Nein, entgegen der landläufigen Meinung gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür, dass hohe Basketballschuhe Verstauchungen des Sprunggelenks signifikant verhindern. Die Datenlage ist eindeutig:
Die entscheidende Studie
Eine prospektive, randomisierte Studie mit 622 College-Freizeit-Basketballspielern verglich High-Top- und Low-Top-Schuhe. Das Ergebnis: Es gab keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von Knöchelverstauchungen zwischen den Gruppen. Die Forscher schlussfolgerten, dass es keinen starken Zusammenhang zwischen Schuhform und Verstauchungsrisiko gibt
.
Was die Biomechanik sagt
Auch Laborexperimente konnten keinen nennenswerten Vorteil hoher Schäfte nachweisen. Bei simulierten Landungen fanden sich keine signifikanten Unterschiede beim maximalen Einknickwinkel, dem Bewegungsumfang oder der Geschwindigkeit des Umknickens zwischen High- und Low-Top-Schuhen
. Ein höherer Schaft verhindert also nicht effektiv das gefürchtete „Umknicken“ nach innen.
Der Widerspruch in der Forschung
Einige Laborstudien zeigen, dass High-Tops bestimmte Bewegungsparameter leicht einschränken können. Diese Effekte lassen sich jedoch nicht eindeutig in eine niedrigere reale Verletzungsrate übersetzen
. Zusammengefasst: Der gefühlte Halt im Laden ist wissenschaftlich nicht gleichbedeutend mit einem echten Schutz im Spiel.
Was wirklich hilft
Im Gegensatz zu High-Top-Schuhen gibt es für Sportbandagen starke Belege. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse fand, dass Athleten, die Bandagen trugen, 64 % weniger Verstauchungen erlitten (Risikoverhältnis 0,36)
. Allerdings war die methodische Qualität der einbezogenen Studien nur mittelmäßig, daher sollte man die Zahl nicht als Garantie für jeden Einzelfall verstehen.