Metas Zukunft bei maßgeschneiderten KI-Chips ruht nun auf zwei Säulen. Die Beziehung zu Broadcom, ohnehin der wichtigste Designpartner für anwendungsspezifische integrierte Schaltungen (ASICs), wurde im April 2026 massiv ausgebaut. Der neue, mehrjährige und mehrere Chipgenerationen umfassende Vertrag läuft bis mindestens 2029 und sichert Broadcom ein Erstvolumen von über 2,3 Milliarden US-Dollar zu – bei einer Lieferung von bis zu einem Gigawatt Chip-Kapazität . Auf einer Bilanzpressekonferenz im ersten Quartal 2026 bestätigte Broadcom-CEO Hock Tan den Stand der Dinge: „Metas Roadmap für den eigenen KI-Beschleuniger MTIA lebt und ist aktiv. Wir liefern bereits aus“
.
Dieses Design wird durch eine aggressive Fertigungs-Roadmap mit TSMC verwirklicht. Im März 2026 kündigte Meta an, bis Ende 2027 vier neue Generationen seiner MTIA-Chips (Meta Training and Inference Accelerator) einzusetzen – MTIA 300, 400, 450 und 500 . Dieses atemberaubende Tempo von sechs Monaten pro Generation ist bis zu viermal schneller als branchenüblich
. Der MTIA 300 wird bereits in Serie gefertigt, der MTIA 400 steht nach abgeschlossenen Tests kurz vor dem Einzug in die Rechenzentren
. Entscheidend: Gefertigt werden diese Chips nicht bei Samsung, sondern bei TSMC
. Das bestätigt, dass Metas frühere Erkundungsgespräche mit Samsung aus dem Jahr 2024 wieder verworfen wurden, als die MTIA-Roadmap mit ihrem Fokus auf absolute Ausführungssicherheit Fahrt aufnahm.
Dass Samsung diesen Auftrag nicht an Land ziehen konnte, hat mit einer dokumentierten Technologie- und Ausführungslücke gegenüber TSMC zu tun, die das Unternehmen zu einem riskanteren Partner für geschäftskritische KI-Halbleiter macht.
Der Kern von Samsungs Schwierigkeiten sind geringe Produktionsausbeuten bei den fortschrittlichen 3-Nanometer- und Sub-3-Nanometer-Prozessen. Deshalb ist es für die Foundry schwierig, große Kunden zu gewinnen und zu halten . Samsung war das erste Unternehmen, das die 3-nm-Fertigung mit GAA-Transistoren (Gate-All-Around) aufnahm, aber niedrigere Ausbeuten als erwartet trieben Kunden wie Google und Qualcomm in die Arme von TSMC
. Selbst jetzt, da Samsung für seinen nächsten 2-nm-Prozess eine Ausbeute von 70 Prozent anstrebt, baut TSMC seinen Technologie- und Marktvorsprung weiter aus
.
Die Dominanz von TSMC ist nahezu absolut. Das Unternehmen kontrolliert über 70 Prozent des weltweiten Foundry-Marktes, während Samsungs Anteil auf rund 7 bis 8 Prozent geschrumpft ist . Die fortschrittlichen TSMC-Fertigungslinien sind bis 2028 „ausverkauft“ – Apple und Nvidia haben praktisch die gesamte Kapazität für 3 nm und den kommenden 2 nm reserviert
. Es ist ein klassischer Verkäufermarkt, auf dem TSMC enorme, von KI-Chips getriebene Gewinne einfährt – weit mehr als Samsung – und gleichzeitig mehr als fünfmal so viel in die eigene Foundry reinvestiert wie der südkoreanische Konkurrent
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Normalerweise wäre der Kapazitätsengpass bei TSMC ein gefundenes Fressen für Samsung, aber die eigenen Ausbeuteprobleme verhindern, dass der Konzern daraus Kapital schlagen kann. Stattdessen muss Samsung zu aggressiven Lockmitteln greifen, etwa indem es seine High-Bandwidth-Memory-Produkte (HBM) zu Vorzugskonditionen mit Foundry-Dienstleistungen bündelt, um Kunden wie MediaTek von TSMC wegzulocken . Zwar konnte Samsung einige Erfolge verbuchen – die Fertigung von Teslas KI-Chip der nächsten Generation, einen möglichen 2-nm-Deal mit AMD und einen Auftrag von Nvidia für den „Groq 3“-LPU –, doch das reicht nicht, um die Glaubwürdigkeitslücke zu den großen KI-Hyperscalern zu schließen. Unternehmen wie Meta benötigen gewaltige, verlässliche Stückzahlen auf den modernsten Fertigungsknoten
.
Metas Entscheidung, das Samsung-Projekt zu pausieren, ist die direkte Folge dieses Kräftespiels:
Metas Schritt ist eine nüchterne Risikomanagement-Entscheidung eines Konzerns, der zig Milliarden in KI-Infrastruktur pumpt. Es ist kein Kommentar zum Ende von Metas Chip-Ambitionen, sondern ein Beleg dafür, wie ernst das Unternehmen diese Ambitionen nimmt. Meta setzt seine KI-Zukunft auf die Partner, die mit dem Tempo und der Zuverlässigkeit liefern können, die die eigene Roadmap verlangt. Samsung bleibt dabei außen vor – bei einem der folgenreichsten kundenspezifischen Chip-Programme der Branche.
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