbits größter Kunde war eines der weltweit größten illegalen Glücksspielnetzwerke – über 2.000 persischsprachige Websites mit Spielautomaten, Blackjack und Roulette. Das Netzwerk wurde öffentlich von zwei iranischen Social-Media-Influencern beworben:
Beide Männer wurden 2023 in Iran in Abwesenheit wegen ihrer Beteiligung an illegalen Glücksspielseiten wie abt90 und Hazarat verurteilt. Beide bestritten alle Vorwürfe gegenüber Reuters. Sobhani erklärte, er weise jede Beteiligung an Sanktionsumgehung oder Geldwäsche „kategorisch“ zurück.
Von Reuters ausgewertete Blockchain-Daten zeigten, dass Shelbit direkt mit der iranischen Zentralbank, der sanktionierten iranischen Börse Nobitex und Wallets interagierte, die Israel mit den Islamischen Revolutionsgarden in Verbindung bringt. Die Recherche ergab, dass die IRGC vor Jahren die Kontrolle über Irans größte Online-Glücksspieloperationen übernommen hatte, um Geld ins Ausland zu verschieben – ausgenutzt wurde dabei, dass Glücksspiel in Iran illegal ist, das Regime es aber als unregulierte Finanzpipeline nutzen konnte.
Shelbit wickelte auch Gelder für Bitcoin-Mining-Operationen und andere sanktionierte iranische Einrichtungen ab.
Seit Mai 2024 flossen mindestens 676 Millionen Dollar in Kryptowährung von Shelbit-verknüpften Wallets an Binance, die weltweit größte Krypto-Börse. Davon landeten mindestens 540 Millionen Dollar bei Binance, nachdem die Dubaier Regulierungsbehörde Shelbit bereits zur Einstellung des Betriebs aufgefordert hatte.
Dubais Virtual Assets Regulatory Authority (VARA) erließ am 2. Januar 2025 eine Unterlassungsverfügung gegen Shelbit und forderte die unlizenzierte Börse auf, den Betrieb sofort einzustellen. Shelbit wickelte jedoch noch mindestens 18 Monate lang Gelder ab, bevor es schließlich geschlossen wurde. Am 24. Juli 2026 verhängte VARA eine Geldstrafe gegen Shelbit wegen Fortführung unlizenzierter Aktivitäten und erklärte, der Fall betreffe mögliche Verstöße gegen Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsvorschriften.
Das US-Finanzministerium hatte bereits im Juni 2026 neue Iran-Sanktionen erlassen, die sich gegen Krypto-Börsen richteten.
Die Recherche zeigt, wie Kryptowährungsbörsen, insbesondere solche in schwach regulierten Jurisdiktionen, zu Kanälen für groß angelegte Sanktionsumgehungen werden können. Die Kombination aus einer unlizenzierten Börse, einem riesigen Glücksspielnetzwerk und staatlich verknüpften Einrichtungen schuf eine Pipeline, die Milliarden bewegte – trotz regulatorischer Anordnungen, dies zu unterlassen.