Diese Kehrtwende zeichnete sich erstmals im ersten Quartal 2026 ab, als CEO Sundar Pichai Pläne ankündigte, TPUs an eine „ausgewählte Kundengruppe“ zu verkaufen, die sie in eigenen Einrichtungen betreiben wollten . Im zweiten Quartal erfolgten die ersten Lieferungen und die Umsätze wurden verbucht .
Gleichzeitig priorisiert Alphabet sein eigenes ehrgeizigstes Projekt: die Forschung an künstlicher allgemeiner Intelligenz (AGI). Pichai erklärte im Q2-Telefonat, dass Alphabet seine Flotte von KI-Beschleunigern so steuere, dass die AGI-Entwicklung Vorrang habe – vor der Vermietung an Cloud-Kunden . Dies erzeugt einen grundlegenden Zielkonflikt: Je mehr TPUs Google extern verkauft, desto weniger stehen für interne AGI-Trainings- und Inferenz-Workloads zur Verfügung. Die Entscheidung, Chips überhaupt zu verkaufen, zeigt, dass Alphabet den strategischen Nutzen – langfristige Kundenbindung im KI-Bereich, Monetarisierung überschüssiger Kapazitäten, Wettbewerb mit Nvidia – höher bewertet als die Kosten der Abzweigung von Rechenleistung von den AGI-Plänen.
TSMCs CoWoS (Chip-on-Wafer-on-Substrate)-Advanced-Packaging-Kapazität ist der limitierende Faktor in der gesamten KI-Chip-Industrie. TSMC-CEO C.C. Wei bestätigte, dass CoWoS bis Ende 2026 ausverkauft ist . Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass Google sein TPU-Produktionsziel für 2026 um rund 25 % kürzen musste – von geschätzten 4 Millionen Einheiten auf etwa 3 Millionen – aufgrund unzureichender CoWoS-Zuteilungen . Das bedeutet, dass Googles Fähigkeit, TPU-Verkäufe und den internen Einsatz zu skalieren, direkt davon abhängt, wie viele Chips TSMC verpacken kann – und nicht von der Nachfrage oder dem Design.
Alle hier genannten Finanzzahlen sind durch Alphabets Q2-2026-Geschäftsbericht und mehrere glaubwürdige Quellen bestätigt:
| Faktor | Auswirkung |
|---|---|
| TPU-Verkäufe (neue Verkäuferrolle) | Diversifiziert die Einnahmen, konkurriert mit Nvidia, entzieht aber Chips der internen Nutzung |
| AGI-Priorisierung | Pichai stellt klar, dass TPUs für die AGI-Forschung priorisiert werden, was die Verkaufsmenge begrenzt |
| CoWoS-Engpass | TSMCs Verpackungskapazität begrenzt die gesamte TPU-Produktion (~25 % Kürzung); sowohl interner Einsatz als auch externe Verkäufe sind eingeschränkt |
| Cloud-Umsatzsprung (82 % YoY) | Die KI-Nachfrage von Unternehmen ist enorm; der Auftragsbestand von 514 Mrd. $ belegt mehrjährig gebuchte Bedarfe |
| Capex bei 195–205 Mrd. $ | Alphabet setzt aggressiv auf den Ausbau der KI-Infrastruktur, um diese Nachfrage zu bedienen |
| Negativer FCF (-5,9 Mrd. $) | Die Kosten dieser Wette: erster negativer Free Cashflow seit 22 Jahren als börsennotiertes Unternehmen, der bei Anlegern Fragen zur kurzfristigen Rentabilität aufwirft |
Fazit: Der Start der TPU-Verkäufe im zweiten Quartal 2026 markiert Googles Wandel vom reinen Cloud-Mieter-Chip-Hersteller zum direkten Halbleiter-Händler. Dieser Schritt operiert jedoch unter strengen Lieferbeschränkungen (CoWoS), internem Wettbewerb um Chips (AGI-Priorität) und einer außergewöhnlichen, aber cash-intensiven finanziellen Größenordnung (514-Milliarden-Auftragsbestand vs. 5,9 Milliarden negativer Free Cashflow).