Der wohl stärkste Katalysator war die rapide Neubewertung der Zinserwartungen an die BOJ. Die Märkte schätzten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September von lediglich 24 % am 30. Juli auf 76 % Mitte August . Befeuert wurde diese Entwicklung durch mehrere Faktoren:
Bis Mitte August sahen die Prognosemärkte eine 60%ige Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf der Septembersitzung; auf einigen Plattformen lag dieser Wert sogar bei 76 % .
Am 14. August meldete das US-Handelsministerium, dass die Einzelhandelsumsätze im Juli um 0,6 % im Vergleich zum Vormonat gesunken seien – der erste Rückgang seit neun Monaten und weit unter der Konsensprognose von +0,1 % . Auch die Kerneinzelhandelsumsätze (ohne Autos und Benzin) fielen um 0,4 %
.
Der Bericht versetzte den Märkten einen Schock. Der Bloomberg Dollar Spot Index fiel um bis zu 0,4 % und erreichte den niedrigsten Stand seit Mai . Die Händler senkten die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed im September auf rund 31–32 %
. Die Dollarschwäche beflügelte direkt den Yen: USD/JPY schnellte zunächst auf 158,60, um sich dann nahe 159,37 einzupendeln – dennoch gab das Paar am Tag nach
. Die schwachen Daten untermauerten die Argumente für eine abwartende Haltung der Fed, was den Yen zusätzlich gestützt hätte.
Alle Blicke sind nun auf zwei zentrale Notenbanksitzungen gerichtet: die des Federal Open Market Committee (FOMC) am 15.–16. September und die der BOJ am 17.–18. September.
Die BOJ steht massiv unter Druck, die Erwartungen zu erfüllen. Quellen zufolge könnte die Notenbank ihren Leitzins von 1,0 % auf 1,25 % anheben . Die entscheidende Frage ist, ob Gouverneur Kazuo Ueda und der Vorstand die bereits so deutlich angedeutete Möglichkeit auch tatsächlich umsetzen.
Die Entscheidung der Fed ist fast ebenso wichtig. Die schwachen Einzelhandelsdaten für Juli und die sich eintrübende Konsumstimmung haben die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf rund 31 % gedrückt . Sollte die Fed die Zinsen stabil halten (der Basisfall), während die BOJ die Zinsen erhöht, würde sich der Dollar-Yen-Zinsunterschied verringern und dem Yen zusätzlichen Spielraum für eine Aufwertung geben. Sollte die Fed jedoch mit einer hawkischen Haltung überraschen – etwa indem sie auf eine mögliche Zinserhöhung im Dezember verweist – könnte die Dollarschwäche die Yen-Gewinne kontern.
Der dramatische Interventionsschub beginnt bereits nachzulassen. Bis Mitte August gab der Yen um rund 1 % in der Woche nach, fiel zurück in Richtung 159,37 und gab damit etwa die Hälfte seiner Interventionsgewinne wieder ab . Händler beobachten nun die 160-Yen-Marke als den entscheidenden Schwellenwert, der eine neue Runde offizieller Yen-Käufe auslösen könnte
.
Die Bedeutung der BOJ-Sitzung im September könnte kaum höher sein. Hier sind die wichtigsten Risiken, falls die Notenbank die Zinsen nicht anhebt:
Fazit: Die Yen-Erholung wurde durch einen dreifachen Katalysator angetrieben – die gemeinsame US-japanische Intervention, sprunghaft gestiegene BOJ-Zinsspekulationen und schwache US-Konjunkturdaten. Der weitere Verlauf hängt nun entscheidend davon ab, ob die BOJ am 18. September liefert, was die Märkte erwarten. Tut sie es, könnte der Yen, insbesondere bei einer abwartenden Fed, weiter zulegen. Tut sie es nicht, sind ein Verblassen des Interventionseffekts und ein erneuter Rutsch in Richtung 160+ der Basisfall.