Siemens kündigte an, sein Portfolio an Industriesoftware für europäische Start-ups zu öffnen . Junge Unternehmen erhalten Zugang zu modernen Automatisierungs-, Simulations- und Digital-Twin-Werkzeugen, die traditionell großen Herstellern vorbehalten waren. Ziel ist es, die Kommerzialisierung neuer Industrietechnologien in ganz Europa zu beschleunigen
.
In seiner VivaTech-Keynote gab Siemens-CEO Roland Busch bekannt, dass das Unternehmen Start-ups einen Rabatt von bis zu 95 Prozent auf drei Software-Collections für Design, Engineering und Simulation gewährt . Das Programm läuft in den USA bereits seit Januar 2025 und wird nun auf Europa ausgeweitet
. Das französische Start-up Latitude wurde als frühes Beispiel genannt, das die Werkzeuge nutzt, um sein Geschäft zu skalieren
.
Siemens und die Arts et Métiers (École nationale supérieure d'arts et métiers, ENSAM), eine der ältesten und renommiertesten Ingenieurhochschulen Frankreichs, unterzeichneten eine umfassende strategische Partnerschaft . Die Partnerschaft zielt darauf ab, die Einführung industrieller digitaler Technologien zu beschleunigen, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu stärken und Ingenieure auszubilden, die in der Lage sind, die industriellen Systeme des 21. Jahrhunderts zu entwerfen, zu steuern und zu transformieren
.
Ein Kernelement ist die Einrichtung eines Smart Manufacturing Hub auf dem Pariser Campus der Arts et Métiers, der als Schaufenster für die neuesten Innovationen von Siemens im Bereich der industriellen Digitalisierung dienen soll . Siemens wird auch das Projekt „Evolutive Learning Factories (ELF)" der Hochschule unterstützen
. Die Arts et Métiers waren auf der VivaTech zudem mit einem eigenen Inkubator-Stand vertreten, auf dem Start-ups wie Exwayz, Whisper, Zozio, Nobsolete und andere ihre Pitchs präsentierten
.
Diese Ankündigungen kommen nicht von einem Unternehmen in der Defensive. Siemens hat gerade ein Rekordgeschäftsjahr 2025 abgeschlossen und seine Prognose für das laufende Jahr angehoben.
Siemens erzielte einen Umsatz von 78,9 Milliarden Euro (+5 % vergleichbar), Aufträge von 88,4 Milliarden Euro (+6 %), einen Nettogewinn von 10,4 Milliarden Euro (+16 %) und einen Free Cashflow von 10,8 Milliarden Euro . Der Auftragsbestand des Konzerns belief sich auf 117 Milliarden Euro, wobei die Sparte Mobility mit 52 Milliarden Euro hervorstach
.
Siemens erwartet nun ein vergleichbares Konzernumsatzwachstum von 6–8 % (die obere Hälfte der vorherigen Spanne) und einen Gewinn je Aktie (pre-PPA) von 10,70–11,10 Euro (zuvor: 10,40–11,00 Euro) .
| Segment | Vergleichbares Umsatzwachstum | Gewinnmarge |
|---|---|---|
| Digital Industries | 5–10 % | 15–19 % |
| Smart Infrastructure | 6–9 % | 18–19 % |
| Mobility | 8–10 % | 8–10 % |
Die aktuelle Dynamik von Siemens ist kein Zufall. Der Konzern vollzieht eine gezielte Transformation im Rahmen seines Programms „ONE Tech Company", das die Schärfung des Technologieportfolios und die geplante Abspaltung von Siemens Healthineers umfasst .
Drei spezifische Wachstumstreiber stechen hervor:
Siemens hat die VivaTech 2026 genutzt, um eine konsistente Erzählung zu untermauern: Man sei ein Plattformunternehmen, nicht nur ein Hardwarehersteller. Die Verdopplung der Xcelerator-Einnahmen, die Software-Initiative für Start-ups (mit Rabatten von bis zu 95 %) und die Partnerschaft mit Arts et Métiers – all dies dient einer Strategie der Verbreiterung des Trichters: Mehr Entwickler, Start-ups und Ingenieure sollen in das Siemens-Ökosystem gebracht werden. Mit Rekord-Cashflow, angehobener Prognose und KI-Rückenwind ist das Unternehmen gut positioniert, um diese Wetten zu finanzieren. Die Frage bleibt, ob die Ökosystemstrategie den Zugang in dauerhafte Plattformumsätze umwandeln kann.
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