Die Mijia Capsule Coffee Machine soll zuvor seit Februar 2025 ausschließlich in China angeboten worden sein. Dabei ist Vorsicht bei älteren Test- und Nachrichtenberichten angebracht: Einige beziehen sich auf die chinesische Mijia Capsule Coffee Machine S1, für die unter anderem 20 bar Pumpendruck und 1.250 Watt genannt wurden. Diese Werte lassen sich nicht ohne Weiteres auf die internationale Version übertragen. Für das internationale Modell nennt Xiaomi 19 bar und 1.400 Watt.
Eine 19-bar-Hochdruckpumpe und ein Schnellheizsystem sollen die Maschine in rund 25 Sekunden betriebsbereit machen. Über zwei Tasten lassen sich kleine und große Getränke starten. Die Mengen können außerdem angepasst werden, sodass Nutzer nicht vollständig auf die voreingestellten 40 und 110 Milliliter festgelegt sind.
Die Maschine arbeitet ausschließlich mit Kaffeekapseln. Wer lieber frisch gemahlene Bohnen dosiert, einen Siebträger verwendet oder klassischen Filterkaffee zubereitet, erhält hier also nicht die entsprechende Flexibilität. Dafür sind Bedienung und Reinigung im Alltag unkompliziert.
Xiaomi wirbt damit, dass die Maschine mit den meisten Kaffeekapseln auf dem Markt kompatibel sei. Gemeint ist damit jedoch keine uneingeschränkte Universal-Kompatibilität. Der Hersteller nennt mehrere Durchmesserbereiche:
Berücksichtigt werden laut Xiaomi Kapseln mit Aluminium-, Papier- und Silikonversiegelung. Papierkapseln seien nicht wiederverwendbar. Bei Silikonversiegelungen könne außerdem ein Dichtungsring in der Brühkammer zurückbleiben und dadurch möglicherweise Wasser austreten.
Für Käufer bedeutet das: Die Mijia wirkt offener als eine Maschine, die ausschließlich ein proprietäres Kapselsystem akzeptiert. Vor dem Großeinkauf sollte aber geprüft werden, ob die gewünschte Kapsel tatsächlich die passenden Maße und eine geeignete Versiegelung besitzt. „Die meisten“ ist nicht gleichbedeutend mit „jede“.
Zum Lieferumfang gehört ein magnetischer Kapselhalter, der an der Maschine oder an einer anderen Metallfläche – etwa am Kühlschrank – befestigt werden kann. Er bietet Platz für bis zu 20 Kapseln.
Dabei handelt es sich nicht um ein integriertes Fach im Inneren der Kaffeemaschine. Der Halter ist vielmehr eine externe Ablage, die häufig verwendete Kapseln griffbereit hält. Zusammen mit dem nur rund neun Zentimeter breiten Gehäuse passt dieses Konzept besonders gut in Küchen, in denen jeder Zentimeter zählt.
Als Vergleichsmodell bietet sich die Nespresso Essenza Mini an. Beide Maschinen setzen auf ein kompaktes Kapselkonzept, eine 19-bar-Drucktechnik, eine Aufheizzeit von ungefähr 25 Sekunden sowie Standardmengen von 40 Millilitern für Espresso und 110 Millilitern für Lungo.
Die Xiaomi-Maschine besitzt mit 650 Millilitern den etwas größeren Wassertank. Die Essenza Mini kommt auf 600 Milliliter. Xiaomi legt zudem den magnetischen Halter für 20 Kapseln bei und verspricht die Nutzung vieler Kapseln passender Größe. Nespresso nennt bei der Essenza Mini dagegen ausdrücklich die Kompatibilität mit Nespresso-Original-Kapseln.
Beim Preis ist der Abstand nicht zwingend groß: Xiaomi verlangt in Deutschland 104,90 Euro, während Nespresso Finnland die Essenza Mini mit 99,99 Euro listet. Je nach Land, Händler und Rabatt kann sich das Verhältnis ändern.
Damit ergibt sich eine recht klare Entscheidung:
Aus den technischen Daten lässt sich nicht ableiten, welche Maschine den besseren Geschmack liefert. Dafür spielen unter anderem die verwendete Kapsel, das Wasser und die gewählten Einstellungen eine entscheidende Rolle.
Die Kaffeemaschine steht außerdem für Xiaomis Versuch, seine Haushaltsgeräte-Marke Mijia breiter in Europa zu positionieren. Das Unternehmen bewirbt neben Smartphones und Wearables inzwischen auch Produkte wie Waschtrockner, Luftreiniger, Saugroboter, Kühlschränke und weitere Küchengeräte.
Zu den in europäischen Marketingmaterialien genannten Produkten zählen unter anderem der Mijia Front Load Washer Dryer Pro 9 kg, der Mijia Smart Air Purifier 6, der Xiaomi Robot Vacuum 5 Pro und ein Mijia-Kühlschrank mit 502 Litern. Die tatsächliche Verfügbarkeit kann sich jedoch von Land zu Land unterscheiden.
Der internationale Start der Kaffeemaschine fällt zudem in die Zeit vor Xiaomis geplantem erstem IFA-Auftritt in Berlin im September 2026. Xiaomi hat die Messe als Zeichen seines langfristigen Engagements in Europa beschrieben und will dort seine Strategie „Human × Car × Home“ präsentieren.
Die Mijia Capsule Coffee Machine gehört dabei klar zum Bereich Home. Belege für eine Fahrzeug-Integration oder zwingend für eine App-Steuerung liefert der Marktstart nicht. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass Xiaomi alltägliche Haushaltsroutinen besetzen will – vom Staubsaugen und Luftreinigen bis zum morgendlichen Kaffee.
Die Mijia Capsule Coffee Machine ist nicht einfach nur eine deutlich billigere Nespresso. Mit 104,90 Euro liegt ihr deutscher Listenpreis nahe an zumindest einem offiziell gelisteten Preis der Essenza Mini. Das stärkere Argument ist die Ausstattung: ein rund neun Zentimeter schmales Gehäuse, 25 Sekunden Aufheizzeit, ein 650-Milliliter-Tank, programmierbare Getränkemengen, die behauptete Kompatibilität mit vielen passenden Kapseln und der magnetische Halter für 20 Kapseln.
Kaufinteressierte sollten dennoch zwischen bestätigten Fakten und Marketingversprechen unterscheiden. Deutschland ist der klar belegte europäische Verkaufsmarkt, der 10-Prozent-Rabatt dürfte eine zeitlich begrenzte Einführungsaktion sein, und bei Drittanbieter-Kapseln müssen die Abmessungen geprüft werden. Als Produkt ist die Maschine klein – als Signal für Xiaomis wachsende europäische Haushaltsgeräte-Offensive aber durchaus bemerkenswert.