2. Falkenhafte Fed-Perspektive – verschobene Zinssenkungen
Goldman Sachs verschob seine Prognose für die erste Fed-Zinssenkung von September auf Dezember 2026 (mit einer zweiten Senkung im März 2027) und begründete dies mit den durch den Iran-Krieg gestiegenen Energiepreisen, die die Inflation hoch hielten . Der FOMC hat die Zinsen im Juni 2026 zum vierten Mal in Folge bei 3,50–3,75 % belassen
. Diese falkenhafte Neubewertung stützt den Zinsvorteil des Dollars.
3. Wirtschaftliche Überlegenheit der USA
Goldman Sachs Research erwartet für die USA ein Wachstum von 2,6 % im Jahr 2026 gegenüber einem Konsens von 2,0 %, angetrieben durch geringere Zollbelastung, Steuersenkungen und günstigere Finanzierungsbedingungen – das übertrifft das Vereinigte Königreich deutlich, das ein „durchwachsenes Jahr“ erwartet . Diese Erzählung des „amerikanischen Exzeptionalismus“ ist ein zentraler Pfeiler der Dollarstärke.
4. Carry-Dynamik
Bei hohen US-Zinsen (3,50–3,75 %) und eher taubenhaften ausländischen Notenbanken ist der sich ausweitende reale Zinsunterschied zugunsten des Dollars ein zentraler Treiber . Der Leiter des Devisenoptionshandels bei Goldman führt Zinsdifferenzen, Fed-Politik und geopolitische Faktoren als Gründe für die anhaltende Dollarstärke an
.
Wichtige Nuance: Goldmans Dollar-Ansicht hat sich weiterentwickelt. Anfang 2026 (Februar) erwartete Chef-Devisenstratege Kamakshya Trivedi noch zwei Fed-Senkungen und eine schwächere Dollar in der zweiten Jahreshälfte . Der Iran-Krieg, der Anfang 2026 ausbrach, machte diese Prognose zunichte und zwang Goldman, die Senkungsprognose zu verschieben und auf eine kurzfristig bullische Dollar-Haltung umzuschwenken. Die Bank hat auch gewarnt, dass die Dollar-Rally nachlassen könnte, wenn die Märkte ihren Fokus von der Inflation auf Wachstumssorgen verlagern
.
Die BoE hielt ihren Leitzins auf der letzten Sitzung bei 3,75 %, mit einer abweichenden Stimme für eine Anhebung und keiner für eine Senkung – eine überraschend falkenhafte Haltung . Der Geldpolitikbericht (Februar 2026) stellte fest, dass die restriktive Wirkung der Politik nachgelassen habe, da der Leitzins seit August 2024 um 150 Basispunkte gesenkt wurde, und dass die Politik darauf ausgerichtet sei, die Inflation nachhaltig auf 2 % zurückzuführen
.
Dies schafft ein „Falken-Patt“: Sowohl die Fed als auch die BoE sind falkenhaft, was den Zinsunterschied einfriert und GBP/USD in einer Spanne hält, anstatt Richtung durch Zinsdifferenzen zu geben . Für Goldman bedeutet dies, dass der Trade auf eine Korrektur der Überbewertung des Pfunds angewiesen ist, nicht auf eine zinsgetriebene Divergenz.
ING vertritt eine weitgehend neutrale bis leicht bearische Haltung gegenüber GBP/USD mit einer Drei-Monats-Prognose von 1,33 (Stand April 2026) . Wichtige Punkte:
J.P. Morgan hat eine bemerkenswert bullische Wende für den Dollar im zweiten Halbjahr 2026 vollzogen:
| Institut | GBP/USD-Haltung | Wichtigster Treiber | Übereinstimmung mit Goldman |
|---|---|---|---|
| Goldman Sachs | Taktischer Short auf 1,3250 | Pfund nach Juli-Rally überbewertet; falkenhafte Fed, Energieschock | Eigener Trade |
| J.P. Morgan | Bullish USD, GBP gedeckelt | US-Exzeptionalismus, Renditevorteil, Iran-Inflation | Im Einklang |
| ING | Neutral, GBP ~1,33 | BoE abwartend, UK-Haushalt glaubwürdig, aber politische Risiken | Leicht im Einklang (kurzfristig) |
| Bank of England | Falkenhafter Leitzins bei 3,75 % | Inflation noch über Ziel; eine abweichende Stimme für eine Anhebung | Schafft Falken-Patt |
Einschränkung: Goldmans eigene mittelfristige Sicht (vor dem Iran-Krieg) war eine schwächere Dollar, und die Bank hat darauf hingewiesen, dass eine Verschiebung hin zu Wachstumssorgen die Dollar-Rally untergraben könnte. Dieser Trade ist ausdrücklich taktisch – er nutzt eine kurzfristige Überschreitung in einem fundamental starken Dollar-Umfeld aus, nicht eine strukturelle Long-Dollar-Wette.