Beim Start des Fahrzeugs erscheint ein Banner mit dem Hinweis: „Surprise! Spider-Man just dropped into your BMW!“ Wer es antippt, bekommt eine bildschirmfüllende Animation zu sehen. Dabei nutzt BMW das Audiosystem und die Ambientebeleuchtung des Autos; außerdem interagiert Spider-Man mit einem BMW iX3 SUV. Die Aktion bewirbt damit sowohl den Film als auch ein entsprechendes Fahrzeugkonzept .
Die Vollbild-Animation startet also nicht ohne weiteres Zutun. Das Banner selbst ist jedoch beim Fahrzeugstart sichtbar – auch dann, wenn der Fahrer es nicht antippt . Genau dieser Unterschied überzeugt viele Besitzer nicht.
In sozialen Netzwerken und Autoforen beklagten BMW-Fahrer, dass ein teuer gekauftes Fahrzeug plötzlich als Werbefläche genutzt werde. Einige Besitzer verweisen darauf, für ihre Autos 50.000 US-Dollar oder mehr bezahlt zu haben. Ein Reddit-Nutzer schrieb sinngemäß, man brauche bald einen Werbeblocker fürs Auto . Andere verglichen die Aktion mit dem umstrittenen U2-Album, das 2014 automatisch in iTunes-Bibliotheken vieler Nutzer auftauchte .
Der Vorwurf lautet nicht nur, dass die Werbung unerwünscht ist. Kritiker sehen darin auch einen möglichen Präzedenzfall: Wenn der zentrale Bildschirm eines bereits bezahlten Autos zur Werbefläche wird, könnten weitere Hersteller diesem Modell folgen und Fahrzeuginnenräume zu digitalen Litfaßsäulen machen .
BMW beschreibt die Einblendung nicht als klassische Werbung, sondern als „festive animation“ und „special surprise“. Nach Angaben des Unternehmens ist sie Teil einer größeren Partnerschaft mit Sony Pictures und Marvel. BMW-Fahrzeuge kommen auch im Film vor .
Der Hersteller betont außerdem drei Punkte:
Bernd Körber, Senior Vice President für BMW-Marke und Produktmanagement, bezeichnete den Start der Partnerschaft als „passend“ . Für die Kritiker ändert das jedoch wenig an der grundsätzlichen Frage: Wer entscheidet, welche Inhalte auf dem Bildschirm eines privat besessenen Autos erscheinen?
Der größte Ärger entzündet sich an einem Versprechen, das noch nicht lange zurückliegt. Im Dezember 2023 sagte Stephan Durach, damals BMW Group Senior Vice President für Connected Company Development, BMW werde keinen Platz auf Bildschirmen im Auto verkaufen, um dort Werbespots abzuspielen. Den Innenraum bezeichnete er ausdrücklich als „privaten Raum“ .
„To say I'm selling the screen to play a commercial, I don't see it. It's a private space“, erklärte Durach damals in einer Gesprächsrunde mit Journalisten. Die Aussage wurde unter anderem von Autoweek, TechSpot, BMW Blog und MediaPost aufgegriffen .
Aus Sicht der Kritiker ist die Spider-Man-Aktion deshalb nicht bloß eine missglückte Marketingidee. Sie wirkt wie eine direkte Kehrtwende: BMW nutzt den Bildschirm nun doch für kommerzielle Inhalte eines externen Partners – nur wenige Jahre nachdem ein ranghoher Manager genau das ausgeschlossen hatte .
Hinzu kommt BMWs Vorgeschichte beim Thema nachträgliche Monetarisierung. 2022 und 2023 geriet der Hersteller massiv in die Kritik, weil er in einigen Märkten eine monatliche Gebühr von ungefähr 18 US-Dollar für die Nutzung ab Werk eingebauter Sitzheizungen verlangte . Die notwendige Hardware war bereits im Fahrzeug vorhanden.
Nach dem öffentlichen Widerstand beendete BMW das Sitzheizungs-Abonnement im September 2023. Führungskräfte räumten später ein, dass die Idee ein „Fehler“ gewesen sei . Zwar handelt es sich bei der Spider-Man-Promotion nicht um ein kostenpflichtiges Feature. Für viele Besitzer fügt sie sich dennoch in dasselbe Muster ein: BMW probiert aus, wie weit sich zusätzliche Erlösmodelle rund um ein bereits verkauftes Fahrzeug durchsetzen lassen .
Die Partnerschaft zwischen Sony Pictures und BMW soll Teil einer weltweiten Kampagne mit einem Medienwert von 309 Millionen US-Dollar sein – laut den vorliegenden Berichten die bislang größte Kooperation zwischen einem Autohersteller und einem Film . Für BMW mag die Aktion deshalb eine aufmerksamkeitsstarke Markeninszenierung sein.
Für Kunden steht jedoch eine andere Frage im Mittelpunkt: Gehört der Bildschirm im Auto zur privaten Nutzung – oder bleibt er eine Plattform, die der Hersteller nach dem Kauf jederzeit für Partner aktivieren kann? Marketingkommentator Tom Goodwin warnte, kurzfristige Einnahmen könnten durch langfristige Schäden für die Marke mehr als aufgewogen werden .
Genau darin liegt der Kern des Ärgers: Nicht Spider-Man allein sorgt für rote Köpfe, sondern der Eindruck, dass sich die Spielregeln nach dem Kauf verändern. Ein Auto, das als persönlicher Rückzugsort verkauft wird, soll für viele BMW-Besitzer nicht plötzlich wie ein gemieteter Werbeträger funktionieren.