Doch der Rückzug verlief nicht gleichförmig. Vier völlig unterschiedliche Kräfte wirkten gleichzeitig auf die Bestände ein. Und während direkte Unternehmensreserven eingedampft wurden, strömte frisches Geld in eine andere Anlageform: die regulierten Bitcoin-ETFs.
Strategy (ehemals MicroStrategy), der weltweit größte Unternehmenshalter von Bitcoin, veräußerte zwischen dem 27. Juli und dem 2. August 2026 insgesamt 1.638 BTC . Der Durchschnittspreis lag bei 63.957 Dollar – rund 11.500 Dollar unter den eigenen Anschaffungskosten von 75.419 Dollar . Der Verkauf brachte 104,7 Millionen Dollar ein; die Hälfte des Erlöses floss in Dividenden auf Vorzugsaktien (STRC), die andere Hälfte in Aktienrückkäufe .
Es war eine historische Zäsur: Erstmals liquidierte Strategy eigene Bestände, um laufende Verpflichtungen zu bedienen . Es war der dritte diskrete BTC-Verkauf des Jahres 2026 und die sechste Woche in Folge ohne Zukauf . Dem vorausgegangen war ein operativer Verlust von 8,33 Milliarden Dollar im zweiten Quartal, der größtenteils aus Wertberichtigungen auf die Krypto-Bestände resultierte . Strategies Bestand sank von 843.775 auf 842.138 BTC .
MARA Holdings, der größte börsennotierte Bitcoin-Miner gemessen an gehaltenen BTC, verkaufte im ersten Quartal 2026 rund 20.880 BTC für etwa 1,5 Milliarden Dollar, um den Betrieb zu finanzieren und Schulden zu tilgen . Im zweiten Quartal kamen weitere 2.213 BTC zu einem Durchschnittspreis von 73.078 Dollar hinzu . MARA kaufte im gesamten zweiten Quartal keinen einzigen Bitcoin zu .
Die BTC-Bestände des Unternehmens fielen im Jahresvergleich um 29 % auf 35.577 BTC . MARA wies für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 611,3 Millionen Dollar und einen Umsatzrückgang von 27 % aus . Im März 2026 hatte MARA seine Treasury-Politik formell geändert und den Verkauf von gehorteten Bitcoin-Beständen erstmals ausdrücklich erlaubt – ein klarer Bruch mit der früheren HODL-Strategie .
Die königliche Regierung Bhutans hat seit Oktober 2024 rund 70 % ihres Bitcoin-Portfolios liquidiert – die Reserven sanken von rund 13.000 BTC auf etwa 3.774 BTC . Am 7. August 2026 transferierte Bhutan weitere 434,87 BTC (etwa 28 Millionen Dollar) und beendete damit eine monatelange Pause .
Die gesamten Abflüsse des Jahres 2026 überstiegen 233 Millionen Dollar; die Erlöse fließen unter anderem in das Megaprojekt ‚Gelephu Mindfulness City‘ und die nationale Infrastruktur . Die Mining-Erträge sind nach dem Halving 2024 drastisch eingebrochen, sodass Bhutan heute als ‚reiner Verkäufer‘ gilt, dem kein frischer Zufluss mehr gegenübersteht .
Der breite institutionelle Rückzug wurde durch einen Kursverfall von rund 50 % verstärkt – vom Allzeithoch bei rund 126.000 Dollar auf etwa 64.000 Dollar . Dieser Preissturz zerstörte die sogenannte Equity-Prämien-Schleife, die Strategies Akkumulation über Jahre getrieben hatte: Das Unternehmen gab Aktien mit einem Aufschlag zum Nettoinventarwert aus und kaufte vom Erlös mehr Bitcoin. CryptoQuant warnt explizit, dass dieser Corporate-Treasury-Handel ‚bricht‘, weil das Modell, das die Nachfrage einst verstärkte, kollabiert .
Während die direkten Unternehmensreserven schrumpften, verzeichneten die Spot-Bitcoin-ETFs einen strukturellen Zufluss. Anfang August 2026 beliefen sich die Nettozuflüsse auf 626 Millionen Dollar, angeführt von BlackRocks IBIT .
Diese Zweiteilung – Unternehmen verkaufen, ETF-Anleger kaufen – erklärt, wie die Gesamtkategorie der institutionellen Bestände um zehn Prozent sinken konnte, obgleich gleichzeitig frisches Kapital in die regulierte ETF-Hülle strömte. Die institutionelle Nachfrage zieht sich nicht von Bitcoin zurück. Sie wandert lediglich um: von direkt gehaltenen Unternehmensreserven hin zu regulierten, börsengehandelten Produkten, die Liquidität, Verwahrung und Bilanzkomfort bieten.
| Druckvektor | Verkaufte BTC / Auswirkung | Grund |
|---|---|---|
| Strategy (1.638 BTC) | ~104,7 Mio. $ bei ~11.500 $/Coin Verlust | Dividenden, STRC-Rückkäufe, 8,33 Mrd. $ Q2-Verlust |
| MARA (23.093 BTC per 30.06.) | ~1,5 Mrd. $ (Q1) + 2.213 BTC (Q2) | Betrieb, Schulden, 611 Mio. $ Nettoverlust |
| Bhutan (~9.200 BTC seit Okt. 2024) | ~233 Mio. $+ in 2026 | Budget, Infrastruktur, post-Halving Mining-Einbruch |
| BTC-Kursverfall (~50 %) | Breiterer Rückzug von 130.000 BTC | Zerstörte die Equity-Prämien-Schleife |
| Gegengewicht: 626 Mio. $ ETF-Zufluss | Spot-BTC-ETFs, v. a. BlackRock IBIT | Institutionelle Nachfrage wechselt zu regulierten ETFs |
Der dreimonatige Ausverkauf ist der schwerste Strukturtest, dem das ursprüngliche Corporate-Treasury-Modell seit seiner Entstehung ausgesetzt war. Die Equity-Prämien-Arbitrage, die Strategies Ansatz ermöglichte, funktionierte nur bei steigenden Kursen. Als Bitcoin um 50 % fiel, brach das Modell.
Doch der gleichzeitige Zufluss in die Spot-ETFs deutet auf ein differenzierteres Bild hin: Institutionen geben das Bitcoin-Exposure nicht auf; sie bewerten lediglich die Hülle neu. ETFs bieten regulatorische Klarheit, niedrigeres Kontrahentenrisiko und eine einfachere Portfoliosteuerung. Ob das langfristig eine breitere institutionelle Basis stützt oder nur dieselbe Nachfrage verlagert, ist die offene Frage.