Die EZB erklärte in ihrer offiziellen Pressemitteilung unmissverständlich: „Der Krieg im Nahen Osten erzeugt Inflationsdruck", und der Zinsbeschluss sei „robust über eine Reihe von Szenarien hinweg, die die mögliche Entwicklung des Schocks abbilden" . Der Konflikt mit dem Iran ließ die Öl- und Gaspreise sprunghaft ansteigen; die EZB unterstellte für 2026 einen Ölpreis von rund 97 Dollar pro Barrel, der im zweiten Quartal auf 112 Dollar stieg
. Dies trieb die Inflationsrate im Euroraum im Mai 2026 auf über 3 %, nach einem Tief von 1,7 % im Januar
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Das Wall Street Journal berichtete, die EZB-Entscheidungsträger seien zu dem Schluss gekommen, dass sie die Energiekrise nicht ignorieren könnten; sie rechneten damit, dass die steigenden Energiekosten die Inflation mittelfristig über das 2%-Ziel treiben würden . Die Analyse der Scotiabank stellte fest, dass die EZB sowohl die direkten als auch die indirekten Auswirkungen des Energieschocks auf die Wirtschaft sah
. Lagarde betonte, dass Zweitrundeneffekte noch nicht sichtbar seien, was der EZB einen Sitzung-für-Sitzung-Ansatz ermögliche, ohne sich auf eine weitere Erhöhung festzulegen
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Die volkswirtschaftlichen Projektionen der EZB-Mitarbeiter vom Juni 2026 zeichneten ein düsteres Bild der Inflation mit deutlichen Aufwärtskorrekturen gegenüber dem März.
Gesamtinflation (HVPI, Basisprognose):
Kerninflation (HVPI ohne Energie und Nahrungsmittel):
Der am 9. Juli veröffentlichte Sitzungsbericht zeigte, dass den Währungshütern Projektionen vorgelegt wurden, wonach die Inflation „trotz fast dreier Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten bis weit in die erste Hälfte des Jahres 2027 deutlich über dem Zielwert bleiben" würde . Die Gesamtinflation werde „im Sommer weiter steigen und erhöht bleiben"
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Wachstumsaussichten: Der wirtschaftliche Ausblick für den Euroraum wurde leicht nach unten korrigiert. Die Europäische Kommission hatte ihre BIP-Prognose für 2026 bereits auf 0,9 % gesenkt (von zuvor 1,0 %), was sie mit den Belastungen durch den Nahost-Konflikt und den hohen Energiekosten begründete . Die EZB selbst ging in ihrer Basisprognose von einem durchschnittlichen realen BIP-Wachstum von nur 0,8 % im Jahr 2026, 1,2 % im Jahr 2027 und 1,5 % im Jahr 2028 aus
. Die EZB beschrieb die Wachstumsaussichten als „höchst unsicher", wobei die Abwärtsrisiken überwiegen
. Das Conference Board stellte fest, dass der Krieg das Wachstum schwächen werde, da die Nachfrage unter der sinkenden Kaufkraft der Verbraucher und der höheren Unsicherheit leide
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Nach der Juni-Entscheidung preisten die Märkte zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte in den nächsten zwölf Monaten ein . Die Anleger erwarteten, dass die EZB die Zügel weiter anziehen würde, um die Folgen des Iran-Kriegs auf die Energiepreise einzudämmen
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EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel erklärte, die Zentralbank werde „die Zinsen weiter anheben müssen", und der „Iran-Schock sei noch nicht vorbei", da die Kerninflation trotz eines jüngsten Rückgangs der Ölpreise hoch bleibe . Ein überraschend schneller Rückgang der Energiepreise nach dem US-Iran-Abkommen nahm jedoch den unmittelbaren Handlungsdruck. Vier mit der Sache vertraute Personen sagten Reuters, eine Zinserhöhung im September gelte als der wahrscheinlichste nächste Schritt, wenngleich eine Anhebung im Juli weiterhin möglich sei
. EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch hielt eine Juli-Erhöhung „im Spiel", falls die Inflation über den Energiebereich hinaus auf Dienstleistungen übergreife, räumte jedoch ein, dass der Ölpreisverfall den unmittelbaren Druck gemildert habe
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Anfang Juli signalisierten die marktbasierten Wahrscheinlichkeiten verschiedener Quellen unisono eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit für eine Maßnahme:
Dies deutet auf einen breiten Konsens hin, dass die EZB im Juli eine Pause einlegen wird; die meisten Erwartungen konzentrieren sich auf eine mögliche Bewegung in der September-Sitzung. Der entscheidende Faktor werden die Inflationsdaten für Juni sein, die vor der Juli-Sitzung veröffentlicht werden. Die Märkte rechnen mit einem Rückgang von den 3,2 % im Mai . Sollte der Ölpreisverfall anhalten, gibt das Abwarten bis September den Währungshütern mehr Zeit, die Weitergabe der Energiepreise an die Kern- und Dienstleistungsinflation zu bewerten.
Die EZB-Sitzung im Juni 2026 war ein Wendepunkt: Sie beendete eine dreijährige Pause bei den Zinserhöhungen und verknüpfte die geldpolistische Straffung explizit mit der kriegsbedingten Energieinflation. Der Beschluss war einhellig und gut vorbereitet, doch die Projektionen offenbarten eine Notenbank, die die Inflation bis weit ins Jahr 2027 hinein hartnäckig über dem Zielwert sieht – selbst nach mehreren Zinsschritten. Der anschließende rasche Rückgang der Ölpreise verschafft den Währungshütern etwas Luft, doch angesichts der weiterhin hohen Kerninflation und Warnungen von EZB-Vertretern wie Schnabel, der „Iran-Schock sei noch nicht vorbei", ist der Straffungszyklus wohl eher pausiert als beendet.