Damit zeichnet sich ein bemerkenswerter Wandel ab: Bhutan galt einst als ungewöhnlicher staatlicher Bitcoin-Akteur, der seine Bestände vor allem durch das Mining mit Wasserkraft aufgebaut hatte. Nun verkauft das Land offenbar regelmäßig Teile dieser Reserve.
Die On-Chain-Analyseplattform Arkham Intelligence markierte die Binance-Einzahlungsadresse als mutmaßlich mit der Regierung Bhutans verbunden. Über einen Zeitraum von fünf Stunden flossen 434,86 BTC dorthin – die erste Aktivität dieser Wallet seit mehr als einem Monat .
Eine Einzahlung auf eine Börse gilt häufig als Vorbereitung auf einen Verkauf und die Umwandlung in Fiatgeld. Sicher bestätigt ist der anschließende Verkauf allerdings nicht. Auch die staatliche Investmentgesellschaft Druk Holding & Investments (DHI) hat die einzelnen Transaktionen nicht offiziell kommentiert. Die überwiesene Summe ist im Verhältnis zum weltweiten Bitcoin-Handelsvolumen zudem relativ klein .
Nach der jüngsten Überweisung hielten die öffentlich markierten, Bhutan zugerechneten Wallets schätzungsweise noch rund 3.000 bis 3.100 BTC. Zum Höchststand im Oktober 2024 waren es ungefähr 13.000 BTC gewesen .
Je nach zugrunde gelegtem Wallet-Label und Analysezeitpunkt schwanken die Schätzungen. Der grundsätzliche Trend ist jedoch eindeutig: Bhutan hat seit dem Höchststand etwa 70 bis 80 Prozent seiner staatlichen Bitcoin-Bestände abgebaut. Der Wert der Abflüsse seit Mitte 2025 wird von On-Chain-Analysten auf ungefähr eine Milliarde US-Dollar beziffert .
Auf dem Höhepunkt war Bhutans Bitcoin-Bestand mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar wert – etwa 40 Prozent des damaligen Bruttoinlandsprodukts des kleinen Himalaya-Königreichs .
Besonders auffällig ist, dass zugleich kaum noch neue Bitcoin aus dem Mining in den bekannten Regierungs-Wallets ankommen. Nach Daten von Arkham gab es seit mehr als einem Jahr keinen größeren Mining-Zufluss von über 100.000 US-Dollar. Die Mining-Zuflüsse scheinen ungefähr im November 2024 versiegt zu sein .
Als mögliche Erklärung gilt das Bitcoin-Halving vom April 2024. Dabei sank die Belohnung für das Erzeugen eines neuen Blocks von 6,25 auf 3,125 BTC. Zusammen mit der gestiegenen Netzwerkschwierigkeit und den jeweiligen Bitcoin-Preisen wurde das Mining weniger profitabel – auch für Bhutan, das auf vergleichsweise günstige Wasserkraft zurückgreifen kann .
Bhutan war wegen seiner staatlich betriebenen, mit Wasserkraft versorgten Mining-Anlagen häufig als „Bitcoin-Powerhouse“ bezeichnet worden. Die ausbleibenden Zuflüsse sprechen dafür, dass diese Phase zumindest vorerst beendet ist . Die verfügbaren On-Chain-Daten belegen allerdings nicht in jedem Detail, dass sämtliche Anlagen dauerhaft stillgelegt wurden; sie zeigen vor allem, dass die bekannten staatlichen Bestände kaum noch durch neue Mining-Erträge wachsen .
Der Transfer vom 7. August steht nicht isoliert da. DHI, Bhutans staatliche Investmentgesellschaft, hat 2026 wiederholt größere Bitcoin-Mengen in mehreren Tranchen bewegt. Zu den öffentlich beobachteten Transfers zählen :
| Zeitpunkt | Bewegte Menge | Geschätzter Wert | Quelle |
|---|---|---|---|
| März 2026 | 973 BTC | rund 72,3 Mio. US-Dollar | |
| 6. Juni 2026 | 738 BTC | rund 44,88 Mio. US-Dollar | |
| 17. Juni 2026 | 533 BTC | rund 34,5 Mio. US-Dollar | |
| 5. Juli 2026 | 700 BTC | rund 43,75 Mio. US-Dollar | |
| 7. August 2026 | 434,86 BTC | rund 27,96 Mio. US-Dollar |
Die Abflüsse aus Bhutan zugerechneten Wallets summierten sich allein 2026 auf mehr als 250 Millionen US-Dollar . Das Muster wirkt eher wie ein geplanter, schrittweiser Abbau als wie ein panikartiger Notverkauf. Analysten haben einen Teil der Verkäufe mit der Finanzierung des Entwicklungsprojekts Gelephu Mindfulness City in Verbindung gebracht . Diese Verwendung ist jedoch nicht für jede einzelne Transaktion offiziell bestätigt.
Am selben Tag, an dem die Bhutan-Wallet Bitcoin bei Binance einzahlte, hob eine andere, neu angelegte und nicht öffentlich zugeordnete Wallet nahezu exakt 28 Millionen US-Dollar in BTC von der Börse ab. Die beiden Transfers waren in Umfang und Zeitpunkt fast identisch, verliefen aber in entgegengesetzte Richtungen .
Das ergibt ein aufschlussreiches Gegenbild:
Für den Markt ist diese Kombination zunächst weniger dramatisch, als es die Schlagzeile über einen staatlichen Verkauf vermuten lässt. Der private Abzug könnte den Verkaufsdruck auf derselben Preisstufe aufgenommen haben. Marktbeobachter sehen darin daher eher gegenläufige Kapitalströme als ein eindeutiges Signal für eine Verkaufswelle . Aus der zeitlichen Nähe allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass beide Transaktionen miteinander verbunden waren.
Bhutans Strategie verändert das Bild staatlicher Bitcoin-Bestände. Das Land erscheint nicht mehr nur als langfristiger HODLer – also als Besitzer, der Bitcoin unabhängig von Kursschwankungen hält. Stattdessen nutzt Bhutan die Kryptowährung offenbar zunehmend als liquiden Reservewert, der bei Bedarf in Tranchen veräußert werden kann .
Das ist für Marktbeobachter aus zwei Gründen relevant:
Der Fall zeigt damit exemplarisch, wie eng staatliche Finanzplanung und digitale Vermögenswerte inzwischen miteinander verbunden sind. Bhutan beendet möglicherweise gerade seine Rolle als staatlicher Bitcoin-Miner und wird stattdessen zu einem gewöhnlichen Vermögensverwalter – mit Bitcoin als einem Reserveposten unter mehreren.
Die Überweisung von 434,86 BTC an Binance ist wahrscheinlich nicht der Beginn, sondern die Fortsetzung eines bereits weit fortgeschrittenen Rückzugs. Seit dem Höchststand von rund 13.000 BTC im Oktober 2024 sind Bhutans öffentlich erfasste staatliche Bitcoin-Bestände um etwa 70 bis 80 Prozent geschrumpft .
Gleichzeitig deuten die ausbleibenden Mining-Zuflüsse darauf hin, dass die Ära des mit Wasserkraft betriebenen staatlichen Bitcoin-Aufbaus weitgehend vorbei ist. Der nahezu gleich große Abzug einer anonymen Wallet zeigt schließlich, dass staatliche Verkäufe am Markt auf private Nachfrage treffen können. Für Anleger und Analysten lautet die wichtigste Lehre: Auch bei Staaten ist Bitcoin keine unveränderliche HODL-Position, sondern ein strategischer Vermögenswert, der bei Bedarf bewegt und liquidiert wird.