In diesem Treffen machte Wei drei Dinge unmissverständlich klar:
Wei ermutigte die Mitarbeiter Berichten zufolge auch, Unternehmensaktien zu kaufen, und bekräftigte, dass es „keine Obergrenze für TSMC-Boni“ gebe. Ziel war es, die Stimmung der Belegschaft wieder mit der finanziellen Entwicklung des Unternehmens in Einklang zu bringen .
Im Gegensatz zu den Gerüchten zeichnen die Zahlen ein Bild aggressiven Vergütungswachstums. Im Februar 2026 genehmigte der TSMC-Verwaltungsrat einen Rekord-Gesamtbonuspool für das Geschäftsjahr 2025 in Höhe von 206,15 Milliarden NT$ (ca. 6,06 Milliarden Euro) – ein Sprung von 46,6 % gegenüber den 140,5 Milliarden NT$, die für 2024 genehmigt worden waren .
Dieser Topf ist zweigeteilt:
Zur Einordnung: Allein die Auszahlung im August 2025 stellte damals einen Rekord dar, mit durchschnittlich über 2 Mio. NT$ (ca. 58.800 Euro) pro Mitarbeiter, ein Plus von mehr als 500.000 NT$ gegenüber dem Basisjahr .
Der Ärger der Arbeiter entstand nicht im luftleeren Raum. Er wurde durch einen krassen Gegensatz angeheizt: rekordverdächtige Unternehmensergebnisse bei gleichzeitig gefühlter Bedrohung der eigenen Vergütung.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gesamtumsatz 2025 | 3,81 Billionen NT$ (ca. 112 Mrd. €) |
| Nettogewinn 2025 | 1,72 Billionen NT$ (ca. 50,6 Mrd. €) |
| Umsatzwachstum 2025 (ggü. Vorjahr) | +35,9 % |
| Bruttomarge Q4 2025 | 62,3 % |
| Investitionsbudget 2026 | 44,96 Mrd. US$ (Rekord) |
Diese finanzielle Feuerkraft – größtenteils getrieben durch die KI-Chip-Nachfrage – ließ die kolportierten Kürzungen selbst vor dem Dementi des CEOs strategisch irrational erscheinen.
Die Bonus-Krise bei TSMC geschah nicht isoliert. Die Halbleiterindustrie erlebt einen akuten Talentkrieg, bei dem Unternehmen im Zuge des KI-Booms um immer knappere Ingenieure konkurrieren. Allein Taiwans eigener Chipsektor hat monatlich einen Mangel von fast 34.000 Arbeitskräften zu beklagen, und TSMC selbst steht unter Druck, Mitarbeiter zu halten, während es auf drei Kontinenten Kapazitäten aufbaut .
Arbeitskämpfe bei der Konkurrenz haben eine wirkmächtige Blaupause für TSMCs Belegschaft geschaffen. Die Chiphersteller-Arbeiter von Samsung Electronics, organisiert in einer Gewerkschaft mit rund 30.000 Mitgliedern, lehnten ein Gewinnbeteiligungsangebot in Höhe von etwa 13 % des Betriebsgewinns ab und drohten für Juni 2026 mit einem 18-tägigen Streik, um 15 % des Gewinns plus 7 % Grundgehaltserhöhung durchzusetzen .
TSMC-Mitarbeiter bezogen sich in internen Foren ausdrücklich auf Samsung. Einige argumentierten, dass, wenn koreanische Arbeiter sich in einem Boom organisieren und streiken könnten, TSMC-Beschäftigte das Gleiche tun sollten . Dies markiert einen bedeutenden ideologischen Wandel für ein Unternehmen, dessen Anti-Gewerkschafts-Kultur lange als Wettbewerbsvorteil galt. Die Geschwindigkeit, mit der C.C. Wei die Krise persönlich entschärfte – seinen Terminplan frei räumte, die genaue Erhöhung benannte und die Mitarbeiter direkt traf – deutet darauf hin, dass das Unternehmen genau verstand, wie gefährlich dieser Präzedenzfall hätte werden können.