Sicherheitsanalysten begegnen der Behauptung mit erheblicher Skepsis. Die Gründe dafür sind vielfältig:
Unabhängig von ShinyHunters’ Ankündigung hatte EY bereits einen eigenen, bestätigten Sicherheitsvorfall gemeldet, der auf den ersten Blick Ähnlichkeiten aufweist, aber ein anderes Ereignis ist.
Es ist entscheidend zu verstehen: Der bestätigte Vorfall und die Behauptung von ShinyHunters sind nicht identisch. Ersteres ist ein dokumentiertes Ereignis, das EY selbst gemeldet hat. Letzteres ist eine unbelegte Behauptung, die möglicherweise darauf abzielt, von dem ersten Vorfall zu profitieren.
ShinyHunters hat sich 2026 als eine der aktivsten und erfolgreichsten Datendiebstahl- und Erpressergruppen etabliert. Ihr Vorgehen folgt einem klaren, brutalen Muster: Einbruch, Datendiebstahl, Lösegeldforderung, Veröffentlichung oder Verkauf.
Hier eine Auswahl ihrer bekanntesten Kampagnen im Jahr 2026:
| Ziel | Monat | Details |
|---|---|---|
| Salesforce Experience Cloud (Opfer) | März 2026 | Ausnutzung falsch konfigurierter Aura-Endpunkte, betroffen waren Hunderte von Organisationen, darunter Qantas, Allianz Life, LVMH, Adidas, Google, Workday |
| Instructure Canvas LMS | Mai 2026 | Zweimaliger Einbruch innerhalb von 10 Tagen über XSS-Schwachstellen in Free-for-Teacher-Konten; Abfluss von ca. 3,6 TB Daten mit über 275 Millionen Datensätzen von Studierenden. Das FBI gab eine öffentliche Warnung heraus. |
| Europarat | Juni 2026 | Behauptung, 297 GB (über 429.000 Dateien) mit Personal- und Betriebsdaten gestohlen zu haben; Veröffentlichungsfrist bis 16. Juni. |
| Kodak | Juni 2026 | Behauptung des Diebstahls von über 2,2 Millionen Kundendatensätzen; Frist bis 18. Juni. Kodak bestätigte später den Vorfall. |
| Abbott Laboratories | Juli 2026 | Eintrag auf der Leak-Seite mit einer Frist zum 18. Juli, später auf den 21. Juli verschoben. |
| Ernst & Young | Juli 2026 | Behauptung eines Supply-Chain-Angriffs; Frist 31. Juli (derzeit unbelegt). |
Die Gruppe operiert nicht mit klassischer Verschlüsselungs-Erpressung (Ransomware), sondern setzt auf Identity-basierte Angriffe wie Voice Phishing (Vishing), Credential Theft, OAuth-Token-Missbrauch und Lieferketten-Kompromittierung. Ein besonders perfides Detail: Wie der Fall PowerSchool zeigte, erpresst ShinyHunters Opfer erneut, selbst wenn sie bereits gezahlt haben. Verhandlungen sind also extrem riskant.
Das FBI, Mandiant (Google) und EclecticIQ haben die Gruppe als finanziell motiviertes, „Extortion-as-a-Service“-Kollektiv eingestuft, das massiv von KI-gestütztem Social Engineering und der Ausnutzung von Cloud-Plattformen profitiert.