Der Auslöser war nach Angaben von Apple eine Prüfung, bei der Inhalte entdeckt wurden, die gegen die strengen Regeln des Unternehmens zu Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs verstießen. Die englische Abkürzung dafür lautet CSAM (Child Sexual Abuse Material) .
Wichtig für Nutzer: Die Sperre betraf vor allem neue Downloads. Wer Telegram bereits auf einem iPhone oder iPad installiert hatte, konnte die App weiter verwenden .
Erste Meldungen über die Nichtverfügbarkeit kamen gegen 21:30 Uhr an der US-Ostküste auf . Die Entfernung dauerte mehrere Stunden. Nachdem Telegram die beanstandeten Inhalte gelöscht und das Konto des verantwortlichen Nutzers gesperrt hatte, nahm Apple die App noch am selben Abend wieder in den Store auf .
In einigen Regionen konnte es nach der Rückkehr noch vorübergehend zu Verzögerungen bei der Suche kommen . Insgesamt handelte es sich jedoch um eine kurzfristige Entfernung und keine dauerhafte Sperre.
Apple erklärte gegenüber 9to5Mac:
„Wir haben Telegram kurzzeitig aus dem App Store entfernt, nachdem unsere Prüfung Inhalte gefunden hatte, die gegen unsere strengen Richtlinien zum Verbot von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs verstoßen. Die App wurde anschließend wieder aufgenommen, nachdem der Entwickler die Inhalte umgehend entfernt und den Nutzer gesperrt hatte, der sie veröffentlicht hatte.“
Telegram bestätigte lediglich die Wiederherstellung:
„Telegram ist im App Store wieder verfügbar und sollte bald wieder für alle Nutzer erreichbar sein.“
Eine genaue Erklärung zum beanstandeten Inhalt lieferte das Unternehmen zunächst nicht. Später veröffentlichte der offizielle Telegram-Account auf X den spöttischen Satz „Reports of my demise are greatly exaggerated“ – sinngemäß: Berichte über meinen Tod seien stark übertrieben – ergänzt um ein Apple-Emoji .
Telegram-Chef Pavel Durow behauptete außerdem, „Erpresser“ hätten Apple zur Entfernung der App gedrängt. Belege für diese Darstellung legte er nicht vor. Ein Apple-Sprecher bekräftigte gegenüber The National, dass CSAM-Inhalte auf der Plattform der Grund für die Maßnahme gewesen seien .
Die Entfernung galt ausschließlich für den iOS- und iPadOS-App-Store. Telegram blieb verfügbar über:
Für bestehende iOS-Nutzer bedeutete der Vorfall daher zunächst keine Unterbrechung von Nachrichten, Benachrichtigungen oder Chats. Problematisch war die Situation vor allem für Menschen, die Telegram neu installieren oder auf ein iPhone wechseln wollten.
Apple hatte Telegram bereits im Februar 2018 aus dem App Store entfernt. Damals ging es laut Telegram-Gründer Durow darum, dass die Apps „unangemessene Inhalte“ zugänglich gemacht hätten. Betroffen waren sowohl die reguläre Telegram-App als auch die experimentelle Anwendung Telegram X .
Durow erklärte damals, die Apps würden zurückkehren, sobald geeignete Schutzmaßnahmen umgesetzt seien. Die Entfernung erfolgte kurz nach dem Start von Telegrams Krypto-Wallet und dem damit verbundenen Token-Verkauf .
Der Vorgang von 2026 ist deshalb kein völlig neuer Konflikt, fällt aber deutlich schwerer ins Gewicht: Diesmal nannte Apple ausdrücklich Inhalte im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch als Verstoß gegen seine Richtlinien.
Die kurzfristige Entfernung steht in engem Zusammenhang mit den Vorwürfen, mit denen sich Pavel Durow in Frankreich auseinandersetzen muss. Im Kern geht es dort um die Frage, ob Telegram illegale Aktivitäten durch unzureichende Moderation erleichtert haben könnte – darunter auch die Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs.
Die wichtigsten Stationen des Verfahrens:
Apple und die französischen Ermittler verfolgen unterschiedliche Verfahren und sind nicht miteinander gleichzusetzen. Dennoch berührt der App-Store-Vorfall denselben zentralen Streitpunkt: Welche Verantwortung trägt eine Plattform für illegale Inhalte, die von einzelnen Nutzern verbreitet werden?
Die schnelle Rückkehr von Telegram zeigt, dass eine App-Store-Entfernung nicht zwangsläufig das Ende einer Anwendung bedeutet. Sie macht aber auch deutlich, wie viel Einfluss Apple auf den Zugang zu iPhone- und iPad-Nutzern hat. Selbst eine nur wenige Stunden dauernde Entfernung kann Downloads blockieren, öffentliche Unsicherheit auslösen und den Druck auf den Betreiber erhöhen.
Für Telegram ist der Vorfall deshalb mehr als eine kurze technische Störung. Er lenkt erneut den Blick auf die Moderationspraxis des Messengers – und auf das rechtliche Risiko, das Durow in Frankreich seit 2024 bestreitet.