Das regulatorische Portfolio des Sentire-Systems Mitte 2026 liest sich wie ein globaler Schlachtplan, der dem Unternehmen den Weg in drei strategisch wichtige Märkte ebnet:
Auffällig ist, dass bis Mitte 2026 keine FDA-Zulassung für die Vereinigten Staaten öffentlich bestätigt wurde. Der weltweit größte und lukrativste Markt für Medizintechnik bleibt dem Sentire-System damit vorerst verschlossen.
Das Sentire Endoskopische Chirurgiesystem ist eine teleoperierte, mehrarmige Roboterplattform, die für minimalinvasive Weichgewebeoperationen konzipiert ist . Zu den zugelassenen Anwendungsgebieten zählen die Allgemeinchirurgie, Urologie, Gynäkologie und Thoraxchirurgie
. Das System umfasst eine Chirurgenkonsole und ein hochauflösendes 3D-Vision-System und greift auf den etablierten Multi-Port-Ansatz zurück, den auch die marktführenden Systeme verwenden.
Cornerstone Robotics hat seine erste formelle klinische Untersuchung in Europa im britischen Portsmouth Hospitals University NHS Trust (PHU) gestartet. Der Einsatz des Modells Sentire C1000 im Queen Alexandra Hospital, der Mitte 2025 begann, ist ein kritischer Schritt, um reale klinische Daten zu sammeln. Diese Daten sind essenziell, um die breitere klinische Akzeptanz zu fördern und zukünftige Zulassungsanträge, wie etwa bei der FDA, zu untermauern .
Dieser rasante regulatorische Fortschritt wäre ohne massive finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen. Innerhalb von nur elf Monaten hat das Unternehmen zwei große Finanzierungsrunden erfolgreich abgeschlossen:
Sentire tritt in einen globalen Markt ein, der weiterhin fest in der Hand von Intuitives da Vinci-Plattform ist, die auf einen Marktanteil von geschätzten 71 % kommt . Seit 2024/2025 ist jedoch Bewegung in die Wettbewerbslandschaft gekommen, vor allem durch Medtronics modulares Hugo RAS-System und das kompakte Versius-System von CMR Surgical
.
Die Wettbewerbsposition von Sentire ruht auf mehreren Säulen:
Dennoch sind die Hürden hoch. Cornerstone Robotics hat noch keine großangelegten, von Experten begutachteten klinischen Studiendaten veröffentlicht, die seine Ergebnisse mit denen etablierter Systeme vergleichen. Die installierte Basis ist verschwindend gering im Vergleich zu Intuitives jahrzehntelanger Erfolgsbilanz und der wachsenden klinischen Evidenz für Konkurrenten wie das Hugo RAS-System . Zudem fehlt der FDA-Zugang. Der wahre Wettbewerbswert von Sentire wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren darin zeigen, wie diese regulatorischen Erfolge in reale klinische Anwenderzahlen und eine solide Datenbasis umgemünzt werden können. Für deutsche und europäische Kliniken könnte Sentire mittelfristig eine interessante, kosteneffizientere Alternative im wachsenden Portfolio der robotischen Chirurgie werden.