Viel entscheidender als die gläserne Optik ist das neue Innenleben. HarmonyOS 7 ist von Grund auf als agentenbasiertes System konzipiert. Der Sprachassistent ist nicht länger ein Werkzeug, das auf Befehl reagiert. Stattdessen arbeitet das ganze System nach dem Prinzip "Absicht als Dienstleistung" (Intent-as-a-Service) .
Das technische Fundament dafür liefert das HarmonyOS Intelligent Agent Framework 2.0 (HMAF 2.0). Es besteht aus einem agentenfreundlichen Kern, einem neuen Agent-zu-Agent-Protokoll (A2A) für die Koordination von Aufgaben über Smartphones, Tablets und PCs hinweg sowie einem neuen A2UI-Protokoll, das Entwicklern die geräteübergreifende Darstellung vereinfacht . Huawei zufolge wird bei komplexen Aufgaben eine Erfolgsquote von über 90 Prozent erreicht. Mehr als 20 systemebene KI-Fähigkeiten – darunter erstmals auch die grafische Steuerung von Benutzeroberflächen (GUI) – werden für Entwickler geöffnet
.
Das Herzstück für Nutzer ist der grundlegend überarbeitete Assistent XiaoYi. Er ist nun eine intelligente Schaltzentrale, die Kontext versteht, sich an frühere Interaktionen erinnert und mehrstufige Vorgänge selbstständig plant und ausführt .
Um das zu ermöglichen, hat Huawei XiaoYi mit mehr als 2.000 spezialisierten "Hongmeng-Agenten" und über 500 von Partnern entwickelten Skills verknüpft . Zusätzlich hat der Assistent tiefen Zugriff auf die Nutzerdaten, wertet über 200 Systemdatenpunkte aus und kann auf mehr als 2.100 Systemfunktionen zugreifen
. Laut Huawei kommt XiaoYi bereits auf 3 Milliarden Aktivierungen täglich und bedient 180 Millionen aktive Services pro Tag
. Ein praktisches Beispiel: XiaoYi kann anhand von Gesundheitsdaten und dem Kalendereintrag personalisierte Marathon-Trainingspläne erstellen oder selbstständig Dateien auf einem entfernten Rechner finden und versenden
.
Die neue Ark Engine von HarmonyOS 7 enthält nach Herstellerangaben das erste leistungsorientierte KI-Sprachmodell. Dieses optimiert intelligent die Systemressourcen und sagt das Nutzerverhalten voraus, um das Systemerlebnis flüssiger zu machen. Das Ergebnis sei eine um 15 Prozent höhere Performance im Vergleich zu HarmonyOS 6.1 .
Die Entwickler-Beta startete am 12. Juni 2026 und ist vorerst nur für registrierte Entwickler in China verfügbar. Die Liste der ersten unterstützten Geräte umfasst unter anderem das Mate 80 Pro, Mate X7, Mate XTs, Pura 90 Pro Max und das Nova 15 Pro .
Die stabile Version für Endverbraucher wird für Herbst 2026 erwartet. Sie wird dann für Smartphones, Tablets, PCs, Wearables und andere Geräte aus dem Internet der Dinge (IoT) ausgerollt .
Der Zeitpunkt der Vorstellung ist kein Zufall. Huawei positioniert HarmonyOS 7 als direkten Gegenentwurf zu Apples iOS und nutzt dabei geschickt eine entscheidende Schwäche des Rivalen aus .
Nur wenige Tage vor der HarmonyOS-Enthüllung hatte Apple auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC 2026 bestätigt, dass die nächste Generation von Apple Intelligence – allen voran die stark verbesserte Siri-KI – in Festlandchina nicht verfügbar sein wird. Als Grund nannte Apple laufende Verhandlungen mit den Regulierungsbehörden . Das Problem: China verlangt von Anbietern generativer KI-Dienste strenge Genehmigungsverfahren und häufig eine Zusammenarbeit mit lokalen Firmen
.
Diese Verzögerung ist ein gefundenes Fressen für die heimische Konkurrenz. Während chinesische iPhone-Nutzer von Apples fortschrittlichsten KI-Fähigkeiten abgeschnitten sind, startet HarmonyOS 7 sofort mit einem voll funktionsfähigen KI-Ökosystem. Aus Berichten geht hervor, dass Huawei genau darauf abzielt, die Berichterstatter sprachen davon, dass Huawei „aus Apples China-KI-Lücke Kapital schlagen“ wolle .
Unter dem Strich: HarmonyOS 7 ist weit mehr als ein Software-Update – es ist eine strategische Plattform, die das Rennen um das KI-Betriebssystem in China gewinnen soll. Durch die tief integrierte Agenten-KI in einem Moment, in dem Apples Alternativen auf dem Markt abwesend sind, geht Huawei eine hochriskante Wette ein: Dass lokale Verfügbarkeit und vollständige Systemfähigkeiten für chinesische Verbraucher schwerer wiegen als globale Markentreue.
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