Der vielleicht wichtigste operative Kennwert war die Attach-Rate bei Neuwagen. Tesla gab bekannt, dass über 55 % aller Neuwagenauslieferungen in Nordamerika bereits bei Übergabe ein aktives FSD-Abo beinhalteten – ein Rekordwert . Taneja bezeichnete FSD als einen der Hauptgründe, warum Kunden überhaupt die Ausstellungsräume betreten. Elon Musk sekundierte in der Telefonkonferenz: „Viele Kunden kaufen im Grunde ein Tesla-Full-Self-Driving und bekommen ein Auto dazu“
. Die Attach-Rate hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr, als Tesla erstmals rund 1,1 Millionen FSD-Nutzer meldete, in etwa verdoppelt
.
Mitte Februar 2026 hatte Tesla die einmalige Kaufoption (die zuvor zwischen 8.000 und 15.000 US-Dollar kostete) gestrichen und war auf ein reines Abo-Modell für 99 US-Dollar pro Monat umgestiegen . Das zweite Quartal war das erste volle Quartal unter diesem neuen Modell. Von den 1,48 Millionen zahlenden Nutzern kamen rund 55 % aus früheren Einmalkäufen (Bestandskunden, die vor der Umstellung gekauft hatten) und 45 % aus monatlichen Abonnements
. Tesla erwartet, dass das künftige FSD-Umsatzwachstum fast ausschließlich von Abonnements getrieben wird, da die Kaufoption in den meisten Märkten nicht mehr angeboten wird
.
Auch wenn Tesla keine separate FSD-Umsatzlinie ausweist, gehen Branchenschätzungen vor der Umstellung davon aus, dass die Abo-Basis jährlich wiederkehrende Einnahmen von über einer Milliarde US-Dollar generieren könnte . Der übergeordnete Bereich „Services & Other“ – der neben FSD-Abos auch Supercharger-Erlöse und Konnektivität umfasst – stieg im Jahresvergleich um 50 % auf einen Rekordwert von 4,58 Milliarden US-Dollar. Der Bruttogewinn in diesem Segment erreichte mit 648 Millionen US-Dollar ebenfalls einen neuen Höchststand
. Die Umstellung von einmaligen Vorabkäufen auf wiederkehrende monatliche Einnahmen verändert also nachhaltig Teslas Software-Ökonomie.
Nach monatelangem Warten ist es endlich so weit: Tesla liefert das lang versprochene FSD-Update für die rund vier Millionen Fahrzeuge mit der älteren Hardware 3 (HW3/AI3) aus. Der erste Rollout von FSD v14 Lite begann am 29. Juni 2026 mit der Firmware-Version 2026.20.5.1, die zunächst an Early-Access-Fahrer ausgeliefert wurde . Das Update nutzt einen „Knowledge-Distillation“-Ansatz: Die Intelligenz des HW4-V14-Modells wird quasi destilliert und für die ältere HW3-Plattform angepasst
.
Eine zweite, überarbeitete Version – die Build-Nummer 2026.20.6.10 – wurde ab Mitte Juli ausgerollt und enthält zusätzliche Funktionen aus dem Haupt-FSD-Zweig . KI-Chef Ashok Elluswamy erklärte während der Telefonkonferenz am 22./23. Juli, dass dieser neuere Build „bald breit ausgerollt“ werden soll, also über die Early-Access-Tester hinaus an die gesamte HW3-Flotte gehen wird
. Eine internationale Expansion von v14 Lite hat Tesla für die Zeit nach dem US-Rollout in Aussicht gestellt, allerdings ohne konkreten Zeitplan
. Wichtig: Tesla hat bestätigt, dass die HW3-Hardware nicht über die nötige Speicherbandbreite für Unsupervised FSD verfügt. V14 Lite wird daher ein überwachtes Level-2-System bleiben
.
Tesla gab außerdem bekannt, dass sich die weltweit mit FSD (Supervised) zurückgelegten Kilometer der 12-Milliarden-Marke nähern . Allein in Europa liegt die kumulierte FSD-Fahrleistung bei über 50 Millionen Kilometern (rund 31 Millionen Meilen)
. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der realen Trainingsdaten, die Tesla sammelt und die kontinuierlich zur Verbesserung des Systems beitragen.
Teslas Q2-2026-Zahlen zeichnen ein klares Bild: Die Abo-Strategie für FSD funktioniert. Die Akzeptanz steigt, die Attach-Raten sind auf Rekordniveau, und das Unternehmen baut einen wiederkehrenden Software-Erlösstrom auf, der sich zunehmend in den Finanzzahlen niederschlägt. Für die Millionen HW3-Besitzer, die seit Anfang 2025 auf ein Update gewartet haben, markiert die Ankunft von FSD v14 Lite das Ende einer langen Durststrecke. Das nächste Kapitel wird zeigen, ob Tesla dieses Wachstumstempo halten, FSD in neue Märkte bringen und irgendwann das Versprechen von Unsupervised FSD einlösen kann.