Rund 300 Millionen Menschen weltweit nutzen inzwischen die Dienste von MiniMax . Zum Vergleich: Der Branchenprimus OpenAI kam Anfang 2025 auf etwa 400 Millionen wöchentlich aktive Nutzer, und das nach Jahren des Vorsprungs
. Die Zahl umfasst zwar sowohl kostenlose als auch zahlende Nutzer, doch allein die schiere Größenordnung signalisiert, dass MiniMax mit seinen verbraucherorientierten KI-Produkten einen globalen Nerv getroffen hat.
Das vielleicht beeindruckendste Detail ist die Entwicklung des annualisierten wiederkehrenden Umsatzes (ARR). Laut MiniMax hat sich dieser Wert innerhalb von nur zwei Monaten mehr als verdoppelt . Auf einer Bilanzpressekonferenz im März 2026 hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass der ARR im Februar 2026 die Marke von 150 Millionen US-Dollar überschritten hatte
. Anders ausgedrückt: In rund acht Wochen kamen etwa 50 Millionen US-Dollar an annualisierten Einnahmen hinzu.
Diese Beschleunigung ist Teil eines längerfristigen Trends. Der Gesamtumsatz von MiniMax kletterte im Geschäftsjahr bis zum 31. Dezember 2025 um 159 Prozent auf 79 Millionen US-Dollar, wobei rund 73 Prozent der Erlöse aus dem Ausland stammten . Der Großteil der Einnahmen entfiel dabei auf KI-native Produkte und nicht auf klassische Enterprise-Software – ein starkes Signal, dass die „AI-First“-Strategie von MiniMax monetär aufgeht
.
So fulminant das Umsatzwachstum auch ist: MiniMax ist weit davon entfernt, profitabel zu sein. Die Verluste des Unternehmens weiten sich sogar aus, wie der Bericht der South China Morning Post unterstreicht . Dieser Zwiespalt zwischen rasanter Skalierung und explodierenden Kosten zieht sich durch die gesamte KI-Branche, doch für chinesische Anbieter ist der Druck besonders hoch – schließlich ist die Konkurrenz im Heimatmarkt erbarmungslos und die Kosten für das Training großer KI-Modelle immens.
Am 9. Januar 2026 ging MiniMax zu einem Ausgabepreis von 165 HKD an die Börse in Hongkong. Seitdem hat sich der Aktienkurs in etwa verfünffacht . Ende Mai 2026 lag die Marktkapitalisierung bei über 250 Milliarden HKD (rund 223,5 Milliarden RMB) – nahezu eine Vervierfachung in nur vier Monaten
. Trotz der roten Zahlen wetten die Anleger also massiv darauf, dass sich die explosive Wachstumsdynamik irgendwann in nachhaltige Gewinne übersetzen wird. Ein Marktbeobachter beschrieb die Stimmung als „geradezu fieberhaft“: Investoren kauften Aktien chinesischer KI-Firmen, obwohl diese keinerlei Gewinne ausweisen
.
MiniMax ist nicht das einzige Unternehmen mit schwindelerregenden Kennzahlen. Moonshot AI etwa, Entwickler des Chatbots Kimi, sah seine Bewertung innerhalb von sechs Monaten von 4,3 auf 20 Milliarden US-Dollar hochschnellen und vermeldete ebenfalls eine Verdopplung des ARR – von 100 auf über 200 Millionen US-Dollar in nur zwei Monaten .
Doch MiniMax sticht durch die Breite seiner Metriken heraus: Unternehmenskunden, Endnutzer und Umsatz beschleunigen sich allesamt zur gleichen Zeit. Dass das Unternehmen dies erreicht, während es bereits jetzt den Löwenanteil seiner Erlöse im Ausland erwirtschaftet, deutet darauf hin, dass es jenseits der chinesischen Grenzen schneller einen Product-Market-Fit gefunden hat als viele seiner Konkurrenten.
Die entscheidende Frage, die über allen „AI Tigers“ schwebt, lautet: Wie lange werden die Investoren die steigenden Verluste tolerieren? Die Wette ist hoch. Sollte es Unternehmen wie MiniMax nicht gelingen, ihr explosives Nutzer- und Kundenwachstum in dauerhafte Profitabilität umzumünzen, könnte die Finanzierungsparty ein jähes Ende finden. Überzeugend gelungen ist dieser Spagat bislang noch keinem großen KI-Unternehmen.
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