Dieser Entwicklung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt Bedeutung zu. SK Hynix ist zwar weiterhin der dominierende HBM-Anbieter, sieht sich aber einem sich ausweitenden Arbeitskonflikt gegenüber, der operative Unwägbarkeiten schafft. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich der gesamte HBM-Markt bis 2027 mehr als verdoppelt. Beide koreanischen Speichergiganten sind gut positioniert, um davon zu profitieren – doch das Rennen um die Führung ist so eng wie seit Jahren nicht mehr.
Der steile Anstieg der HBM4-Ausbeute ist die Kernnachricht. Samsung erreichte sein für Ende des Jahres gestecktes Ziel von etwa 80 % bereits Anfang August 2026 – Monate früher als geplant . Branchenkreise führen den rasanten Fortschritt auf Samsungs integriertes „Turnkey“-Entwicklungs- und Fertigungsmodell zurück, das eine engere Abstimmung zwischen Design- und Produktionsteams ermöglicht .
Die wichtigsten Meilensteine im Überblick:
Parallel dazu hat Samsung die Entwicklung von HBM4E, der leistungsstärkeren siebten Generation, beschleunigt. Berichten zufolge liegt die Ausbeute bei den Zuverlässigkeitstests bereits über 70 % .
Aktuelle Marktanteile: SK Hynix ist weiterhin der klare Marktführer. Laut Counterpoint Research hielt SK Hynix im ersten Quartal 2026 58 % des HBM-Marktes, während Samsung und Micron jeweils auf 21 % kamen . Die operative Marge von SK Hynix erreichte im gleichen Zeitraum mit 72-76 % einen Rekord – ein Ausdruck der Preissetzungsmacht und der engen Kundenbindung .
Parität bei der Ausbeute: Branchenkreise gehen davon aus, dass auch die HBM4-Ausbeute von SK Hynix inzwischen bei etwa 80 % liegt. Damit herrscht zwischen den beiden koreanischen Rivalen bei der HBM4-Ausbeute Gleichstand . Der Wettbewerb verlagert sich damit von der reinen Technologieentwicklung hin zu Produktionskapazitäten, Kundenbeziehungen und operativer Stabilität.
Die Position von SK Hynix: In der Telefonkonferenz zu den Q2-Zahlen am 29. Juli bekräftigte SK Hynix, die Führung auf Basis von Massenproduktionsausbeute, Qualität und Kundenvertrauen halten zu können. Das Unternehmen argumentierte: „Die HBM-Wettbewerbsfähigkeit ist erst dann vollständig, wenn sie von den Kunden bestätigt wird“ .
Der Arbeitskonflikt: Bei SK Hynix sind die Verhandlungen zwischen Management und Gewerkschaft festgefahren. Streitpunkt ist die Zahlung eines Teils der Leistungsprämien in Form von Aktien anstelle von Bargeld. Nach fünf Hauptverhandlungsrunden wurde keine Einigung erzielt, und der Konflikt hat sich ausgeweitet . Dies schafft operative Unsicherheit in einer kritischen Wettbewerbsphase, in der die Produktionsmenge zum zentralen Schlachtfeld wird.
Die Investmentbank UBS hat ihre HBM-Lieferprognose für Samsung deutlich angehoben. In einem Bericht vom Juli 2026 prognostiziert UBS, dass Samsung 2027 auf Bit-Basis einen Anteil von 41 % am globalen HBM-Markt erreichen und damit knapp vor SK Hynix (39 %) liegen wird . UBS hob die Schätzung für Samsungs HBM-Lieferungen 2027 auf 23 Mrd. Gigabit an .
UBS erhöhte zudem die Prognose für die gesamte HBM-Endnachfrage auf 32,9 Mrd. Gigabit für 2026 (ein Plus von 88 % gegenüber dem Vorjahr) und auf 58,0 Mrd. Gigabit für 2027 (ein Plus von 76 %) . Die Investmentbank erwartet für 2027 einen Anstieg der durchschnittlichen HBM-Verkaufspreise um 44 % im Jahresvergleich – eine deutliche Korrektur der früheren Erwartung von nur 5 % Wachstum .
Nicht alle Analysten teilen die aggressive Prognose von UBS. Counterpoint Research schätzt, dass SK Hynix 2026 rund 54 % des HBM4-Marktes halten wird, Samsung 28 % und Micron etwa 18 % . Die Bandbreite der Prognosen spiegelt die Unsicherheit in einem sich rasant entwickelnden Markt wider.
Der HBM-Markt befindet sich in einer strukturellen Expansion, die von der Nachfrage nach KI-Trainings- und Inferenzchips angetrieben wird. Die wichtigsten Datenpunkte:
Samsungs rasche Verbesserung der HBM4-Ausbeute auf 80 % – Monate vor dem Zeitplan – hat die Wettbewerbslandschaft grundlegend verändert. Während SK Hynix weiterhin einen Marktanteil von über 55 % und enge Kundenbeziehungen vorweisen kann, ist Samsung nun auf einem Kurs, der bis 2027 zu einer Parität oder sogar einer leichten Führung bei den Marktanteilen führen könnte. Der ungelöste Arbeitskonflikt bei SK Hynix birgt ein zusätzliches Risiko für die Produktionsstabilität in diesem sich verschärfenden Rennen. Der gesamte HBM-Markt wird sich voraussichtlich bis 2027 mehr als verdoppeln, wobei beide koreanischen Anbieter gut positioniert sind, um zu profitieren – aber das Rennen um die Führung ist so eng wie seit Jahren nicht mehr.