Wie dies gleichzeitig die geldpolitische und die Safe-Haven-Nachfrage untergrub: Das US-Iran-Abkommen nahm die wichtigste geopolitische Risikoprämie vom Markt und ließ die Ölpreise einbrechen – paradoxerweise verschwand damit genau die Inflationspanik, die Edelmetalle als Inflationsschutz gestützt hatte . Dann schob die Fed mit höheren Zinserwartungen nach – die Opportunitätskosten für das Halten von zinslosem Silber stiegen. Beide Säulen der Silber-These wurden gleichzeitig eingerissen.
Die Wochenspanne war außergewöhnlich weit:
Von Hochs nahe 76,90 Dollar in den Vorwochen vollendete Silber einen scharfen Bein nach unten zurück in die 62 Dollar-Zone . Die 62-Dollar-Marke ist die kritische „rote Linie" – ein Wochenrange-Tief, das die Bullen verteidigen müssen, um einen tieferen Einbruch in Richtung 50 Dollar zu vermeiden
.
Silber zeigte sich deutlich volatiler als Gold. Am Montag übertraf Silber Gold (+3,45 % vs. +2,95 %) , am Mittwoch fiel es mit 2,69 % jedoch stärker als der Goldpreis
. Silbers Beta zum Makro-Nachrichtenzyklus bleibt mit etwa 1,2–1,5x der Bewegungen von Gold hoch – es steigt bei guten Nachrichten stärker, verkauft sich aber auch aggressiver, wenn die Fed falkenhaft wird. Am frühen Donnerstag zeigte Silber laut Kitco zudem eine „deutlich schwächere" Tendenz im Vergleich zu Golds „niedrigerer" Tendenz
.
Neben dem Makro-Drama der Woche steht Silber vor einer erheblichen strukturellen Nachfrageherausforderung:
Bank of America: Sie prognostiziert einen Silberpreis von 100 Dollar/Unze im vierten Quartal 2026, gefolgt von einem Rückgang auf 75 Dollar bis zum zweiten Quartal 2027, da die Industrielle Nachfrage nachlässt – ein sogenanntes „Peak-and-Decline"-Muster .
Finance Magnates (technische Analyse): Silbers Rückkehr über die 200-EMA bei rund 68,91 Dollar bringt den Preis zurück in die 66–89 Dollar-Konsolidierungszone, die das Metall seit Februar umrahmt. Der Analyst sieht ein Aufwärtspotenzial von rund 39 % auf 96 Dollar, wenn die Konsolidierung hält und der breitere Aufwärtstrend wieder einsetzt .
Barchart (technische Sicht): Die 62-Dollar-Marke ist die entscheidende Bullen-Bären-Linie. Ein klarer Bruch darunter würde den Weg zur Unterstützung bei 50 Dollar öffnen. Hält die 62 Dollar und erholt sich der Kurs über 70 Dollar, wäre die Korrektur lediglich ein Schütteln innerhalb einer größeren bullischen Struktur gewesen .
CBS News / Winmill (Ende Mai): Sie sagten einen Rückgang von 10–15 % im Juni voraus, da das Horten von Silber durch Privatpersonen und Institutionen nachlässt – eine Prognose, die mit dem eingetretenen Ausverkauf weitgehend übereinstimmt .
Das Gesamtbild: Silber steckt in einer Zerreißprobe zwischen einem immer noch bestehenden strukturellen Angebotsdefizit (~1,07–1,09 Milliarden Unzen Nachfrage gegenüber begrenzter Minenproduktion) und einer nachfrageseitigen Erosion durch Solarsubstitution und eine falkenhafte Fed. Die Doppelnatur des Metalls – halb Industrierohstoff, halb Geldmetall – bedeutet, dass es von beiden Seiten getroffen wird, wenn gleichzeitig die Industrielle Nachfrage nachlässt und die Zentralbanken einen restriktiven Kurs einschlagen.