Dabei handelt es sich möglicherweise nicht um einen vollständigen Architekturwechsel. Den Leaks zufolge könnten günstige und mittlere Modelle wesentliche Teile des Nova-Lake-Siliziums übernehmen. Neue Compute-Tiles wären dann vor allem den Spitzenmodellen für Desktop und HX-Notebooks vorbehalten.
Frühere Berichte ordneten die Compute-Tiles von Razor Lake zunächst dem leistungsorientierten Prozess N2X von TSMC zu. Dieser Ansatz wäre auf hohe Taktraten und eine stärkere Stromversorgung ausgelegt, könnte aber mit höherer Leckleistung und einer schlechteren Energieeffizienz einhergehen.
Die entscheidende Aktualisierung folgte später: Der betreffende Leaker korrigierte seine Angabe und nannte TSMC N2P V2 statt N2X. N2X ist deshalb als frühere Spekulation zu betrachten, nicht als derzeit führende Version des Gerüchts.
Offen bleibt außerdem, ob nur das Compute-Tile auf den neuesten Prozess wechseln würde. Andere Bestandteile des Chiplet-Designs – oder speziell die AX-Variante – könnten mit einer anderen Fertigungstechnologie entstehen. Das ist bei modular aufgebauten Prozessoren relevant, weil unterschiedliche Tiles verschiedene Aufgaben erfüllen und nicht zwingend im selben Prozess gefertigt werden müssen.
Eine bestätigte Fertigungszuordnung gibt es bislang nicht. Auch die Prozess-Leaks erlauben keine belastbare Aussage über die spätere Leistung von Razor Lake.
Die am häufigsten wiederholte Architekturangabe sieht für die regulären und besonders leistungsstarken Razor-Lake-S- und -HX-Modelle folgende Kombination vor:
Roadmap-Berichte deuten darauf hin, dass Intel Griffin Cove zunächst für die Spitzenmodelle von Desktop und HX reservieren könnte. Andere Razor-Lake-Produkte würden demnach weiterhin Designs aus der Nova-Lake-Generation nutzen.
Beim mutmaßlichen Razor Lake-AX soll die Situation anders aussehen. Berichte nennen hier möglicherweise weiterhin Coyote-Cove-P-Kerne aus Nova Lake, kombiniert mit Arctic-Wolf-E-Kernen. Das würde zu einem Produkt passen, dessen Schwerpunkt stärker auf integrierter Grafik und Systemeffizienz als auf einer möglichst neuen CPU-Architektur liegt. Allerdings ist bereits die Existenz von Razor Lake-AX unbestätigt.
bLLC steht für „big last-level cache“, also einen besonders großen Cache auf der letzten Hierarchieebene des Prozessors. Die Technik wird in den Leaks als Intels Gegenstück zu AMDs 3D-V-Cache beschrieben – vor allem mit Blick auf Gaming-Prozessoren.
Die vermutete Einführung verteilt sich auf mehrere Generationen:
Damit könnte Intel gegen AMDs Ryzen-HX3D-Gaming-Laptops antreten, bei denen zusätzlicher Cache in bestimmten Spielen und Anwendungen die CPU-Leistung verbessert. Die bisherigen Leaks nennen jedoch weder konkrete Cache-Kapazitäten noch Modellnummern, Energiegrenzen, Notebook-Partner oder einen bestätigten Starttermin.
Aus der Cache-Größe allein lässt sich außerdem keine bestimmte Spieleleistung ableiten. Entscheidend wären auch die finale Kernarchitektur, Taktraten, Speicheranbindung, Leistungsgrenzen, Firmware und das jeweilige Spiel.
Razor Lake-AX wird als größere APU mit leistungsfähiger integrierter Grafik beschrieben – nicht als gewöhnlicher Desktop- oder HX-Prozessor. Das Ziel soll die Klasse kompakter Hochleistungssysteme sein, in der auch AMDs Ryzen AI Max „Halo“ positioniert ist.
Einige Roadmap-Darstellungen vermuten, dass AX ein älteres oder von Nova Lake abgeleitetes Compute-Tile wiederverwendet, während Intel den Schwerpunkt auf Grafik und Plattformintegration legt. Dadurch würde sich AX deutlich von den Spitzenmodellen der S- und HX-Reihe unterscheiden, die eher mit neuen Griffin-Cove-Compute-Tiles verbunden werden.
Dieser Teil der Roadmap ist besonders unsicher. Wenn HWiNFO erste Unterstützung für einen Codenamen vorbereitet oder Roadmaps entsprechende Einträge enthalten, zeigt das lediglich, dass die Bezeichnung intern oder in Software verfolgt wird. Es beweist nicht, dass Intel ein Verkaufsprodukt mit den kolportierten Spezifikationen auf den Markt bringt.
Separate Roadmap-Berichte setzen Titan Lake nach Razor Lake an und verorten die Generation möglicherweise im Jahr 2028. Die ambitionierteste Version dieser Planung spricht davon, dass Intel die bisherige Trennung zwischen P- und E-Kernen unter einer einheitlichen Copper-Shark-Architektur zusammenführen könnte.
Das wäre ein größerer Schritt als der bislang vermutete Übergang zu Razor Lake. Die Datenlage ist bei Titan Lake allerdings noch dünner: Verschiedene Roadmaps widersprechen sich bei Kerndesigns und Produktaufteilung. Copper Shark sollte daher derzeit eher als langfristiger Codename denn als bestätigte Architektur verstanden werden.
Bei einer Leak-Roadmap lohnt es sich, zwischen wiederkehrenden Trends und konkreten, noch unbestätigten Spezifikationen zu unterscheiden.
Wiederkehrende Kernaussagen:
Noch offen:
Intel hat Razor Lake, Razor Lake-S, Razor Lake-HX, Razor Lake-AX, Griffin Cove, Arctic Wolf, mobile bLLC-Produkte und Titan Lake bislang nicht offiziell angekündigt. Solange keine offiziellen Produktdaten oder ausgelieferte Hardware vorliegen, sollten Namen, Termine, Cache-Werte und Fertigungsprozesse als veränderliche Leak- und Roadmap-Angaben verstanden werden – nicht als fertige Spezifikationen.