Kombiniert mit den durch den Nahostkonflikt weiterhin hohen Ölpreisen warnen Ökonomen und Entwicklungsbanken, dass dieser doppelte Schock die globale Gesamtinflation um rund 0,3 Prozentpunkte nach oben treiben, die Nahrungsmittelinflation massiv anheizen und vor allem die Schwellenländer – darunter Indien, Indonesien, Brasilien, Kolumbien und zahlreiche afrikanische Staaten – hart treffen könnte. Die Stagflationsrisiken nehmen zu, was die Zentralbanken zu äußerster Vorsicht zwingt .
Die Ökonomen von JPMorgan haben die Auswirkungen detailliert beziffert :
Die Bank beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass sich der aktuelle El Niño bis Ende 2026 zu einem „sehr starken“ oder „Super“-Ereignis verstärkt, auf 81 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Bedingungen bis 2027 anhalten, liegt bei 97 % .
Anthony Nyong, der Chef-Klimaexperte der AfDB, warnte, dass ein Super-El Niño die betroffenen afrikanischen Länder voraussichtlich insgesamt 10 bis 20 Milliarden US-Dollar kosten werde . Die Kernaussagen seiner Warnung:
Die AfDB warnte zudem, dass Nigeria, Äthiopien, Angola und Kenia aufgrund steigender Treibstoff- und Rohstoffpreise von sozialen Unruhen bedroht seien, wobei das El-Niño-Phänomen die Energie- und Nahrungsmittelinflation auf dem gesamten Kontinent weiter anheizen könnte .
Allianz Research hat länderspezifische Schätzungen zur Weitergabe der Nahrungsmittelinflation vorgelegt :
Der indische Verbraucherpreisindex (CPI) lag im Juni bei 4,38 % – stärker als erwartet und zum ersten Mal seit fast eineinhalb Jahren wieder über dem Inflationsziel der Reserve Bank of India (RBI). Höhere Nahrungsmittel- und Energiekosten machten sich bemerkbar . Die erneuten Spannungen in der Straße von Hormus bedrohen die Ölpreise, und der sich entwickelnde El Niño erhöht die Risiken für die Nahrungsmittelpreise . Die RBI prognostiziert für das restliche Fiskaljahr eine Inflationsrate von 5,1 %. Gouverneur Sanjay Malhotra warnte, der Ausblick für die Nahrungsmittelpreise bleibe „angesichts des unterdurchschnittlichen Südwestmonsuns unsicher“ .
Die eigentliche Gefahr ist ein stagflationärer Mix: Die Inflation der Nahrungsmittel- und Energiepreise treibt die Verbraucherpreise nach oben, während gleichzeitig die wirtschaftliche Aktivität durch Ernteausfälle und höhere Betriebskosten gebremst wird. Die Zentralbanken sitzen zwischen allen Stühlen – sie müssen die Geldpolitik straff halten, um die Inflation zu bekämpfen, obwohl das Wirtschaftswachstum nachlässt .
| Faktor | Mechanismus | Auswirkung auf Zentralbanken |
|---|---|---|
| Nahrungsmittelpreisschock | Dürre/Überschwemmungen schädigen Ernten, geringere Erträge | Hält die Gesamtinflation über den Zielwerten |
| Ölpreisschock | Nahostkonflikt treibt Energie- und Transportkosten | Erhöht Vorleistungskosten, verbreitert Inflation |
| Wachstumsbremse | Landwirtschaftliche Produktion sinkt, fiskalische Belastung in Schwellenländern | Verlangsamt das BIP-Wachstum, erzeugt stagflationären Mix |
| Politik-Dilemma | Notwendigkeit von Zinserhöhungen/-stabilität trotz schwächeren Wachstums | Vorsicht dominiert – Zinssenkungen werden verschoben oder rückgängig gemacht |
Besonders anfällig sind die Schwellenländer. Nahrungsmittel machen etwa 46 % des Warenkorbs der Inflation in Indien aus, 36 % in Thailand und 33 % in Indonesien, wie aus IWF-Daten hervorgeht, die von Bloomberg zitiert werden . Ein Analyst brachte es auf den Punkt: „Viele Zentralbanken sind mit der Erwartung ins Jahr gestartet, sie hätten Spielraum für Zinssenkungen. Und jetzt sehen wir, dass sie die Senkungen stoppen – und einige sogar die Zinsen erhöhen“ .
Der Weltbank-Bericht „Global Economic Prospects“ vom Juni 2026 prognostiziert, dass die globale Gesamtinflation in diesem Jahr auf 4 % anziehen wird, wobei sowohl die Industrie- als auch die Schwellen- und Entwicklungsländer einen Anstieg aufgrund höherer Energiekosten verzeichnen werden . Die Bank warnt, dass ein stärkerer El Niño – allein oder in Kombination mit anderen Risiken – die Rohstoffpreise für Nahrungsmittel „deutlich über die aktuellen Prognosen“ treiben könnte .
Die Europäische Zentralbank hat geschätzt, dass ein starker El Niño die globalen Nahrungsmittelrohstoffpreise ein Jahr nach dem Schock um bis zu 9 Prozentpunkte in die Höhe treiben kann . Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat den Beginn eines Super-El Niño offiziell bestätigt und vor verheerenden Bedingungen für gefährdete Gemeinschaften gewarnt .
Besonders gefährdet sind:
Auch wenn die Getreidevorräte derzeit von einigen Analysten als ausreichend beschrieben werden , schafft die Überlagerung von Klima- und geopolitischen Schocks ein Risikoumfeld, das die Prognostiker als „eindeutig nach oben gerichtet“ für die Preise bezeichnen .