Mit dieser Trennung zwischen internen Hilfstools und dem für Spieler sichtbaren Endprodukt versucht Capcom, von Zeit- und Kostenersparnissen zu profitieren und gleichzeitig rechtliche Risiken sowie negative Reaktionen auf KI-generierte Kunst oder Charaktere zu vermeiden.
Eine ähnliche, aber etwas breiter gefächerte Strategie verfolgt Bandai Namco. Der Publisher bestätigte gegenüber seinen Investoren, dass bereits KI-Tools genutzt werden, um die Effizienz in den Entwicklungsabläufen zu verbessern, damit sich kreative Teams auf ihre Kernarbeit konzentrieren können.
Ein genanntes Beispiel: KI wird für Aufgaben genutzt, die das Durchsuchen historischer Entwicklungsdaten und umfangreicher Asset-Bibliotheken erfordern. Das reduziert den manuellen Aufwand, Referenzmaterialien oder frühere Assets zu finden, erheblich.
Stand heute gibt es keine öffentliche Aussage des Konzerns, dass generative KI finale Spielinhalte produziert. Stattdessen betont die Kommunikation Produktivitätsgewinne und Workflow-Unterstützung.
Die internen Forschungsteams von Bandai Namco deuten darauf hin, dass der Konzern langfristig tiefere KI-Fähigkeiten aufbaut. Bandai Namco Studios unterhält eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die sich auf Zukunftstechnologien wie maschinelles Lernen, fortschrittliche Grafik und prozedurale Systeme konzentriert. Diese Teams sind mit leitenden KI-Ingenieuren und technischen Spezialisten besetzt.
Auf Konzernebene spricht der Mittelfristplan zudem von strategischen Investitionen in Höhe von 40 Milliarden Yen, die unter anderem zur Stärkung des geistigen Eigentums und von Zukunftstechnologien eingesetzt werden sollen.
Diese Ausgaben zeigen, dass KI zunehmend als Teil der technischen Basisinfrastruktur für zukünftige Spieleentwicklungen gesehen wird.
Ein starkes Signal für die gesamte Branche ist die kürzlich bekannt gegebene Zusammenarbeit von Sony und Bandai Namco im Bereich der generativen KI-Forschung.
Im Rahmen ihrer Quartalszahlen und Strategiepräsentation kündigten die Unternehmen eine kooperative Pilotinitiative an, die generative KI und andere Zukunftstechnologien für die Spieleentwicklung erforscht. Das Ziel sei, Produktionseffizienz und Output-Qualität zu verbessern.
Sony-Präsident Hiroki Totoki umriss das Prinzip hinter der Kooperation deutlich: KI solle Kreative verstärken, nicht ersetzen. Bereits jetzt gebe es interne Tools von Sony, die zum Beispiel Teile der Animationsproduktion oder sich wiederholende Workflows automatisieren und so zeigen, wie KI die Content-Produktion beschleunigen kann.
Die Strategien von Capcom, Bandai Namco und Sony spiegeln gemeinsam den aktuellen Branchenkompromiss in der Debatte um generative KI wider. In der öffentlichen Kommunikation dominieren drei Botschaften:
Gleichzeitig macht die aufgebaute Infrastruktur – KI-Forschungsteams, interne Tools und unternehmensübergreifende Kooperationen – deutlich, dass die Technologie tief in den Entwicklungspipelines verankert werden wird.
Für den Moment gibt es jedoch keine bestätigten Hinweise darauf, dass Capcom oder Bandai Namco planen, Spiele mit KI-generierter Kunst, Charakteren oder anderen kreativen End-Assets auszuliefern. Die aktuelle Phase der Einführung ist pragmatischer: Entwicklungsreibung reduzieren, Produktionszyklen verkürzen und den menschlichen Kreativen den Freiraum geben, sich auf die Teile der Spieleentwicklung zu konzentrieren, die noch immer Fantasie und künstlerisches Urteilsvermögen erfordern.