Das Kernargument von Standard Chartered dreht sich um die Staking-Rendite von Ethereum. Anders als Bitcoin (Proof-of-Work) nutzt Ethereum ein Proof-of-Stake-Verfahren. Halter können ihre ETH „staken“ und erhalten dafür eine Rendite – zum Zeitpunkt der Analyse rund 3 % pro Jahr .
Für Unternehmensbilanzen ändert das die Rechnung grundlegend:
Kendrick wird in seiner Analyse deutlich:
„Da ETH-Treasury-Unternehmen in der Lage sind, die 3%ige Staking-Rendite von ETH zu vereinnahmen, sehe ich keinen Grund, warum ihre NAV-Multiplikatoren unter dem Multiplikator von MSTR liegen sollten.“
In diesem Modell ist der strukturelle Vorteil von Ethereum dauerhaft. Ein Bitcoin-Treasury ist konstruktionsbedingt ein Zwangsverkäufer. Ein Ethereum-Treasury kann sich selbst tragen.
Die ETH-BTC-Ratio misst, wie viele Bitcoin man für einen Ether kaufen kann. Mitte 2026 ist dieses Verhältnis auf rund 0,018 bis 0,020 eingebrochen – nahe dem tiefsten Stand seit vielen Jahren . Zum Vergleich: Während des Bullenmarkts 2021 lag der Wert zeitweise bei 0,08. Bitcoin hat Ether in den vergangenen Jahren also massiv hinter sich gelassen.
Auslöser dieser Neubewertung ist aus Kendricks Sicht die Erkenntnis des Marktes, dass das Ethereum-Treasury-Modell strukturell überlegen ist. Statt auf die jüngste Preisschwäche zu starren, würden Investoren zunehmend die Fähigkeit von Ether zur Ertragsgenerierung einpreisen .
Die aktuellen Prognosen der Standard Chartered (Stand Ende Mai 2026) spiegeln sowohl kurzfristige Vorsicht als auch langfristige Überzeugung wider :
Diese Prognosen wurden im Laufe des Jahres 2026 bereits nach unten korrigiert. Zuvor hatte die Bank für Ende 2026 ein Ziel von 7.500 USD ausgegeben, das sie senkte, nachdem der Ether-Kurs von seinem Allzeithoch im August 2025 bei knapp 4.954 USD stark gefallen war . Dennoch spricht die Bank vom „Jahr von Ethereum“ und betont, dass das Abwärtspotenzial bereits eingepreist sei
.
Das Jahrzehnt-Ziel von 40.000 USD unterstellt, dass die ETH-BTC-Ratio wieder auf 0,08 klettert. Dies würde wiederum einen Bitcoin-Preis von rund 500.000 USD voraussetzen – gemäß der parallelen BTC-Prognose der Bank . Ein ambitioniertes Szenario, das aber die Dimension der von Kendrick erwarteten Neubewertung illustriert.
Die aktuelle Verfassung von Ethereum macht die These besonders antizyklisch. Die zentralen Kennzahlen:
Kendrick spricht von einer „strukturellen Diskrepanz“ zwischen Preis und Adaption . Der Bitcoin-Verkauf von Strategy sei der Moment, in dem der Markt beginne, diese Lücke zu schließen – nicht, weil Bitcoin kollabiert, sondern weil der Rendite-Vorteil von Ethereum zu bedeutend wird, um ihn zu ignorieren
.
Ob diese Neubewertung exakt nach seinem Zeitplan eintritt, ist offen. Die Kursziele großer Banken schwankten in diesem Zyklus stark: Standard Chartered selbst hat seine Ether-Prognose mehrfach gesenkt und wieder teils angehoben . Ob die Ratio tatsächlich auf 0,08 zurückkehrt, ist ungewiss. Einleuchtend bleibt die Logik dahinter: Ein ertragbringender Vermögenswert hat in einer Unternehmensbilanz einen strukturellen Dauervorteil gegenüber einem ertraglosen.
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