Anstatt einen Platz am GCAP-Tisch zu fordern, verfolgt Airbus Defence and Space eine andere Strategie. CEO Michael Schöllhorn erklärte am 22. Juli 2026 auf der Farnborough Airshow, Airbus stelle sich darauf ein, „keine Zeit zu verlieren“, und suche eine „bedeutende Positionierung“ bei jedem zukünftigen Kampfjet-Programm, insbesondere mit einer deutschen und spanischen industriellen Beteiligung .
Im Inland führte Airbus die Gründung der Team Gen 6 an – einem Konsortium aus acht deutschen Rüstungsunternehmen: Airbus Defence and Space, Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA Deutschland, MTU Aero Engines und Rohde & Schwarz . Auf spanischer Seite gehören dem Industriebündnis Indra, der spanische Arm von Airbus Defence and Space, Grupo Oesia, GMV, ITP Aero und Sener an . Dieses Konsortium soll die unter FCAS entwickelten technologischen Fähigkeiten erhalten und ein deutsches Konzept für einen Kampfjet der sechsten Generation vorlegen .
Parallel dazu tendiert Airbus einem Bericht zufolge zunehmend zu Saab aus Schweden als bevorzugtem zukünftigen Partner – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen mehrere parallele Optionen verfolgt, anstatt sich auf einen einzigen Weg über GCAP zu verpflichten .
Leonardo-CEO Lorenzo Mariani hat zwei leicht unterschiedliche öffentliche Signale zur deutschen Beteiligung an GCAP gegeben:
Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte am 23. Juni 2026, zusätzliche Nationen – einschließlich Deutschland – seien willkommen, sich GCAP anzuschließen, da dies die Kostenverteilung verbessere . Die industrielle Tür steht also offen, aber die politische und vertragliche Tür ist vorerst geschlossen.
Am 21. Juli 2026 wurde Kanada offiziell der erste Beobachterstaat des GCAP, bekanntgegeben von den Verteidigungsministern Großbritanniens, Italiens und Japans . Der Beobachterstatus gewährt Kanada einen „privilegierten Zugang“ zur Fähigkeitsentwicklung, industriellen Zusammenarbeit und zu langfristigen Lieferplänen sowie die Teilnahme an Geheimdienst-Briefings . Es gibt jedoch derzeit weder eine Verpflichtung noch einen Zeitplan für eine Vollmitgliedschaft . Die kanadische Regierung begründete den Schritt mit einer Diversifizierung ihrer Verteidigungspartnerschaften, insbesondere vor dem Hintergrund der Überprüfung ihrer Bestellung von 88 F-35-Kampfjets angesichts der Handelsspannungen mit den USA .
Am 3. Juli 2026 erteilte die GCAP International Government Organisation (GIGO) einen 18-monatigen Auftrag über 4,6 Milliarden Pfund (6,1 Milliarden US-Dollar) an Edgewing – das trinationale Joint Venture von BAE Systems (UK), Leonardo (Italien) und JAIEC (Japan) . Der Vertrag finanziert den Rest der Konzept- und Bewertungsphase und führt das Programm in die „gemeinsame detaillierte Designentwicklung“ . Der Vertrag läuft bis Ende 2027 . Dies geschah kurz nachdem Großbritannien die Finanzierung aus seinem zuvor verzögerten Defence Investment Plan freigegeben hatte . Ein früherer Auftrag über 686 Millionen Pfund war bereits im April 2026 an Edgewing vergeben worden .
Keine öffentliche Stellungnahme der GCAP-Partnerregierungen, der GCAP-Agentur oder von Edgewing hat die Bedingungen, die Auswirkungen auf den Zeitplan oder die industrielle Neuausrichtung thematisiert, die eine deutsche Vollmitgliedschaft erfordern würde. Zentrale Spannungen bleiben:
Es liegen nicht genügend Belege in öffentlich zugänglichen Quellen vor, um zu bestimmen, ob Deutschland als Vollpartner beitreten könnte, ohne das Zieljahr 2035 zu verschieben. Branchenbeobachter betrachten dies allgemein als die zentrale offene Frage der europäischen Luftkampftechnologie, aber keine offizielle Bewertung oder unabhängige Studie hat sie bisher im Detail behandelt. Der weitere Weg für Deutschland – ob über GCAP, ein nationales Team-Gen-6-Konzept oder eine Zusammenarbeit mit Saab – bleibt die strategische Entscheidung für die europäische Luftwaffe in diesem Jahrzehnt.