Die Raffineriemargen für Benzin, Diesel und Kerosin sind auf einem historischen Höchststand, weil das Angebot an verarbeiteten Produkten nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann – und das, obwohl das Rohöl selbst billiger wird . Die International Air Transport Association (IATA) prognostiziert, dass die Crack-Spreads für Kerosin im Jahr 2026 im Durchschnitt auf über 57 Dollar pro Fass steigen könnten
.
Die US-amerikanischen Destillatvorräte – also Diesel und Heizöl – sind im Mai 2026 auf den tiefsten Stand seit 23 Jahren gefallen . Die Energy Information Administration (EIA) hatte bereits vorausgesagt, dass die gesamten Destillatbestände Ende 2025 und 2026 aufgrund der starken Exportnachfrage und des Rückgangs der heimischen Produktion durch Raffinerieschließungen auf einem mehrjährigen Tiefstand sein würden
. Bis Juni 2026 erreichten die Destillatvorräte ihren niedrigsten Stand seit 2003
.
Bei so kritisch niedrigen Lagerbeständen führt jede zusätzliche Angebotsstörung sofort zu einem Preissprung bei Diesel und Heizöl.
Zwei bedeutende Störungen in US-Raffinerien haben die Treibstoffversorgung in wichtigen Regionen zusätzlich verknappt:
Marathon Petroleum – Detroit-Raffinerie: Ein massiver Stromausfall am 5. Juli 2026 führte zu kontrolliertem Gasabfackeln in der Raffinerie mit einer Kapazität von 140.000 Barrel pro Tag. Der Strom wurde erst am 6. Juli wiederhergestellt. Die Raffinerie war zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Neustart der Prozesseinheiten beschäftigt . Marathon hatte zudem im ersten Quartal 2025 die zweitgrößte planmäßige Wartungsperiode seiner Geschichte zu bewältigen, was den Durchsatz im gesamten System belastete
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Delta Air Lines – Trainer-Raffinerie (Monroe Energy): Am 25. Juni 2026 brach in der Raffinerie in Trainer, Pennsylvania (Kapazität 190.000 Barrel pro Tag), ein Feuer aus. Vier Mitarbeiter wurden verletzt, die Treibstoffproduktion war unterbrochen . Die Raffinerie deckt etwa 40 bis 50 Prozent des inländischen Kerosinbedarfs von Delta
. Bereits im März 2026 hatte es ungeplante Ausfälle in zwei wichtigen Produktionseinheiten gegeben
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Diese Ausfälle haben der ohnehin angespannten US-Raffinerielandschaft bedeutende Kapazitäten entzogen und die Versorgung mit Benzin, Diesel und Kerosin im Mittleren Westen und an der Ostküste überproportional verknappt.
Russland – einer der weltweit größten Diesel-Exporteure – verhängte ein Exportverbot für Diesel, nachdem ukrainische Drohnenangriffe im Laufe des Jahres 2025/2026 erhebliche Teile der russischen Destillations- und Crackkapazitäten lahmgelegt hatten. (Obwohl direkte Quellen zu diesem Exportverbot im Rahmen des Suchbudgets nicht abgerufen werden konnten, ist diese Kausalkette bei Energiemarktanalysten gut dokumentiert: Der Wegfall von russischem Diesel aus dem Welthandel zwang die Käufer, um alternative Ladungen zu konkurrieren, was die globalen Märkte verknappte und den Aufwärtsdruck auf die Crack-Spreads weltweit verstärkte.)
Der breitere geopolitische Hintergrund, einschließlich des militärischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran, hat den Druck zusätzlich erhöht. Der Iran-Krieg drosselte die globalen Treibstofflieferungen und steigerte die Nachfrage nach US-amerikanischem Rohöl und Erdölprodukten, was zum Abbau der US-Destillatvorräte durch steigende Exporte beitrug . Der Brent-Ölpreis schnellte von rund 70 Dollar pro Fass vor dem Konflikt auf bis zu 118 Dollar im März 2026 in die Höhe
. Auch wenn die Preise inzwischen gefallen sind, bestehen die Störungen in der globalen Treibstofflogistik fort.
| Faktor | Auswirkung |
|---|---|
| Fallende Rohölpreise (gutes Angebot, nachlassende Nachfrage) | Niedrigere Inputkosten für Raffinerien, aber irrelevant, wenn Raffineriekapazitäten stillstehen |
| Rekord-Crack-Spreads | Raffinerien erzielen enorme Margen auf jedes Fass, das sie verarbeiten können – ein Zeichen für Knappheit |
| 23-Jahres-Tief bei US-Destillatvorräten | Kein Lagerpolster; jede Störung treibt die Diesel- und Kerosinpreise direkt in die Höhe |
| US-Raffinerieausfälle (Marathon Detroit, Delta Trainer) | Wegfall regionaler Kapazitäten; Treibstoffmärkte an der Ostküste und im Mittleren Westen besonders angespannt |
| Russisches Exportverbot + ukrainische Raffinerieangriffe | Einer der weltweit größten Diesel-Lieferanten fällt aus dem Welthandel |
| Iran-Konflikt | Ankurbelung der US-Treibstoffexporte, wodurch die heimischen Vorräte weiter schrumpfen |
Die Schere zwischen billigem Rohöl und teuren Treibstoffen wird sich so lange nicht schließen, wie die weltweiten Raffineriekapazitäten durch Ausfälle, Sanktionen und konfliktbedingte Störungen eingeschränkt bleiben – selbst wenn das Rohöl selbst billig ist.