Die vielleicht spektakulärste Anschuldigung: OpenAI soll Apple-Bewerber angewiesen haben, physische Komponenten, Zeichnungen und interne Dokumente von Apple zu ihren Vorstellungsgesprächen mitzubringen. Dieser Vorwurf würde, wenn er bewiesen wird, eine beispiellose Form der Wirtschaftsspionage im Einstellungsprozess darstellen.
Die Klage wirft dem ehemaligen Apple-Senior-Systemelektronikingenieur Chang Liu konkret vor, seinen Apple-Dienstlaptop nach seinem Ausscheiden im Januar 2026 behalten zu haben, als er zu OpenAI wechselte. Bei OpenAI soll Liu dann einen Fehler im internen Apple-Dateisystem ausgenutzt und eine Hintertür geschaffen haben, die OpenAI dauerhaften Zugriff auf Apples geheimste Produktdaten verschaffte.
Über die Abwerbung ehemaliger Mitarbeiter hinaus behauptet Apple, dass OpenAI aktiv aktuelle Apple-Angestellte ermutigt habe, vertrauliche Informationen weiterzugeben, während sie noch für den iPhone-Hersteller arbeiteten. Dieser Vorwurf zielt auf das Herz von OpenAIs Personalstrategie ab und beschuldigt das Unternehmen, Apples eigene Belegschaft zu einer Quelle von Industriegeheimnissen zu machen.
Die Klage nennt zwei ehemalige Apple-Mitarbeiter, die jetzt Schlüsselpositionen bei OpenAI innehaben, sowie eine Designfirma mit tiefen Apple-Wurzeln.
Apple verfolgt eine umfassende Rechtsstrategie und macht mehrere Ansprüche geltend, die darauf abzielen, OpenAIs Hardware-Projekt zu stoppen und maximale Schadensersatzforderungen durchzusetzen.
Apple beantragt eine einstweilige Verfügung – eine gerichtliche Anordnung, die OpenAI die Nutzung aller von Apple stammenden Informationen untersagen würde – sowie nicht bezifferte Schadensersatzforderungen. Der DTSA gewährt Bundesgerichte weitreichende Befugnisse, darunter die Möglichkeit, ex parte Beschlagnahmebeschlüsse zur Sicherstellung gestohlener Daten ohne Vorwarnung zu erlassen, was ein extrem riskantes rechtliches Umfeld für OpenAI schafft.
OpenAI entwickelt in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Apple-Designchef Jony Ive eine Reihe von KI-gestützten Hardwaregeräten. Das erste Produkt, bei dem es sich Gerüchten zufolge um ein iPhone-ähnliches KI-Gerät oder einen intelligenten Lautsprecher handelt, sollte ursprünglich Ende 2026 auf den Markt kommen, wurde aber aufgrund eines separaten Markenrechtsstreits bereits auf Anfang 2027 verschoben.
Apples Klageschrift ist deutlich: „OpenAIs junges Hardware-Geschäft ruht nun auf dem wackeligsten Fundament, bis ins Mark verdorben durch seine illegale Abhängigkeit von Apples Geschäftsgeheimnissen.“ Apple hat das Gericht um eine Anordnung gebeten, die OpenAI die Nutzung aller von Apple stammenden Informationen in seinen Hardwareprodukten untersagen könnte – eine Abhilfe, die, wenn sie gewährt wird, OpenAI zwingen könnte, sein Gerät neu zu entwerfen oder seinen Start um Jahre zu verzögern.
Diese Klage fügt sich in ein bekanntes Muster im Silicon Valley ein, wo abwandernde Mitarbeiter und Vorwürfe der Wirtschaftsspionage zu spektakulären Rechtsstreitigkeiten geführt haben. Die berühmteste Parallele ist Waymo gegen Uber (2017). In diesem Fall verklagte Waymo Uber, nachdem ein ehemaliger Waymo-Ingenieur (Anthony Levandowski) angeblich 14.000 vertrauliche Dateien heruntergeladen hatte, bevor er ging, um ein Startup für selbstfahrende LKW zu gründen, das dann von Uber übernommen wurde. Uber einigte sich 2018 auf einen Vergleich über 245 Millionen Dollar in Aktien plus das Versprechen, Waymos Technologie nicht zu nutzen. Apples Klage folgt diesem Drehbuch genau: Ein Star-Ingenieur wechselt zu einem Konkurrenten, nimmt angeblich vertrauliche Dateien mit, und dem Konkurrenten wird vorgeworfen, den Diebstahl institutionalisiert zu haben.
Ein weiterer wichtiger Präzedenzfall ist Google gegen Uber (ebenfalls 2017, im Zusammenhang mit Levandowski). Google reichte ein separates Schiedsverfahren gegen Levandowski persönlich ein, das zu einem Urteil über 179 Millionen Dollar und seinem anschließenden Bankrott führte. Dies zeigt das erhebliche persönliche Haftungsrisiko für einzelne Beklagte wie Liu und Tan.
Der Patentkrieg Apple gegen Samsung (2011–2018) war zwar kein Fall von Geschäftsgeheimnissen, setzte aber einen Präzedenzfall dafür, dass Apple aggressiv Rechtsstreitigkeiten wegen geistigen Eigentums gegen Rivalen führt.
| Dimension | Status |
|---|---|
| Kernvorwurf | OpenAI soll systematisch Hardware-/IP-Geheimnisse über ehemalige Apple-Mitarbeiter gestohlen haben, einschließlich physischer Teile und einer Hintertür in Apples Systeme |
| Einzelbeklagte | Chang Liu (Ingenieur) und Tang Tan (Chief Hardware Officer); außerdem io Products |
| OpenAIs Antwort | Bestreitet alle Vorwürfe; behauptet, sich energisch verteidigen zu wollen |
| Hardware-Auswirkungen | Öffentlich: Zeitplan unverändert (Enthüllung 2026, Markteinführung 2027). Intern: Berichten zufolge bereits mit Lieferanten-/Komplikationen konfrontiert |
| Angestrebte Rechtsmittel | Einstweilige Verfügung (könnte Gerätestart blockieren) plus Schadensersatz |
| Historischer Präzedenzfall | Erinnert stark an Waymo vs. Uber; könnte Jahre dauern, bis es gelöst ist |
Fazit: Die Klage befindet sich in einem sehr frühen Stadium. Kein Gericht hat in der Sache entschieden, und OpenAI hat die Vorwürfe bestritten. Aber die Kombination aus hochspezifischen Tatsachenbehauptungen, der Beteiligung eines führenden OpenAI-Hardware-Managers und der aggressiven rechtlichen Haltung macht dies zu einer potenziell existenziellen Bedrohung für OpenAIs Hardware-Ambitionen – und zu einem Fall, der als nächstes großes Silicon-Valley-Drama um Geschäftsgeheimnisse genau beobachtet wird.