Aktuell ist das Modell an 30 Universitäten in 10 europäischen Ländern aktiv, und über 200 Studierende haben das Programm bereits durchlaufen . Der Creator Fund bezeichnet sich selbst als den weltweit größten studentischen Wagniskapitalfonds
. Diese studentischen "VCs" sollen forschungsstarke Unternehmertypen aufspüren, bevor diese überhaupt mit der traditionellen VC-Pipeline in Kontakt kommen.
Die ersten Schecks des Fonds gehen an Forschende, die an der absoluten Grenze des wissenschaftlich Möglichen arbeiten. Zu den berichteten Schwerpunktsektoren zählen :
Anders als viele spezialisierte Fonds ist dieser Ansatz bewusst breit gefächert, um wirkungsvolle Wissenschaft aus den Hochschullaboren branchenübergreifend einzufangen. Die einzige Konstante ist das Bekenntnis, promovierte Gründer in der frühestmöglichen Phase zu unterstützen.
Der Auftrag des Fonds ist denkbar spezifisch: europäische Doktoranden ansprechen, bevor sie ein Pitchdeck, einen Mitgründer oder überhaupt einen Firmennamen haben . Die ersten Schecks bewegen sich üblicherweise zwischen 100.000 und 700.000 Pfund, positioniert als initiales institutionelles Kapital deutlich vor späteren Seed- oder Series-A-Runden
.
CEO Jamie Macfarlane argumentiert, dass Europas Universitäten denen der USA oder Chinas in nichts nachstehen. Allerdings fehle es dem Kontinent an frühphasigem Kapital, um den Wert der eigenen Forschung auch selbst zu heben . Die These: Wer diese klugen Köpfe findet und fördert, bevor sie ins Ausland abgeworben werden, kann in Europa eine prägende Generation von Deep-Tech-Unternehmen aufbauen.
Das finale Closing des Fonds offenbart eine bemerkenswert institutionelle Investorenstruktur, angeführt von staatlichen Geldgebern. Die KfW Capital, Investmentarm der bundeseigenen Förderbank KfW, stieg beim finalen Closing als größter Investor ein . Der dänische Export and Investment Fund (EIFO) ist der zweitgrößte Geldgeber
.
Weitere namhafte Kommanditisten sind Equation Capital, Basecamp (ein Fonds von Phoenix Court), JIMCO sowie Allocator One . Insgesamt engagierten sich 71 Investoren aus 21 Ländern
. Dieses signalstarke staatliche Engagement unterstreicht das Vertrauen in einen Fonds, der sich dem Halten von Deep-Tech-Talenten in der Region verschrieben hat.
Seit 2019 hat die Firma 55 Startups in neun Ländern finanziert und den Portfoliounternehmen zu über 350 Millionen Dollar an Anschlussfinanzierungen verholfen . Allein in den letzten sechs Monaten überschritten zwei Beteiligungen kumulativ die Marke von 100 Millionen Dollar an Finanzierung
.
Bereits im vergangenen Jahr konnte der Fonds zudem einen ersten Return verbuchen: Das Portfoliounternehmen Loci wurde von Epic Games übernommen, was frühen Investoren Liquidität und einen bedeutenden Exit-Meilenstein bescherte . Die frühen Erfolge untermauern den auf den ersten Blick kontraintuitiven Ansatz, dass Investitionen noch ohne formellen Businessplan signifikante Renditen erzielen können.
Die Kernthese ist einfach: Wagniskapital erreicht die besten Wissenschaftler Europas meist zu spät – in der Regel dann, wenn die Toptalente bereits die akademische Laufbahn eingeschlagen haben, von Tech-Riesen abgeworben oder in besser finanzierte US-Labore abgewandert sind . Der Creator Fund bettet studentische Investoren direkt in die Universitäten ein. So erhält der Fonds einen proprietären Zugang zu Dealflow, den klassische VCs verpassen.
Dieses „Pre-Pitchdeck“-Prinzip führt dazu, dass der Wettbewerb nicht gegen andere Geldgeber geführt wird, sondern gegen den akademischen Karriereweg und die Personalabteilungen der großen Technologiekonzerne. Indem der Creator Fund den allerersten Scheck ausstellt – mitunter sogar, bevor der Firmenname feststeht –, will er außergewöhnliche Talente genau an dem Punkt abholen, an dem sie den größten Hebel versprechen.
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