Die Halbleitersparte von Samsung erzielte im zweiten Quartal 2026 einen operativen Gewinn von rund 89,2 Billionen Won. Im Jahresvergleich entspricht das einem Anstieg um mehr als das 250-Fache . Der Nettogewinn des Gesamtkonzerns erhöhte sich ungefähr um das 14-Fache . Samsung sprach von einem neuen Höchststand bei Umsatz und operativem Gewinn und knüpfte damit an die Dynamik des ersten Quartals an .
Treiber sind vor allem Speicherprodukte für KI-Rechenzentren. Dazu gehört HBM4 – „High Bandwidth Memory“, also besonders breitbandiger Speicher, der für KI-Beschleuniger benötigt wird. Samsungs HBM4-Absatz verdreifachte sich im Quartal .
Samsung erklärte, langfristige Liefervereinbarungen – sogenannte LTAs – mit den fünf größten globalen Rechenzentrumsbetreibern unterzeichnet zu haben. Mit fünf weiteren großen Kunden stehe der Konzern kurz vor einem Abschluss .
Inzwischen sind rund 60 bis 70 Prozent der Produktion durch langfristige Verträge gebunden. Samsung will diese mehrjährigen Vereinbarungen zu einem festen Bestandteil seiner Geschäftsstrategie machen . „Fast alle Kunden verlangen mehrjährige Lieferverträge“, sagte Jaejune Kim, Executive Vice President des Speichergeschäfts, im Gespräch mit Analysten .
Für Abnehmer bedeutet das mehr Planungssicherheit. Für die Hersteller sind die Verträge ein Signal, dass die Nachfrage nach Speicher für KI-Infrastruktur nicht nur kurzfristig besteht.
Samsungs Management formulierte den Ausblick ungewöhnlich deutlich. „Die Angebotsknappheit im Jahr 2027 dürfte sich gegenüber diesem Jahr verschärfen und 2028 anhalten“, sagte Kim . In einer Mitteilung erklärte Samsung, die weltweite Speicherchip-Knappheit werde „akuter werden und sich bis 2028 erstrecken“ . Das Unternehmen fasste seine Einschätzung zudem mit den Worten zusammen: „Speicher wird im kommenden Jahr noch knapper sein“ .
Als Hauptgrund nennt Samsung die anhaltenden Investitionen in KI-Infrastruktur. Für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet die Memory-Sparte eine robuste, von Servern getragene Nachfrage. Dahinter stehen weitere Ausgaben für KI-Infrastruktur und die zunehmende Verbreitung sogenannter agentischer KI, also Systeme, die Aufgaben weitgehend selbstständig ausführen .
Der Kurssprung beendet eine besonders volatile Phase für Speicherwerte. Anfang Juli war der Sektor in einen Bärenmarkt gerutscht. Anleger fragten sich, ob die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren bereits überhitzt sein könnten .
Auch Samsungs vorläufige Ergebnisprognose vom 7. Juli hatte zunächst für Ernüchterung gesorgt. Obwohl der Konzern damals einen Gewinnsprung um das 19-Fache in Aussicht stellte, verloren Samsung-Aktien deutlich an Wert. Die Sorgen über die Nachhaltigkeit des KI-Booms vernichteten mehr als 80 Milliarden US-Dollar an Börsenwert .
Der ausführliche Quartalsbericht vom 30. Juli drehte die Stimmung dann um: Rekordzahlen, der außergewöhnliche Gewinnanstieg im Halbleitergeschäft und die Aussicht auf eine länger anhaltende Knappheit lieferten Anlegern neue Argumente für den sogenannten Speicher-Superzyklus.
Bereits am 22. Juli war der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) um mehr als 5 Prozent gestiegen. Anlass war damals ein Bericht des Morgan-Stanley-Analysten Joseph Moore, wonach sich die Knappheit bei Speicherchips für Rechenzentren verschärfe und die Preise zwischen dem zweiten und dritten Quartal um mindestens 25 Prozent steigen könnten . Die Samsung-Zahlen verstärkten diese Bewegung. Auch SanDisk gehörte zu den stärksten Werten im S&P 500, während Micron deutlich zulegte .
Samsungs Quartalsbericht spricht dafür, dass die KI-getriebene Nachfrage nach Speicherchips ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Mehr als 250-faches Gewinnwachstum in der Halbleitersparte, langfristige Verträge für bis zu 70 Prozent der Produktion und die Prognose einer bis mindestens 2028 anhaltenden Knappheit stützen die positive Perspektive für Speicherchip-Aktien.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Kurse geradlinig steigen müssen. Die heftigen Verkäufe im Juli zeigen, wie schnell Anleger bei Zweifeln an den KI-Ausgaben umschichten können. Der strukturelle Rückenwind bleibt stark – die kurzfristige Volatilität ebenfalls.