Bitcoins Sinkflug beschleunigte sich im Wochenverlauf. Die Daten des Derivate-Anbieters CoinGlass und verschiedener On-Chain-Analyseplattformen zeigen drei deutlich erkennbare Liquidationswellen.
Die Geschwindigkeit des Crashs war ein Paradebeispiel für eine sogenannte Long-Squeeze. Sinkende Kurse führten dazu, dass gehebelte, bullische Positionen zwangsliquidiert wurden. Diese erzwungenen Verkäufe übten weiteren Druck auf die Preise aus, was wiederum weitere Stop-Outs und Margin Calls nach sich zog – eine fatale Abwärtsspirale .
Durchgehend machten Long-Trader den überwältigenden Großteil der Liquidationen aus. Am 2. Juni entfielen 1,08 Milliarden der insgesamt 1,23 Milliarden Dollar an Zwangsschließungen auf Longs – das entspricht rund 88 Prozent . Am 5. Juni zeigte sich ein identisches Bild, wobei die Gesamtsumme von 1,75 Milliarden Dollar ebenfalls von Long-Liquidationen dominiert wurde
.
Während die zentralisierten Börsen Liquidationswellen in Milliardenhöhe verarbeiteten, stand das dezentralisierte Finanz-Ökosystem (DeFi) von Ethereum vor seiner ganz eigenen, strukturellen Zerreißprobe. On-Chain-Daten von Lookonchain, die von zahlreichen Medien zitiert wurden, zeigten, dass 343.075 ETH im Wert von rund 547 Millionen Dollar bei verschiedenen DeFi-Verleihprotokollen akut von Liquidation bedroht waren .
Als Ethereum von 1.770 auf 1.544 Dollar fiel, rückten diese Positionen immer näher an ihre erzwungenen Liquidationsschwellen heran . Das Risiko konzentrierte sich auf vier brisante Kursmarken:
| Liquidationspreis | Betroffene ETH | Ungefährer USD-Wert |
|---|---|---|
| 1.565,72 $ | 46.741 ETH | 74,71 Millionen $ |
| 1.555,04 $ | 58.032 ETH | 92,85 Millionen $ |
| 1.426,31 $ | 100.394 ETH | 159,43 Millionen $ |
| 1.361,73 $ | 137.908 ETH | 220,41 Millionen $ |
Die unmittelbare Gefahrenzone lag zwischen 1.565,72 und 1.555,04 Dollar, wo auf den Protokollen Maker und AAVE V3 insgesamt 167,6 Millionen Dollar an Long-Positionen auf der Kippe standen . Würde der Kurs diese Schwelle durchbrechen, drohte eine Kaskade, die sich auf die noch größeren Positionen bei 1.426,31 und 1.361,73 Dollar ausweiten könnte. Das Krypto-Analysehaus Spot On Chain identifizierte den Bereich von 1.555 bis 1.566 Dollar als unmittelbare, kritische Schwelle und warnte, dass ein Unterschreiten dieser Zone einen rapiden Absturz auf das Unterstützungsniveau von 1.426 Dollar auslösen könnte
.
Der Crash sorgte dafür, dass mehr als die Hälfte aller umlaufenden Bitcoin-Bestände in nicht realisierten Verlusten lag – ein Zustand, der historisch betrachtet mit jedem großen Bärenmarkt-Tiefpunkt in Bitcoins Geschichte einhergegangen ist . Dieses Ausmaß an Stress unter den Haltern deutet auf ein kapitalationsähnliches Umfeld hin, auch wenn die verfügbaren Quellen noch keinen endgültigen Tiefpunkt bestätigen
.
Bereits im April 2026 hatte eine Analyse von CryptoQuant auf Basis des MVRV-Z-Score ein mögliches Bärenmarkt-Tief bei etwa 55.000 bis 60.000 Dollar für die zweite Jahreshälfte projiziert . Der MVRV-Z-Score fällt in der Historie an jedem Zyklustief unter null, und Ende Juni hatte er diese Schwelle noch nicht unterschritten
. Ein separater Bloomberg-Bericht vom März 2026, der sich auf eine Analyse von Blockforce Capital berief, identifizierte anhand konvergierender On-Chain-Daten einen potenziellen Bodenbereich zwischen 45.000 und 55.000 Dollar – darunter der „realisierte Preis“ (eine Art durchschnittlicher Einstandskurs) bei etwa 54.000 Dollar und der gleitende 200-Wochen-Durchschnitt bei rund 58.000 Dollar
.
Bitwise stellte in seinem Marktkompass für Juni fest, dass Bitcoins rollierender 2-Jahres-MVRV-Z-Score auf ein Allzeittief gesunken sei, was faktisch einer „Schleuderpreis-Bewertung“ gleichkomme . Das Unternehmen warnte jedoch auch, dass eine nachhaltige Erholung von einer frischen Nachfrage abhänge – und dass der kurzfristige Verkaufsdruck weiterhin aktiv sei
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Die Ereignisse dieser Woche haben eine Marktstruktur offengelegt, die weiterhin extrem empfindlich auf selbst moderate Stimmungsschocks reagiert. Die unmittelbaren Auslöser – ein 32-BTC-Verkauf von Strategy, eine breite Liquidationskaskade und ein Volumen von 547 Millionen Dollar an gefährdeten Ethereum-DeFi-Positionen – sind messbar und dokumentiert . Die zugrundeliegenden Probleme sind jedoch noch nicht gelöst. Das offene Interesse (Open Interest) an gehebelten Bitcoin-Derivaten blieb hoch, und die Liquidationscluster im Ethereum-DeFi-Sektor waren ungetestet, aber gefährlich nahe am Marktpreis
.
Der in den verfügbaren Berichten widergespiegelte Analystenkonsens deutet nicht auf einen bestätigten „eisernen Boden“ bei 59.100 Dollar hin. Stattdessen stützt die Evidenz einen vorsichtigen Ausblick, demzufolge jede weitere Schwäche die gehebelten Positionen sowohl auf zentralisierten als auch dezentralisierten Plattformen, die nur knapp unter dem aktuellen Marktniveau lauern, rasch auftauen und eine neue Verkaufswelle auslösen könnte .
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