Warum Michael Saylor und Adam Back gemeinsam gegen BIP-110 kämpften
BIP 110, ein auf ein Jahr befristeter Bitcoin Soft Fork, sollte Nicht Zahlungsdaten in Transaktionen auf 34 Byte begrenzen – und stieß auf heftigen Widerstand. Michael Saylor und Adam Back – sonst oft uneins – warnten geschlossen vor den Gefahren einer Zensur auf Konsensebene und einer Spaltung des Netzwerks.
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BIP 110, ein auf ein Jahr befristeter Bitcoin Soft Fork, sollte Nicht Zahlungsdaten in Transaktionen auf 34 Byte begrenzen – und stieß auf heftigen Widerstand.
Michael Saylor und Adam Back – sonst oft uneins – warnten geschlossen vor den Gefahren einer Zensur auf Konsensebene und einer Spaltung des Netzwerks.
Mit weniger als 1 % Miner Support und vernichtender Kritik gilt der Vorschlag inzwischen als gescheitert.
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Was BIP-110 vorsah
BIP-110 – offiziell „Reduced Data Temporary Softfork“ – war ein auf ein Jahr befristeter Vorschlag, die Menge an Nicht-Zahlungsdaten in Bitcoin-Transaktionen auf Konsensebene einzuschränken . Zielscheibe waren – also jene Anwendungen, die die Blockchain eher als Datenbank denn als Zahlungsnetzwerk nutzen .
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BIP 110, ein auf ein Jahr befristeter Bitcoin Soft Fork, sollte Nicht Zahlungsdaten in Transaktionen auf 34 Byte begrenzen – und stieß auf heftigen Widerstand.
Was sind die wichtigsten Punkte, die zuerst validiert werden müssen?
BIP 110, ein auf ein Jahr befristeter Bitcoin Soft Fork, sollte Nicht Zahlungsdaten in Transaktionen auf 34 Byte begrenzen – und stieß auf heftigen Widerstand. Michael Saylor und Adam Back – sonst oft uneins – warnten geschlossen vor den Gefahren einer Zensur auf Konsensebene und einer Spaltung des Netzwerks.
Was soll ich als nächstes in der Praxis tun?
Mit weniger als 1 % Miner Support und vernichtender Kritik gilt der Vorschlag inzwischen als gescheitert.
Ordinals-Inschriften, BRC-20-Token, Runes und überdimensionierte OP_RETURN-Felder
Die Kernregeln im Überblick:
Neue Transaktionsausgänge (Outputs) auf 34 Byte begrenzt (Ausnahme: OP_RETURN)
OP_RETURN-Outputs auf 83 Byte limitiert
Daten-Push-Beschränkungen, um inscription-artige Datenspeicherung zu unterbinden
Die Regeln sollten nach etwa 52.416 Blöcken (rund einem Jahr) automatisch verfallen, sofern sie nicht durch einen späteren Konsensbeschluss verlängert würden . Die Aktivierung hätte bereits 55 % der Mining-Hashrate vorausgesetzt – ein im Vergleich zu früheren Upgrades (rund 95 %) ungewöhnlich niedriger Schwellenwert .
Michael Saylor: „Die Heilung ist gefährlicher als die Krankheit“
Michael Saylor, dessen Firma Strategy Inc. (ehemals MicroStrategy) der größte börsennotierte Bitcoin-Halter der Welt ist, veröffentlichte ein umfassendes Gegenpapier mit dem Titel „110 Reasons BIP 110 Is a Bad Idea“ und bezeichnete den Vorschlag als iatrogen – medizinisch: die Heilung ist schlimmer als die Krankheit .
Seine zentralen Argumente:
Verletzung der Bitcoin-Neutralität: Saylor warnte davor, die Konsensregeln zu ändern, um aktuell gültige, gebührenzahlende Transaktionen zu unterbinden. Das würde Bitcoins neutrale, erlaubnisfreie Basisschicht kompromittieren . „Bitcoin braucht keine Hüter der Reinheit, sondern Hüter der Neutralität“, schrieb er .
Gefährlicher Präzedenzfall: Aus einem inhaltlichen Streit über Ordinals und „Spam“ eine Protokolländerung zu machen, setze einen Präzedenzfall, der weit schädlicher sei als der Spam selbst . „Es gibt 110 Dinge, die für Bitcoin gefährlicher sind als Spam“, erklärte Saylor am 11. Juli auf X .
Konsens- und Netzwerkrisiko: Der Soft Fork würde bestimmte Blöcke für aktualisierte Knoten ungültig machen und riskiere eine Netzwerkspaltung sowie neuartige Konsensrisiken .
Marktbasierte Alternativen existieren: Statt Konsensregeln zu ändern, seien Gebühren, Relay- und Mining-Richtlinien die richtigen Werkzeuge, um unerwünschte Transaktionen zu steuern .
Fehlende messbare Evidenz: Saylor bezweifelte, dass BIP-110 messbare Verbesserungen für Dezentralisierung oder den Gebührenmarkt bringe .
Dammbruch-Effekt: Werde das Protokoll erst geändert, um eine bestimmte Transaktionsklasse zu unterbinden, öffne man die Tür für weitere Einschränkungen .
Zudem betonte Saylor, dass BIP-110 keine bekannten kritischen Bugs oder Konsensfehler wie Inflation, Signaturvalidierung oder Double-Spending behebe, sondern eine „umstrittene Externalität“ adressiere .
Adam Back: „Technisch mangelhaft“ und „robust abgelehnt“
Adam Back, der Kryptograph, dessen Hashcash-System im Bitcoin-Whitepaper zitiert wird und der seit jeher als Hüter des Cypherpunk-Ethos gilt, legte ebenfalls vehement nach .
Backs wichtigste Kritikpunkte:
Technisch fehlerhaft: Back bezeichnete BIP-110 als „technisch mangelhaft“ und „funktioniert nicht“ – es fehle sowohl der technische als auch der Ökosystem-Konsens . Im Gegensatz zu SegWit, das beides gehabt habe .
Verstoß gegen das Cypherpunk-Ethos: Er nannte den Vorschlag eine „Mission, andere zu bevormunden“ – Dezentralisierung bedeute, dass man „anderen nicht seine Ansichten aufzwingen“ könne .
Verschwindend geringe Unterstützung: Zum 18. Juli 2026 lag die Miner-Signalisierung bei mageren 0,86 % – weit unter der 55-%-Aktivierungsschwelle . Back prognostizierte, dass der Fork innerhalb von Wochen nach der obligatorischen Signalisierung um Block 961.632 zum Erliegen kommen würde .
Risiko einer Minoritäts-Kettenspaltung: Back warnte, dass eine erzwungene Aktivierung eine Minoritätskette mit geringer Hashrate hervorbringen könnte – einen persistenten Fork ähnlich Bitcoin Cash oder Bitcoin SV .
Umgehbare Beschränkungen: Die Regeln seien umgehbar, der „Innovationsschaden“ dagegen nicht – der Vorschlag würde legitime Entwicklung ersticken, ohne entschlossene Spammer wirklich zu stoppen .
Reputations- und Regulierungsrisiko: BIP-110 könne regulatorischen Druck einladen und Bitcoins Ruf als neutraler, zensurresistenter Wertspeicher beschädigen .
In einer unverblümten Einschätzung sagte Back, der Vorschlag werde „ignoriert, weil er eine dumme Idee ist“ – für seine mangelnde Unterstützung brauche es keine Verschwörungstheorie .
Weitere prominente Gegner
Saylor und Back erhielten Unterstützung von anderen namhaften Bitcoin-Größen wie Jameson Lopp (Casa CTO) und Wang Chun (F2Pool-Mitgründer), die ebenfalls auf die Gefahren für die Neutralität, Zensurrisiken und die Gefahr von Kettenspaltungen hinwiesen .
Historischer Kontext: Die Ordinals-Explosion
Die Debatte hat ihren Ursprung in der Explosion von Ordinals-Inschriften und BRC-20-Token ab Anfang 2023. Befürworter von BIP-110 argumentierten, diese nicht-finanziellen Anwendungen verstopften die Blöcke mit „Spam“, erhöhten die Kosten für Node-Betreiber und verzerrten die Miner-Anreize weg von Bitcoins Zweck als Geldnetzwerk . Gegner – darunter Saylor und Back – hielten dagegen, dass die richtige Antwort auf unerwünschte Aktivitäten wirtschaftlicher Natur sei (Gebühren, Relay-Richtlinien) – und nicht eine Änderung der Konsensregeln .
Zeitleiste und aktueller Stand
Oktober 2025: Öffentliche Diskussion über BIP-110 beginnt auf der Bitcoin-Entwickler-Mailingliste . Kurz darauf wird der formelle Entwurf vorgelegt.
Januar 2026: Frühe Node-Unterstützung wird mit 583 Knoten gemeldet .
Juni 2026: Die Signalisierungsphase beginnt. Weniger als 1 % der Mining-Hashrate unterstützen den Vorschlag – die Aktivierungsschwelle liegt bei 55 % . Back bezeichnet ihn am 8. Juni als „technisch mangelhaft“ .
Juli 2026: Saylor veröffentlicht am 19. Juli sein „110 Reasons“-Essay . Beide, Saylor und Back, geben im Laufe des Monats mehrfach öffentliche Stellungnahmen gegen den Fork ab .
Aktuell (Juli 2026): Der Vorschlag nähert sich seinem Aktivierungsfenster Anfang August mit unzureichender Unterstützung. Back erklärt, Bitcoin habe BIP-110 „robust abgelehnt“ und das Hauptnetzwerk werde die Änderungen höchstwahrscheinlich nicht übernehmen . Ohne Aktivierung verfällt der Vorschlag ein Jahr nach seinem geplanten Aktivierungsdatum automatisch .
Das große Ganze
Die BIP-110-Debatte ist ein prägender Moment für die Bitcoin-Governance. Saylor und Back – trotz ihrer grundverschiedenen Rollen (Unternehmens-Treasury-Manager und Cypherpunk-Entwickler) – waren sich in einem fundamentalen Prinzip einig: Die Konsensregeln zu ändern, um Transaktionsinhalte zu polizieren, ist eine größere Bedrohung für Bitcoins langfristige Glaubwürdigkeit als die Transaktionen selbst. Wie Saylor es formulierte, geht es um die Frage, „ob Transaktionen, die nach den geltenden Regeln gültig und gebührenpflichtig sind, auf Konsensebene blockiert werden sollten“ . Die Antwort des Netzwerks war bisher: Nein.
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