Deshalb lautet die Schlussfolgerung: Kursrallys eher verkaufen als hinterherlaufen. Wenn Anleger Luxuskonzerne weiter mit den Wachstums- und Bewertungsmaßstäben des alten Zyklus messen, wird ein niedrigeres Wachstumsregime gefährlich. GuruFocus berichtete, Berenberg sehe im Schnitt 25 bis 35 % Bewertungsrückgang gegenüber den Niveaus der vergangenen neun Jahre . Zudem wies die Bank laut Investing.com darauf hin, dass 2025 darauf hinauslaufen sollte, erst das dritte Jahr in drei Jahrzehnten zu werden, in dem die globalen Luxusumsätze zwei Jahre in Folge sinken – nach dem Dotcom-Crash und der globalen Finanzkrise
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Der wichtigste Unsicherheitsfaktor ist China. Berenberg sieht die 2020er-Jahre unter anderem durch begrenzten chinesischen Konsum geprägt . MarketScreener berichtete über eine Berenberg-Notiz, wonach China für den Luxusausblick 2026 zentral bleibe; die Bank verglich den Druck auf chinesische Haushalte nach der Immobilienschwäche mit einer Bilanzrezession, also einer Phase, in der Haushalte Ausgaben zurückhalten, weil Vermögenswerte unter Druck stehen
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Ganz einseitig ist das Bild aber nicht. Reuters berichtete, dass LVMH im dritten Quartal 2025 den Umsatz um 1 % gegenüber dem Vorjahr steigerte; der chinesische Heimatmarkt drehte dabei in den mittleren bis hohen einstelligen positiven Bereich, was die LVMH-Aktie um 14 % steigen ließ und eine breitere Branchenrally auslöste . Gleichzeitig warnte FashionNetwork, Anleger könnten von einer schnellen China-Erholung enttäuscht werden, weil viele chinesische Konsumenten weiterhin mit Immobilienmarktstress, Jugendarbeitslosigkeit und schwachem Vertrauen kämpfen
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Besonders empfindlich ist der Bereich der aspirativen Kundschaft – also Käuferinnen und Käufer, die sich Luxus eher gelegentlich oder über Einstiegskategorien leisten. Berenberg beschreibt diese Nachfrage als dauerhaft unter Druck . Reuters-nahe Berichte vor LVMH-Zahlen zeigten zudem, dass Investoren mehr Maßnahmen erwarteten, um Kunden zurückzugewinnen, die durch kräftige Preiserhöhungen abgeschreckt wurden
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Das ist wichtig, weil der Luxusboom nach der Pandemie stark auf Preiserhöhungen und Trading-up setzte. Wenn gelegentliche Käufer nicht mehr mitgehen, wird Umsatzwachstum schwieriger. Bain & Company schätzt, dass die weltweiten Luxusausgaben 2025 insgesamt 1,44 Billionen Euro erreichten, was bei aktuellen Wechselkursen einem Rückgang von 1 bis 3 % gegenüber 2024 entspricht; währungsbereinigt lag die Spanne zwischen minus 1 % und plus 1 % . Das ist kein Einbruch, aber eben eher Normalisierung als neue Boomphase.
Jüngere Konsumenten sind für Luxusmarken keineswegs irrelevant. McKinsey zufolge wachsen die Ausgaben der Gen Z doppelt so schnell wie die früherer Generationen und könnten die Ausgaben der Babyboomer bis 2029 übertreffen, unterstützt durch einen geschätzten Vermögenstransfer von 15 bis 20 Billionen US-Dollar an Gen Z und Millennials .
Berenbergs Problem ist die Umwandlung dieses Potenzials in klassische Vollpreiskäufe bei etablierten Luxusmarken. Die Bank nennt ausdrücklich mangelndes Engagement der Gen Z als strukturellen Gegenwind für den Sektor . Gleichzeitig gewinnen Alternativen an Größe: BCG und Vestiaire Collective schätzen den Secondhand-Mode- und Luxusmarkt heute auf 210 bis 220 Milliarden US-Dollar und erwarten bis 2030 ein Wachstum auf 320 bis 360 Milliarden US-Dollar, bei rund 10 % Wachstum pro Jahr – etwa dreimal so schnell wie der Erstmarkt
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Auch EY zeigt, wie sich Kaufmuster verschieben. Im chinesischen Festland suchen laut EY Luxury Client Index 2025 50 % der Kunden flexible Zahlungsoptionen und 25 % hochwertige Alternativen wie Dupes, also Produkte, die das Design eines Luxus-Maison-Produkts ohne dessen Logo nachahmen; zugleich würden 54 % der befragten Kunden ein Pre-owned-Produkt direkt von einer Luxus-Maison kaufen . Das bedeutet nicht, dass junge oder preisbewusste Käufer Luxus ablehnen. Es heißt aber, dass Zugang, Wiederverkaufswert, Secondhand oder luxusähnliche Alternativen stärker mit dem klassischen Vollpreiskauf konkurrieren.
LVMH und Kering haben bereits deutlichen Druck gespürt. Reuters-nahe Berichte meldeten im Juli 2025, LVMH habe seit Jahresbeginn fast 27 % verloren, Kering 15 %, während Hermès und Richemont nahezu unverändert blieben . Nach einer pessimistischen Berenberg-Notiz im Januar 2026 berichtete MarketScreener, Kering sei um 3,74 %, LVMH um 2,81 %, L’Oréal um 2,36 %, Hermès um 2,43 %, Burberry um fast 4 % und Richemont um fast 3 % gefallen
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Ein gesunkener Kurs beweist aber nicht, dass die Korrektur vorbei ist. Berenbergs Bewertungsargument lautet, dass viele Aktien noch zu viel vom alten Wachstumspfad einpreisen . Zugleich ist der Sektor nicht homogen: Die Kursentwicklung im Juli 2025 deutete darauf hin, dass Unternehmen mit stärkerem Zugang zu sehr wohlhabenden Kunden, etwa Hermès und Richemont, robuster waren als LVMH und Kering
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Interessant ist, dass der Markt für Luxus-Einzelhandelsflächen nicht wie ein Nachfragekollaps aussieht. Cushman & Wakefield berichtete, dass die Mieten in europäischen Luxusstraßen bis 2024 weiter gestiegen seien; Ende 2024 lagen sie im Durchschnitt 3 % über dem Niveau von Ende 2018, während klassische High-Street-Lagen außerhalb des Luxussegments noch 10 % darunter lagen . Savills meldete zudem, dass rund 50 % der europäischen Prime-Luxusstraßen im kommenden Jahr Mietwachstum sehen könnten
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Doch auch hier wird die Dynamik selektiver. Laut Savills stiegen die durchschnittlichen Prime-Headline-Mieten in 27 globalen Luxusdestinationen 2025 nur noch um 0,9 %, nach 6,6 % im Jahr 2024 . Für Marken ist das zweischneidig: Knappheit in Toplagen schützt Sichtbarkeit und Prestige, aber hohe Fixkosten sind schwerer zu tragen, wenn Berenbergs Szenario schwächerer Nachfrage eintritt
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Der Streit dreht sich nicht darum, ob Luxusmarken verschwinden. Es geht um Tempo, Qualität und Profitabilität einer möglichen Erholung. HSBC stufte LVMH und Kering im September 2025 auf Kaufen hoch, weil chinesische Konsumenten aus Sicht der Analysten wieder aktiver werden könnten und beide Gruppen 2026 zu ordentlichem, profitablem Wachstum zurückfinden könnten . UBS prognostizierte für europäische Luxuswerte 2026 ein organisches Umsatzwachstum von 5 % nach einem flachen Jahr 2025; der Gewinn je Aktie soll nach einem Rückgang um 12 % wieder um 12 % steigen, wobei die Wende von stabilerer chinesischer Nachfrage abhängt
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Berenbergs Gegenargument: Die alte Formel ist schwächer geworden. China ist nicht mehr der sichere Wachstumsmotor, aspirative Käufer reagieren empfindlicher auf Preise, und Gen Z bindet sich nicht automatisch an traditionelle Luxusmarken wie ältere Kundengruppen . In diesem Blickwinkel sind Rallys eher Ausstiegschancen als Beweise für einen neu gestarteten Superzyklus.
Berenbergs Verkaufsthese ist am stärksten, wenn China nur verhalten besser wird, aspirative Kunden preissensibel bleiben und jüngere Käufer einen Teil ihrer Ausgaben in Resale, Pre-owned-Produkte oder Dupes verschieben . Sie wird schwächer, wenn Chinas Erholung kräftiger ausfällt und führende Marken wieder Vollpreiswachstum schaffen, ohne die Margen erneut unter Druck zu setzen
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Für Anleger heißt das nicht, dass jede Luxusaktie gleich anfällig ist. Entscheidend werden Markenbegehrlichkeit, Vermögensprofil der Kundschaft, China-Exposure, Mietlast und Bewertung. Der Sektor ist selektiver geworden – und genau das ist Berenbergs Kernbotschaft: Nicht jede Erholung verdient den Vertrauensvorschuss, den der alte Luxus-Superzyklus einst rechtfertigte .
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