Das Dekret ändert das Allgemeine Wahlgesetz von 2007 und zielt offiziell darauf ab, die politische Teilhabe zu verbreitern . Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA meldete folgende Neuerungen:
Abbas' Ankündigung sieht einen zweistufigen Wahlprozess vor:
Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden demokratischen Stagnation.
Die letzte Legislativwahl fand 2006 statt – ein Urnengang, den die Hamas gewann und der zu einer politischen Spaltung sowie einem seit 2007 faktisch handlungsunfähigen PLC führte . Die letzte Präsidentschaftswahl gab es 2005, als Abbas mit schätzungsweise 65 % der Stimmen gewann. Seine vierjährige Amtszeit endete 2009, doch seitdem regiert er per Dekret .
2021 setzte Abbas bereits einmal Termine für Legislativ- und Präsidentschaftswahlen fest, verschob sie jedoch auf unbestimmte Zeit. Als Grund nannte er damals fehlende israelische Garantien für die Stimmabgabe der Palästinenser in Ostjerusalem . Zuletzt schrieb Abbas am 9. Juni 2025 an Frankreichs Präsident Macron und andere internationale Entscheidungsträger und verpflichtete sich, innerhalb eines Jahres Präsidentschafts- und Legislativwahlen abzuhalten . Das Juni-Dekret 2026 ist ein formaler Schritt zur Erfüllung dieses Versprechens.
Auf kommunaler Ebene gab es zuletzt Bewegung: Am 25. April 2026 fanden Lokalwahlen im Westjordanland und in Teilen Gazas statt .
Trotz des detaillierten Dekrets bleiben Analysten, Kritiker und die palästinensische Bevölkerung äußerst zweifelnd, ob die Wahlen wie angekündigt durchgeführt werden.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die fehlende rechtliche Grundlage für die Präsidentschaftswahl: Ohne ein formelles Dekret mit konkretem Datum bleibt sie eine unverbindliche Ankündigung. Der Fatah-Politiker Samer Sinijlawi monierte, es sei „kein Wahltermin genannt, kein Präsidialdekret erlassen und kein Zeitplan vorgelegt“ worden .
Ein weiteres ungelöstes Problem ist der Gazastreifen, der weiterhin weitgehend zerstört und unter Kontrolle der Hamas steht. Ob dort eine freie und faire Wahl möglich ist, ist völlig offen .
Das öffentliche Vertrauen ist extrem niedrig. Eine Umfrage des Palestinian Center for Policy and Survey Research aus dem Jahr 2025 ergab, dass 80 % der Palästinenser den inzwischen 90-jährigen Abbas zum Rücktritt auffordern und 60 % bezweifeln, dass eine Präsidentschaftswahl wie versprochen stattfinden wird . Diese Skepsis hat System: Abbas hat bereits mehrfach – 2010, 2012 und 2021 – Wahlen angekündigt und jedes Mal wieder abgesagt oder verschoben. Viele Beobachter werten den jüngsten Schritt daher eher als Zug zur Wahrung internationaler Legitimität denn als feste Zusage für einen demokratischen Übergang .