Der Abfluss der Donau lag am rumänischen Eintrittspunkt bei etwa 1.600 Kubikmetern pro Sekunde – weniger als halb so viel wie der übliche Wert für diese Jahreszeit . In mehreren Ländern wurden Wasserstände erreicht, die seit Jahrzehnten nicht mehr gemessen worden waren. Bei Bezdan, wo die Donau nach Serbien eintritt, sank der Pegel auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem halben Jahrhundert . In Budapest wurden nur noch 26 bis 28 Zentimeter gemessen – ein historischer Tiefstand .
Die Kombination aus lang anhaltender Hitze und monatelang unterdurchschnittlichen Niederschlägen trifft dabei einen zentralen Teil der europäischen Infrastruktur: Atomkraftwerke an großen Flüssen.
Im rumänischen Kernkraftwerk Cernavodă wurde Block 1 am 28. Juli kontrolliert heruntergefahren, weil der Durchfluss der Donau für die Kühlung zu gering war . Am folgenden Tag wurde auch Block 2 abgeschaltet beziehungsweise eine weitere Abschaltung vorbereitet. Damit waren erstmals beide Reaktoren gleichzeitig von den extrem niedrigen Wasserständen betroffen .
Cernavodă liefert normalerweise rund 20 Prozent des rumänischen Stroms. Die Regierung stellte deshalb Mittel bereit, um Wasser vorübergehend aus einem Kanal umzuleiten und die Energieversorgung zu stabilisieren. Außerdem führte Bukarest Gespräche mit Nachbarstaaten über Stromimporte für Zeiten hoher Nachfrage .
Der Alarmzustand gibt den Behörden unter anderem mehr Spielraum, finanzielle Mittel für den kurzfristigen Energieeinkauf bereitzustellen und Maßnahmen zur Steuerung des Stromnetzes zu ergreifen .
In Ungarn musste das Atomkraftwerk Paks, das einzige Kernkraftwerk des Landes, seine Leistung ebenfalls deutlich reduzieren. Ab dem 29. Juli wurde die Leistung eines Reaktors ungefähr halbiert; weitere Blöcke waren von Kürzungen betroffen .
Die vier Reaktoren des Kraftwerks nutzen Donauwasser zur Kühlung. Wegen des weiter sinkenden Pegels konnten die Ansaugöffnungen das Kühlwasser schließlich nicht mehr zuverlässig erreichen. Ministerpräsident Péter Magyar warnte deshalb, Paks könne erstmals in seiner Geschichte vollständig heruntergefahren werden . Die Anlage könnte nach seinen Angaben möglicherweise mehrere Wochen außer Betrieb bleiben, falls die Donau weiter fällt .
Paks stellt einen erheblichen Anteil der ungarischen Stromproduktion bereit. Die Regierung bereitete daher Pläne vor, nach denen große Industriebetriebe ihren Verbrauch vorübergehend reduzieren müssten . Gleichzeitig sank auch die Wasserkraftproduktion, wodurch die Ausfälle der Atomkraftwerke zusätzlich ins Gewicht fielen .
Die Folgen beschränken sich nicht auf die Stromerzeugung. In Serbien saßen Lastkähne in den flacher werdenden Flussabschnitten fest; manche Stellen waren so seicht, dass Menschen die Donau zu Fuß durchqueren konnten . Der Güterverkehr auf einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas wurde dadurch erheblich behindert.
Auch Kreuzfahrtschiffe mussten ihre Routen ändern. In Rumänien führten die niedrigen Pegelstände zudem zu Einschränkungen bei der Bewässerung. Betroffen waren damit neben der Energieversorgung auch Logistik, Landwirtschaft und Tourismus .
Die aktuelle Krise ist mehr als eine lokale Wasserknappheit. Eine lang anhaltende Hitzewelle und monatelanger Regenmangel haben die Donau in Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien gleichzeitig auf historische Tiefstände sinken lassen .
Atomkraftwerke gelten zwar als wetterunabhängige Stromquelle, ihre Kühlung kann jedoch sehr wohl von den Bedingungen in Flüssen abhängen. Werden Dürren häufiger und intensiver, steigt damit auch das Risiko, dass Anlagen ihre Leistung drosseln oder vorübergehend abschalten müssen.
Der Donau-Engpass zeigt außerdem, wie schnell sich ein hydrologisches Problem auf vernetzte Systeme ausbreiten kann: Weniger Wasser bedeutet weniger Kühlkapazität für Kraftwerke, weniger Wasserkraft, eingeschränkten Güterverkehr und Probleme für Bewässerung und Tourismus. Eine einzelne Dürre kann so gleichzeitig zur Energie-, Transport- und Versorgungskrise in mehreren Ländern werden .