Die globale Jugendarbeitslosigkeitsrate erreichte 2025 einen Wert von 12,4 %, nach 12,3 % im Vorjahr . Damit ist der Abwärtstrend gestoppt, der die Jugendarbeitslosigkeit 2023 auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten gesenkt hatte . Zum Vergleich: Junge Menschen sind heute 2,5-mal häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als der Rest der Erwerbsbevölkerung, deren Quote 2025 stabil bei 4,9 % lag .
Die ILO führt den Anstieg auf eine Kombination aus schwächerem Wirtschaftswachstum, geopolitischen Spannungen und einer schleppenden Schaffung neuer Arbeitsplätze zurück .
Vielleicht noch alarmierender als die Arbeitslosenquote selbst ist die Zahl der jungen Menschen, die weder arbeiten noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Die ILO berichtet, dass weltweit rund 260 Millionen junge Menschen als NEET (Not in Employment, Education or Training) gelten . Das entspricht etwa einem Fünftel aller jungen Menschen weltweit .
Besonders dramatisch ist die Situation in einkommensschwachen Ländern: Dort liegt die NEET-Quote bei erschreckenden 27,9 % – fast drei von zehn jungen Menschen sind betroffen . Die ILO bezeichnete die Berufsaussichten für Jugendliche in den ärmsten Volkswirtschaften der Welt als „entmutigend“ .
Junge Frauen sind überproportional betroffen, wobei der Bericht deutliche regionale Unterschiede feststellt .
Die Krise trifft nicht alle Regionen gleichermaßen. Hochlohnländer verzeichneten einige der stärksten Anstiege bei der Jugendarbeitslosigkeit – ein Trend, den die ILO mit den frühen KI-bedingten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt in Verbindung bringt . Gleichzeitig haben Nordafrika und die arabischen Staaten weiterhin die höchsten Jugendarbeitslosigkeitsraten weltweit – etwa das 2,2- bzw. 1,7-Fache des globalen Durchschnitts, basierend auf früheren ILO-Daten .
Die Erholung von der Pandemie ist regional äußerst ungleich verlaufen .
Ein zentrales neues Thema des Berichts 2026 ist die wachsende Bedrohung, die Künstliche Intelligenz für junge Arbeitssuchende darstellt . Die ILO warnt, dass KI den Arbeitsmarkt für junge Arbeitnehmer umzugestalten beginnt, indem sie Routineaufgaben in Verwaltung und Büroarbeit automatisiert – genau jene Tätigkeiten, die traditionell als Sprungbrett in die Berufswelt dienten .
Besonders gefährdet sind Einstiegspositionen in Bereichen wie Datenerfassung, Kundenservice und einfache Verwaltung . Der Bericht stellt fest, dass KI den ohnehin schon hohen Druck auf dem Arbeitsmarkt für Jugendliche noch verstärken könnte, was es noch schwieriger macht, den entscheidenden ersten Job zu finden . Ein separater ILO-Bericht vom Januar 2026 warnte ebenfalls davor, dass KI und handelspolitische Unsicherheiten die Berufsaussichten junger Menschen weiter untergraben könnten .
Gleichzeitig schafft KI eine Nachfrage nach spezialisierten technischen Fähigkeiten – doch vielen Jugendlichen in einkommensschwächeren Ländern fehlt der Zugang zu der erforderlichen Ausbildung . Dies droht die Kluft zwischen entwickelten und sich entwickelnden Volkswirtschaften weiter zu vergrößern.
Der ILO-Bericht 2026 zeichnet das Bild eines Arbeitsmarktes, der für junge Menschen immer schwerer zugänglich wird, während die Arbeitslosenzahlen für Erwachsene stabil bleiben. Die Kombination aus steigenden NEET-Quoten, regionaler Ungleichheit und den frühen Auswirkungen der KI-Automation deutet darauf hin, dass die Erholung nach der Pandemie für Jugendliche nur von kurzer Dauer gewesen sein könnte.
Für politische Entscheidungsträger unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit gezielter Investitionen in Bildung und Ausbildung, insbesondere in einkommensschwachen Ländern, sowie proaktiver Strategien, um jungen Arbeitnehmern den Übergang in die KI-gestützten Arbeitsplätze der Zukunft zu erleichtern .