| Spezifikation | SXQ128 | SXQ512 |
|---|---|---|
| Physikalische Qubits | 128 | 512 |
| Verschränkte Qubits pro Kern | 8 | 16 |
| Prozessorkerne | 16 (Multi-Core-Architektur) | 32 (Multi-Core-Architektur) |
| Single-Gate-Fidelity | Bis zu 99,92 % (<1 Fehler pro 1.000 Operationen) | Gleich |
| Qubit-Konvertierungsausbeute | >85 % (durch Schwefel-Co-Implantation) | Gleich |
| Betriebstemperatur | Raumtemperatur (18–27 °C / 293 K) | Gleich |
| Bauform | Standard-Serverschrank, handelsübliche Steckdose | Gleich |
| Energieeffizienz | 6- bis 10-mal besser als GPU-Cluster | Gleich |
| Software-Stack | Qiskit, OpenQASM, proprietäres QOS | Gleich |
Den entscheidenden Durchbruch ermöglicht das patentierte Schwefel-Co-Implantationsverfahren von SAXON Q, das mit mehr als 220 Patenten und Anmeldungen geschützt ist . Während traditionelle Methoden zur Erzeugung von NV-Zentren nur Ausbeuten von 1–10 % erzielen, steigert dieses Verfahren die Rate auf über 85 %. So lassen sich die dichten, hochpräzisen Qubit-Arrays fertigen, die die 128- und 512-Qubit-Systeme überhaupt erst möglich machen
. Die Diamantchips selbst werden auf Standard-CMOS-Halbleiterlinien mit einer Platzierungsgenauigkeit von unter 5 nm gefertigt
.
SAXON Q liefert bereits Systeme an Forschungseinrichtungen aus, was die Glaubwürdigkeit der Markteinführung stärkt :
SAXON Q positioniert die Systeme für kurzfristige Noisy-Intermediate-Scale-Quantum (NISQ)-Workloads. Die Multi-Core-Architektur ist modular aufgebaut, sodass Organisationen mit einem SXQ128 starten und durch Austausch der Diamantchips oder Hinzufügen von Kernen skalieren können . Die Ziellasten umfassen
:
Die Ankündigung ist ein echter Meilenstein für die NV-Zentrum-Quantencomputertechnologie. Dennoch sind mehrere Faktoren kritisch zu betrachten, bevor man die Systeme als einsatzbereite Allzweck-Quantencomputer interpretiert .
Die Werte von 99,92 % Single-Gate-Fidelity und über 85 % Ausbeute stammen ausschließlich aus eigenen Pressemitteilungen und der Website von SAXON Q, nicht aus Peer-Review-Studien oder unabhängigen Benchmarks . Die positive Aussage des Fraunhofer IWU bezieht sich auf ein Vorgängersystem, nicht auf den neuen SXQ128 oder SXQ512
. Unabhängige Messungen für das 512-Qubit-System fehlen vollständig
.
Das Unternehmen hat weder Kohärenzzeiten (T₁/T₂) noch die Fidelity von Zwei-Qubit-Gattern bekannt gegeben . Diese Kennzahlen sind für die Bewertung der tatsächlichen Rechenleistung eines Quantenprozessors jedoch essenziell. Zum Vergleich: Konkurrierende supraleitende Qubit-Architekturen berichteten bereits 2014 von Single-Qubit-Fidelities von 99,94 % und Zwei-Qubit-Gatterfehlern unter 1 % bei Kohärenzzeiten im Millisekundenbereich
.
Die SXQ128 und SXQ512 stellen physikalische Qubits bereit. Fehlerkorrektur und logische Qubit-Architekturen sind erst für die Zukunft geplant, aber noch nicht realisiert . Ein fehlertoleranter Quantencomputer ist damit noch nicht erreicht.
Zwar ist die Gesamtqubitzahl ein Meilenstein für NV-Systeme, doch die Verschränkungstiefe pro Kern ist gering. Der SXQ128 liefert über seine 16 Kerne nur jeweils 8 vollständig verschränkte Qubits. Das ist im Vergleich zu Ionenfallen- oder supraleitenden Systemen, die routinemäßig 20 oder mehr Qubits in einem Register verschränken, wenig .
Der SXQ512 ist noch über 9 Monate von der Auslieferung entfernt – eine Vorbestellung heute . SAXON Q ist ein relativ junges Startup (2021 aus der Universität Leipzig ausgegründet). Die Skalierbarkeit auf das anvisierte Ziel von 10.000+ Qubits ist hardwaretechnisch noch nicht belegt
.
SAXON Q hat zwei fundamentale Probleme gelöst, die die NV-Zentrum-Quantencomputerentwicklung jahrzehntelang blockiert haben: die Fertigungsausbeute und den Raumtemperaturbetrieb. Das Schwefel-Co-Implantationsverfahren ist ein echter Durchbruch . Die Systeme SXQ128 und SXQ512 sind jedoch als die ersten kommerziell verfügbaren Raumtemperatur-Quanten-Co-Prozessoren für kurzfristige NISQ-Workloads zu verstehen – nicht als Allzweck-, fehlertolerante Quantencomputer. Das Fehlen unabhängig bestätigter Benchmarks, nicht veröffentlichte Kohärenzzeiten und die ausstehende Fehlerkorrektur legen eine vorsichtige, evidenzbasierte Entscheidungsfindung vor einer Beschaffung nahe
.