Der erste große Störfall begann am 1. Juni. Nutzer, die eine Excel-Tabelle, eine PowerPoint-Präsentation oder andere Dateien in Office für das Web oder direkt in Microsoft Teams öffnen wollten, sahen sich mit einer knallharten Fehlermeldung konfrontiert: "Office Online-Dienst ist derzeit nicht verfügbar. Wir arbeiten daran, alle Dienste so schnell wie möglich wiederherzustellen." . Microsoft bestätigte, dass es sich um ein "dienstübergreifendes Problem" handelte, das die gesamte Nutzungserfahrung von Office im Web beeinträchtigte. Das deutet darauf hin, dass nicht eine einzige Applikation fehlerhaft war, sondern mehrere voneinander abhängige Backend-Systeme gleichzeitig ausfielen .
Die Telemetrie des Unternehmens registrierte einen sprunghaften Anstieg der Fehlerraten in den Office-Web-Apps. Die Ingenieure begannen, diese Muster quer durch die verschiedenen Dienstabhängigkeiten zu analysieren, um eine Lösung zu finden . Der Vorfall wurde schließlich am 2. Juni gegen 14:48 Uhr MESZ (12:48 UTC) als behoben gemeldet .
Da Microsoft noch keine finale Ursachenanalyse vorgelegt hat, bleibt der genaue technische Auslöser unbestätigt. Die Beschreibung als "dienstübergreifendes Problem" legt jedoch stark nahe, dass eine gemeinsam genutzte Abhängigkeit im Backend versagte. Das könnte eine Speicher-, Authentifizierungs- oder Sitzungsverwaltungsebene gewesen sein, die sowohl von Teams als auch von den Office-Web-Apps verwendet wird, und deren Fehler sich dann kaskadenartig bis zur Benutzeroberfläche durchschlug .
Während Nutzer noch mit gesperrten Dokumenten kämpften, entfaltete sich parallel ein zweites Drama. Wer das My Sign-Ins-Portal (mysignins.microsoft.com) aufrief, um die wichtige Zwei-Faktor-Authentifizierung für sein Konto zu aktivieren oder bestehende Methoden zu verwalten, wurde mit einem 504 Gateway Timeout-Fehler abgewiesen. Das Portal war schlichtweg nicht erreichbar und blockierte so die Einrichtung von MFA für neue Konten . Diese Störung dauerte am 1. Juni rund drei Stunden .
Microsofts Gegenstrategie bestand in einer Umschaltung auf eine alternative, funktionierende Infrastruktur (Failover), um den Dienst wiederherzustellen . Das Muster eines 504-Fehlers und die Notwendigkeit eines solchen Failovers deuten auf einen Defekt im Backend-Service oder in der Lastverteilungsschicht hin, die dem Authentifizierungsportal vorgeschaltet ist.
Bemerkenswert ist, dass dies nicht der erste MFA-bezogene Ausfall im Jahr 2026 ist. Ein Vorfall im Februar (MO1237461) verursachte ähnliche 504-Fehler bei MFA-Anmeldungen und wurde später auf den Drittanbieter Duo zurückgeführt, der einen Fix auf seiner Seite bereitstellte . Microsoft hat noch nicht offengelegt, ob MO1329260 eine ähnliche Abhängigkeit von Dritten betraf oder ob es sich um einen rein internen Fehler im hauseigenen Dienst Microsoft Entra ID handelte.
Die beiden Juni-Vorfälle sind keine bedauerlichen Einzelfälle. Sie sind die jüngsten Datenpunkte in einer ungewöhnlich dichten Häufung von schwerwiegenden Cloud-Ausfällen bei Microsoft im Jahr 2026. Branchenbeobachter verzeichnen nun bereits fünf signifikante Ereignisse allein im ersten Halbjahr .
Aus dieser Pannenserie kristallisieren sich einige unangenehme Kernthemen heraus:
Der entscheidende Vorbehalt für beide Juni-Vorfälle ist das Fehlen einer offiziellen Ursachenanalyse (RCA). Die gesamte obige Analyse basiert auf Microsofts Echtzeit-Statusmeldungen, Updates im Admin-Center und der Nachverfolgung durch Dritte. Solange Microsoft keine detaillierten technischen Post-mortem-Berichte veröffentlicht, lässt sich unmöglich feststellen, ob diese beiden Ereignisse einen gemeinsamen Auslöser hatten – etwa eine einzelne Infrastrukturänderung, die zwei getrennte Dienste in Mitleidenschaft zog – oder ob sie einfach ein unglücklicher Zufall waren. Was jedoch bereits jetzt glasklar ist: Sie fügen sich nahtlos in einen breiteren und zutiefst beunruhigenden Trend im Jahr 2026 ein, der die IT-Welt der Unternehmen in Alarmbereitschaft versetzt.