Italien gehört 2026 zu den aktivsten Beitragszahlern. Im Juli 2026 übernahm die italienische Luftwaffe die Rotation der Baltic Air Policing Mission auf dem litauischen Luftwaffenstützpunkt Šiauliai. Zum Kontingent gehören vier Eurofighter Typhoon (EF-2000) und rund 200 Soldatinnen und Soldaten. Für Italien ist es der sechste Einsatz in Šiauliai und der elfte Einsatz in den baltischen Staaten insgesamt.
Bereits im Juni 2026 hatte Italien vier Eurofighter F-2000A auf den rumänischen Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu verlegt. Die rund 180-köpfige Einheit, darunter Piloten, Techniker und Unterstützungspersonal, war für eine zweimonatige Mission zur verstärkten Luftraumüberwachung vorgesehen. Die italienischen Jets operieren gemeinsam mit rumänischen F-16 zum Schutz des Luftraums am Schwarzen Meer.
Die Türkei entsendet für die Rotation von August bis November 2026 fünf F-16-Kampfjets und 76 Einsatzkräfte zum estnischen Luftwaffenstützpunkt Ämari. Die türkischen Piloten übernehmen dort rund um die Uhr die sogenannte Quick Reaction Alert: Sie müssen innerhalb kürzester Zeit starten können, wenn ein unbekanntes oder potenziell gefährliches Flugobjekt erkannt wird.
Der Auftrag umfasst den Luftraum von Estland, Lettland und Litauen. Eingesetzt wird die 181. Jetflotte, die sogenannte „Pars Fleet“, aus Diyarbakır. Es ist der erste türkische Einsatz dieser Art in Estland und erfolgt bereits im Rahmen der aufgewerteten baltischen Luftverteidigungsmission.
Spanien kündigte Ende Juli 2026 an, das taktische Luftwaffengeschwader Paznic nach Rumänien zu verlegen. Im Rahmen der NATO-Mission eAP-72 sollen rund 200 Angehörige der spanischen Luft- und Raumstreitkräfte sowie sieben F-18M für vier Monate am Schutz der Ostflanke mitwirken. In den ersten beiden Monaten wird das Kontingent von einem A400M-Transportflugzeug unterstützt.
Spanien hatte außerdem bereits zu Jahresbeginn drei Eurofighter Typhoon mit etwa 60 Einsatzkräften nach Mihail Kogălniceanu entsandt. Dort arbeiten die spanischen Kräfte mit bereits stationiertem Personal der deutschen Luftwaffe zusammen. Spanische EF-18 beteiligten sich zudem seit Sommer 2025 von Šiauliai aus an der Sicherung des baltischen Luftraums im Rahmen von Eastern Sentry.
Frankreich hatte am 31. März 2026 die Führung der baltischen Mission in Litauen übernommen und dafür vier Rafale-Kampfjets nach Šiauliai geschickt. Unterstützt wurde das französische Kontingent von einer rumänischen F-16-Einheit. Am 31. Juli 2026 übergab Frankreich die Führungsrolle an Italien.
Nicht nur die Flugzeuge, auch die militärischen Standorte werden ausgebaut. Die bulgarische Regierung genehmigte die Erweiterung der Luftwaffenstützpunkte Vrazhdebna nahe Sofia und Bezmer bei Yambol. Die Maßnahmen laufen über das NATO Security Investment Programme (NSIP) und sollen vollständig durch die Allianz finanziert werden.
Ziel ist es, mehr alliierte Flugzeuge, Ausrüstung und Personal aufnehmen zu können und die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften zu verbessern.
Die wichtigste Veränderung ist nicht allein die Zahl der Jets, sondern der Auftrag. Am 8. Juli 2026 beschloss die NATO, ihre seit 2004 bestehende Baltic-Air-Policing-Mission zu einer vollständigen Luftverteidigungsmission aufzuwerten.
Die klassische Mission war im Kern eine Friedens- und Überwachungsaufgabe:
Der neue Rahmen erweitert die Handlungsmöglichkeiten deutlich:
Artikel 4 bedeutet dabei nicht automatisch eine militärische Antwort. Er ermöglicht Konsultationen, wenn ein NATO-Mitglied seine territoriale Unversehrtheit, politische Unabhängigkeit oder Sicherheit bedroht sieht. Die anschließende Operation Eastern Sentry sollte die Überwachung und den Schutz des Bündnisgebiets verstärken.
Den politischen Anstoß für den Wechsel gaben Estland, Lettland und Litauen. Die Präsidenten der drei baltischen Staaten forderten NATO am 21. Mai 2026 gemeinsam auf, von „Air Policing“ zu „Air Defence“ überzugehen und zusätzliche Fähigkeiten zur Drohnenabwehr bereitzustellen.
Die Entscheidung vom Juli setzt diese Forderung formal um. Für die östlichen NATO-Mitglieder bedeutet sie einen Wechsel von einer überwiegend beobachtenden Präsenz hin zu einem stärker integrierten Verteidigungsmodell: Kampfflugzeuge, bodengebundene Luftverteidigung, Sensoren und weitere militärische Fähigkeiten sollen schneller als bisher zu einem gemeinsamen Lagebild und einer gemeinsamen Reaktion zusammengeführt werden.