Entscheidend ist das Kleingedruckte: Diese 150 Milliarden sind keine einmalige Investition in ein Fabrikgebäude, sondern spiegeln die jährlichen Gesamtausgaben wider – vor allem für die Chipfertigung beim weltgrößten Auftragsfertiger TSMC und die Systemmontage durch den Elektronikriesen Foxconn . Huang illustrierte die Rolle Taiwans für das Unternehmen recht bildhaft: „Hier entstehen die Chips, hier findet das Packaging statt, hier werden die Systeme gebaut und hier wurden die KI-Supercomputer erschaffen“
. Er gehe zudem davon aus, dass Taiwan noch „für lange Zeit“ der globale Fertigungs-Hub bleiben wird
.
Offen blieb in der Ankündigung, über wie viele Jahre Nvidia die 150-Milliarden-Marke halten will – eine für Investoren und Geopolitik-Beobachter nicht unerhebliche Frage .
Parallel zur Ausgabenoffensive macht Nvidia das Engagement mit Beton und Glas sichtbar. Das Herzstück ist „Nvidia Constellation“ – die erste Auslandszentrale des Konzerns, die dimensionstechnisch mit dem Hauptsitz im kalifornischen Santa Clara mithalten soll .
Die Eckdaten des Projekts:
Dass der Bau kein bloßes Prestigeprojekt ist, zeigt ein Blick auf die Stellenzahl: Der Constellation-Campus soll mehr als 10.000 Arbeitsplätze in Taiwan schaffen . Schon zur Computex 2025 hatte Huang offen bekannt, dass die Zahl seiner Ingenieure im bisherigen Büro „die Grenzen unserer Räumlichkeiten gesprengt“ habe
. Der Neubau soll nicht nur das gewachsene Team aufnehmen, sondern auch als strategischer Knoten für die Vertiefung der Beziehungen zu den lokalen Industriepartnern dienen
.
Hinter den 150 Milliarden Dollar Jahresausgaben stehen vor allem zwei Schwergewichte. TSMC bleibt die zentrale Fertigungsdrehscheibe für Nvidias KI-Grafikchips, von der aktuellen Blackwell-Architektur bis zu künftigen Generationen. Huang nannte TSMC öffentlich „eines der großartigsten Unternehmen der Geschichte“ . Nvidias Spitzenchips sind nahezu ausnahmslos auf die modernsten Prozesstechnologien des taiwanischen Fertigers angewiesen – und die sind bis auf Weiteres auf der Insel konzentriert
.
Foxconn wiederum schultert die Montage der KI-Server und ist ein Schlüsselpartner für ein prestigeträchtiges Infrastrukturprojekt: Taiwans ersten nationalen KI-Supercomputer, der in der Hafenstadt Kaohsiung entsteht . Das System soll mit 10.000 Blackwell-GPUs bestückt werden. Foxconn trägt die Infrastruktur, TSMC nutzt den Rechner für die eigene Spitzenforschung, und die taiwanische Regierung ist offiziell mit im Boot – ein Joint Venture, das Taiwan vom Fertigungs- zum KI-Entwicklungs-Hub aufwerten soll
.
Für Huang liefert die taiwanische Lieferkette damit den gesamten Werkzeugkasten: „Die Chips, das Packaging, die Systeme, die Supercomputer – alles von hier“ . Ein Versprechen, das den Standort im Kaliber eines fünf Billionen Dollar schweren Konzerns nahezu alternativlos macht.
Die Größenordnung des Commitments birgt freilich auch eine gewaltige Herausforderung: Nvidia bindet mit 150 Milliarden Dollar jährlicher Ausgaben einen beträchtlichen Teil seines Schicksals an eine Insel, die geostrategisch zwischen den USA und China in der ersten Reihe steht . Anders als manche Konkurrenten, die ihre Fertigung geografisch breiter streuen, konzentriert Nvidia das Gros seiner margenstärksten KI-Prozessoren an einem Ort
. Das Unternehmen geht damit eine Wette ein, die aufgehen kann, solange die Lieferkette stabil bleibt – und die empfindliche Folgen hätte, sollte sich die Lage im Asien-Pazifik-Raum zuspitzen.
Huangs Ankündigungen vom 27. Mai sind nur das Vorspiel für eine der wichtigsten Konferenzwochen der Branche. Das GTC Taipei at Computex 2026 läuft vom 1. bis 5. Juni im Taipei International Convention Center, die erwartete Keynote hält der Nvidia-Chef am 1. Juni um 11 Uhr Ortszeit im Taipei Music Center – live gestreamt für alle, die kein Ticket mehr ergattern konnten . Als er im Februar 2026 seine Teilnahme zusagte, stellte Huang bereits mehrere Neuankündigungen in Aussicht
. Mit dem Constellation-Campus, dem Supercomputer-Projekt und dem 150-Milliarden-Volumen ist die Basis gelegt, um bei der Produkt- und Partnerschaftsschau kräftig nachzulegen.