Für klassische Speichermodule in Laptops, Desktop-PCs und Smartphones bleibt kaum etwas übrig. Der Marktforscher TrendForce bringt es auf den Punkt: Die Hersteller „verlagern weiterhin Kapazitäten auf HBM und Serveranwendungen“ und hungern damit den PC- und Mobilfunkmarkt aus . Die Folge ist eine anhaltende Unterversorgung, die Analysten nicht für Monate, sondern für Jahre erwarten
.
Die Geschwindigkeit, mit der die Preise gestiegen sind, sucht ihresgleichen. TrendForce hatte ursprünglich einen Quartalsanstieg von 55 bis 60 Prozent für das erste Quartal 2026 prognostiziert. Bereits im Februar wurde diese Schätzung auf 90 bis 95 Prozent nach oben korrigiert , und die endgültigen Daten zeigten im Juni einen noch dramatischeren Anstieg auf 93 bis 98 Prozent
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Am extremsten ist die Lage bei PC-Speicher: Die Kontraktpreise für PC-DRAM verzeichneten allein in Q1 2026 einen Anstieg von über 100 Prozent – ein neuer Rekord für einen einquartalsweisen Sprung – und kletterten im Vergleich zum Vorjahr um fast das Dreifache
.
TrendForce erwartet für das zweite Quartal einen weiteren Anstieg der konventionellen DRAM-Preise um 58 bis 63 Prozent, während NAND-Flash-Speicher (der Speicher in SSDs und Smartphones) sogar um 70 bis 75 Prozent teurer werden soll .
Die Spotmarktpreise, also die Preise im freien Handel, haben sich bis Mitte 2026 etwas stabilisiert – ein Zeichen dafür, dass Käufer die horrenden Preise schlicht nicht mehr zahlen können oder wollen. Ein 64-GB-DDR5-Kit kostet derzeit um die 900 US-Dollar, und diese Obergrenze scheint vorerst erreicht . Die Vertragspreise jedoch, die große PC-Hersteller und Unternehmen zahlen, steigen ungebremst weiter.
Die Warnungen kommen nun von allen Seiten und in aller Deutlichkeit.
Lexar: Chris Xia, Regionalmanager des Speicherspezialisten Lexar für Australien und Neuseeland, sagte Tom's Hardware Anfang Juni 2026, dass sich die RAM-Preise bis zum Jahresende voraussichtlich verdoppeln würden. Er warnte, der KI-Ausbau sauge nahezu alle verfügbaren Speicherchips von Samsung, SK Hynix und Micron auf .
Samsung: Bei der Vorlage der Quartalszahlen am 30. April 2026 warnte der Speicherchef Kim Jaejune vor „erheblichen Engpässen“ bei sämtlichen Speicherprodukten, die mindestens bis 2027 andauern würden. Die Nachfrage könne so wenig gedeckt werden wie nie zuvor, und Kunden reservierten bereits jetzt Kapazitäten für die kommenden Jahre .
SK Hynix: Eine interne, im Dezember 2025 durchgesickerte Analyse des Samsung-Rivalen war noch pessimistischer: Demnach wird der Mangel an Standard-DRAM – ohne die lukrativen KI-Spezialchips – sogar bis 2028 anhalten .
Apple: Der iPhone-Konzern hat zwar keine vergleichbaren öffentlichen Warnungen ausgesprochen, doch Berichten zufolge hat der Engpass erhebliche Auswirkungen. Produkteinführungen sind in Gefahr, und die Laptop-Preise des Unternehmens sind um rund 40 Prozent gestiegen .
Dass die Krise längst kein reines Tech-Problem mehr ist, zeigt ein spektakulärer Schritt in den USA. Am 3. Juni 2026 richtete eine branchenübergreifende Koalition aus neun Handelsverbänden einen gemeinsamen Brandbrief an US-Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick. Die Unterzeichner – darunter Vertreter der Breitband-Provider, Medizintechnikhersteller, Automobilkonzerne und Einzelhandelsketten – warnen vor einem „dringenden Ungleichgewicht auf dem Markt für Speicherchips“.
Das Argument der Verbände: Die KI-Rechenzentren verbrauchen einen „enormen Anteil der verfügbaren Speicherchip-Kapazität“, was zu explodierenden Preisen und Angebotsengpässen bei Herstellern weit außerhalb der Tech-Branche führt. Ohne staatliches Eingreifen, so die Warnung, drohten steigende Verbraucherpreise und kaskadierende Störungen der Lieferketten quer durch die amerikanische Wirtschaft .
Dieser Brief ist ein Novum, weil er die Speicherkrise aus der Halbleiter-Nische holt und zu einem handfesten Problem für die gesamte Wirtschaft erklärt.
Die Auswirkungen breiten sich über die gesamte Breite der Wirtschaft aus:
Die dominierenden Hersteller investieren zwar in neue Kapazitäten, doch neue Fabriken für konventionellen Speicher werden frühestens zwischen 2027 und 2028 den Betrieb aufnehmen . Kurzfristig gibt es keine Lösung von der Angebotsseite, da Samsung und SK Hynix weiterhin HBM- und Server-DRAM priorisieren und das Standard-DRAM-Angebot chronisch knapp bleibt
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Hinzu kommt eine politische Dimension. Im Januar 2026 kündigte das Weiße Haus eine zweiphasige Zollaktion auf Halbleiter an . Handelsminister Lutnick drohte namentlich nicht genannten Speicherchip-Herstellern separat mit 100-Prozent-Zöllen, sollten sie nicht in den USA produzieren
. Eine Eskalation der Handelsmaßnahmen würde den Markt für US-Käufer weiter verknappen.
Gleichzeitig fordern US-Gesetzgeber, Speicherchips und insbesondere den für KI wichtigen HBM3E-Speicher auf Exportkontrolllisten zu setzen, um den Technologieabfluss nach China zu unterbinden . Die Gemengelage aus kommerziellem Mangel, staatlichen Handelsaktionen und Technologie-Exportverboten macht das Angebotsbild außergewöhnlich komplex.
Der Konsens aller großen Prognosen und Hersteller ist bitter: Es gibt keine schnelle Lösung. Samsung rechnet mit Knappheit bis mindestens 2027. Die Analyse von SK Hynix reicht bis 2028. Lexar erwartet bis Ende 2026 eine erneute Verdoppelung der Verbraucherpreise .
Für einzelne Käufer hat sich die Situation grundlegend geändert. Die kurze Beruhigung der Spotmarktpreise zu Beginn des Jahres 2026 trügt, denn die Kontraktpreise – der Maßstab für das, was Gerätehersteller und Unternehmen bezahlen – steigen immer weiter .
Das Zeitfenster für einigermaßen normale RAM-Preise hat sich Ende 2025 geschlossen, und es besteht breite Einigkeit, dass es mindestens 18 bis 24 Monate lang nicht wieder aufgehen wird.
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