Das Paket ruht auf zwei Säulen:
Parallel zu den Energiesubventionen verfolgt die Takaichi-Regierung den Plan, den reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel für zwei Jahre von 8 % auf 1 % zu senken. Der Startschuss soll im April 2027 fallen – passend zu den einheitlichen Kommunalwahlen, die in diesem Monat stattfinden. Damit will sich die Regierung als Entlastungsakteur präsentieren
. Es handelt sich um eine abgeschwächte Version von Takaichis ursprünglichem Wahlkampfversprechen, den Steuersatz ganz auf 0 % zu senken. Der Satz von 1 % wurde gewählt, um die kostspielige und aufwändige Neuprogrammierung der Kassensysteme zu vermeiden, die bei einem Nullsteuersatz nötig wäre
.
Die Einnahmeausfälle wären enorm. Die Verbrauchssteuer ist eine der wichtigsten Säulen des japanischen Steuersystems . Invesco schätzte, dass eine vollständige Abschaffung der Lebensmittelsteuer den Staat etwa 5 Billionen Yen pro Jahr kosten würde
.
Die Reaktion der Märkte war schnell und brutal. Ohne die frühere, künstlich niedrig gehaltene Obergrenze der Zinskurvenkontrolle hat ein historischer Ausverkauf bei japanischen Staatsanleihen eingesetzt. Die Renditen erreichen Werte, die seit den 1990er-Jahren nicht mehr gesehen wurden.
Dieser Ausverkauf spiegelt eine tiefe Glaubwürdigkeitslücke wider. Investoren sehen eine Regierung, die neue Schulden macht, um Konsum zu subventionieren, und gleichzeitig plant, eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen zu beschneiden . Das Versprechen, die Nettoneuverschuldung nicht zu erhöhen, stößt auf Skepsis, da das Nachtragsbudget selbst schuldenfinanziert ist und der Eindruck eines wahlgetriebenen Ausgabenkurses ohne glaubwürdigen Konsolidierungsplan entsteht
. Northern Trust stellt fest, dass sich die Volatilität bei JGBs in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt hat und betont, dass „die Ära der niedrigen Volatilität vorbei ist“
.
Die fiskalische Mathematik alarmiert die Anleihewächter aus einem klaren Grund: Japans Schuldenquote, die mit rund 200 % im Jahr 2025 bereits die höchste aller Industrienationen ist, steuert auf einen immer unwahrscheinlicheren Pfad zu.
Für die Bank of Japan könnte das Timing kaum schlechter sein. Sie versucht gerade, ihre Geldpolitik nach Jahrzehnten des billigen Geldes zu normalisieren. Das Zusammentreffen von fiskalischer Expansion und monetärer Straffung schafft eine politische Zwickmühle:
Der Kernkonflikt liegt offen zutage: Der Staat verschuldet sich, um populäre Entlastungen zu finanzieren, und plant gleichzeitig, seine Steuereinnahmen zu senken. Die Märkte, die nicht mehr durch eine von der BOJ verordnete Rendite-Obergrenze ruhiggestellt werden, preisen einen Fiskalkurs ein, der auf mehr Schulden, höhere Zinskosten und mehr Volatilität hindeutet. Das große Risiko ist eine fatale Abwärtsspirale aus höheren Renditen und explodierenden Schuldendienstkosten – ein Teufelskreis, der das gesamte Projekt der geldpolitischen Normalisierung gefährden könnte.
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