Im Mittelpunkt steht Evie, die neue Protagonistin von Blood Rain. Sie singt und tanzt durch eine futuristische Stadt, die an die Welt des Spiels erinnert . Dass Shift Up auf generative KI setzte, wurde dabei nicht versteckt: YouTube kennzeichnete sowohl Ton als auch Bild als teilweise verändert oder vollständig mit KI erstellt . Am Ende des Videos erscheinen zudem die Logos von Second Eve Studio und der internen Abteilung Shift Up AI Labs .
Die Transparenz über den Einsatz der Technologie konnte die Reaktionen allerdings nicht abfedern. Viele Zuschauer bezeichneten den Clip als „AI Slop“ – ein abwertender Begriff für massenhaft produzierten, qualitativ schwachen KI-Inhalt . Besonders häufig kritisiert wurden:
Kurz gesagt: Evie sieht in manchen Einstellungen nicht wie dieselbe Figur aus. Gerade bei einem Studio, dessen Spiele stark von visueller Gestaltung und ausgearbeiteten Charaktermodellen leben, fiel dieser Eindruck besonders negativ auf.
Auch Kim Hyung-tae, Director und CEO von Shift Up, teilte das Video auf X und bat die Fans um ihre Meinung. Die Antworten fielen überwiegend kritisch aus . Ein Nutzer fragte sinngemäß, ob das Studio nicht genug Budget für eine „echte“ Animation habe. Ein anderer bezeichnete den Einsatz als „Schlag ins Gesicht der eigenen Künstler“ .
Dabei richtete sich die Kritik nicht ausschließlich gegen KI als solche. Einige Kommentare stellten ausdrücklich klar, dass sie generative KI nicht grundsätzlich ablehnen, der konkrete Clip aber schlicht nicht den Qualitätsansprüchen von Shift Up entspreche . Für viele ist also weniger die Existenz von KI das Problem als die Entscheidung, sie für ein sichtbares offizielles Werbemittel einzusetzen, das handwerklich unausgereift wirkt.
Der größte Streitpunkt geht über das Musikvideo hinaus. Zahlreiche Fans befürchten nun, Shift Up könnte generative KI nicht nur für das Marketing, sondern auch bei der Entwicklung von Stellar Blade: Blood Rain einsetzen . Kritiker bezeichneten deshalb teilweise bereits das gesamte Sequel als potenziellen „AI Slop“ .
Ob das Video tatsächlich Rückschlüsse auf die Produktionsweise des Spiels zulässt, ist nicht belegt. Es hat jedoch eine Vertrauensfrage ausgelöst: Wenn ein Studio für die Promotion KI-generierte Inhalte verwendet, wie umfangreich wird diese Technologie dann bei Animationen, Assets oder Texten im eigentlichen Spiel eingesetzt?
Hinzu kommt der Vorwurf eines Bruchs mit der bisherigen kreativen Identität. Das ursprüngliche Stellar Blade von 2024 wurde für seine ausgearbeitete Art-Direction und detaillierten Charaktermodelle gelobt . Der Einsatz generativer KI in der Werbung wirkt auf manche Fans deshalb wie ein Signal, dass Shift Up künftig Kosten und Geschwindigkeit höher gewichten könnte als handwerkliche Qualität .
Der KI-Streit trifft auf eine Marke, die bereits vorbelastet ist. Schon das erste Stellar Blade löste eine intensive Debatte über seine Hauptfigur Eve aus .
Kritiker beanstandeten Eves freizügige Kostüme, suggestive Posen und bestimmte Kameraperspektiven als übermäßig sexualisiert oder objektifizierend . In Südkorea erhielt das Spiel eine „Adults Only“-Einstufung . Einige Medien warfen der Vermarktung zudem vor, Eves sexuelle Ausstrahlung stärker in den Mittelpunkt zu stellen als ihre Persönlichkeit .
Eve wurde nicht nur wegen ihres Aussehens diskutiert. Einige Kritiker beschrieben sie als blasse Figur, deren Persönlichkeit im Vergleich zu ihrer visuellen Inszenierung zu wenig ausgearbeitet sei . Andere sahen in ihr dagegen das Potenzial für eine ikonische Heldin. Die Reaktionen blieben entsprechend gespalten.
Kim Hyung-tae erklärte, das Team habe dem Design von Eves Rücken besondere Aufmerksamkeit gewidmet, weil Spieler die Figur während des Spiels meist von hinten sehen . Kritiker empfanden diese Begründung als symptomatisch für eine Gestaltung, die den Blick auf den Körper über andere Aspekte der Figur stelle .
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Debatte durch einen Beitrag von IGN France. Darin wurde Eves Design als „eine von jemandem sexualisierte Puppe, der noch nie eine Frau gesehen hat“ beschrieben. Das Medium entschuldigte sich später, nachdem bekannt wurde, dass das Modell auf der realen südkoreanischen Frau Shin Jae-eun basiert . Der Vorfall verschärfte die ohnehin polarisierte Diskussion über Kunst, Sexualisierung und Spielejournalismus .
Das KI-Musikvideo ist damit nicht bloß ein missglückter Werbeauftritt. Es bündelt mehrere Konflikte, die Stellar Blade schon länger begleiten: die Frage nach künstlerischer Eigenleistung, den Umgang mit weiblichen Figuren und die wachsende Angst, dass generative KI menschliche Kreative in der Spielebranche verdrängt.
Für Shift Up steht deshalb mehr auf dem Spiel als die Reaktion auf einen einzelnen Clip. Die entscheidende Frage lautet, ob Stellar Blade: Blood Rain die handwerkliche Qualität und klare künstlerische Handschrift des Vorgängers bewahren kann – oder ob das Video den Fans einen Vorgeschmack auf eine stärker automatisierte Produktionsweise gegeben hat. Eine eindeutige Antwort gibt es bislang nicht. Sicher ist nur: Bei der Diskussion über Blood Rain wird es künftig nicht allein um Gameplay und Handlung gehen, sondern auch darum, welche Rolle menschliche Kreativität in Shift Ups Spielen noch spielen soll.