Die schärfste Warnung von Aktienanalysten kam von Jefferies. Die Investmentbank stufte SoftBank auf „Underperform“ herab und senkte das Kursziel drastisch von 5.118 Yen auf 3.140 Yen – ein Niveau, das ein Abwärtspotenzial von rund 19 % gegenüber dem damaligen Aktienkurs implizierte .
Die Kritik von Jefferies dreht sich um drei strukturelle Probleme:
Zur Finanzierung der aufeinanderfolgenden OpenAI-Investitionsrunden nahm SoftBank einen ungesicherten Brückenkredit über 40 Milliarden Dollar auf . Die Verschuldung basierte auf der Erwartung, dass OpenAI bald an die Börse gehen und so einen liquiden Ausstieg zu oder über der in privaten Runden erzielten Bewertungsspanne von 730 bis 840 Milliarden Dollar ermöglichen würde
.
Sollte ein Börsengang in dieser Größenordnung gelingen, kann SoftBank einen Teil seiner Beteiligung verkaufen und den Kredit problemlos bedienen. Verzögert sich das Listing jedoch oder fällt die Bewertung niedriger aus als erhofft, klafft eine riesige Finanzierungslücke. Analysten schätzen das Defizit unter einem Szenario, in dem SoftBank die verbleibenden OpenAI-Tranchen und Stargate-Rechenzentrumsverpflichtungen vollständig ohne einen Aktienmarkt-Ausstieg finanzieren muss, auf rund 32 Milliarden Dollar .
Das Engagement ist auch in absoluten Zahlen enorm: Ende März 2026 wurde der Wert der OpenAI-Beteiligung auf etwa 79,6 Milliarden Dollar taxiert, was einem Buchgewinn von 45 Milliarden Dollar entspricht . TD Cowen bezifferte den rund 11-prozentigen Anteil auf etwa 80 Milliarden Dollar, warnte jedoch, dass diese Bewertung an öffentlichen Märkten völlig ungetestet sei
.
Die nackten Zahlen zeichnen das Bild einer überdehnten Bilanz:
S&P hat unmissverständlich klargestellt, dass die Liquidität und Kreditwürdigkeit der Gruppe auf absehbare Zeit deutlich geschwächt bleiben dürften, sofern es nicht zu entschlossenen Vermögensverkäufen oder einer raschen Börsennotierung der konzentrierten Bestände kommt .
Die SoftBank-Aktie unterliegt inzwischen heftigen Schwankungen. Nach dem Scheitern des Stargate-Joint-Ventures mit Oracle brach der Kurs um 9,8 % ein, und Ende März 2026 lag er fast 45 % unter den Höchstständen vom Oktober 2025 . Eine Rallye im Vorfeld der Quartalszahlen im Mai 2026 machte zwar einen Teil der Verluste wett, doch die Volatilität bleibt hoch
.
Jefferies ging sogar so weit, SoftBank als „Bewertungsfalle“ (Valuation Trap) zu bezeichnen, und warnte, dass die der OpenAI-Beteiligung zugeschriebene Prämie einer Prüfung durch die öffentlichen Märkte möglicherweise nicht standhalte . Die grundlegende Sorge ist, dass die aktuelle private Marktbewertung auf SoftBanks eigenem Kapitalrecycling durch immer höhere Finanzierungsrunden beruht – ein Kreislauf, den ein Börsengang eher sprengen als bestätigen könnte.
SoftBanks gesamte Kapitalstruktur fußt nun auf der IPO-These für OpenAI . Der 40-Milliarden-Dollar-Kredit ist ungesichert, und ohne ein erfolgreiches Listing wären die gangbarsten Rückzahlungswege wohl der Verkauf von Anteilen an Arm oder anderen Kernbeteiligungen – Schritte, die eine Neubewertung des gesamten Portfoliowerts nach unten auslösen könnten. Ratingagenturen und Analysten sind sich einig, dass die Kombination aus extremer Konzentration, steigender Verschuldung und dem Fehlen eines klaren, kurzfristigen Liquiditätsereignisses das Kreditprofil von SoftBank in eine ungewöhnlich verletzliche Lage bringt
.
Bislang betont das Management von SoftBank, dass die LTV-Politik unter 25 % liege und ausreichend Bargeld vorhanden sei, um die Anleiherückzahlungen der nächsten zwei Jahre zu decken . Doch diese Schutzmechanismen beruhen auf Bewertungen, die der öffentliche Markt noch nicht bestätigt hat – und auf einem IPO-Fenster, das angesichts des sich verschärfenden Wettbewerbs im KI-Bereich unsicherer denn je ist.
Comments
0 comments