Die russischen Streitkräfte greifen seit Wochen systematisch ukrainische Treibstofflager im Raum Charkiw und in der gesamten Oblast an:
Seit Mai 2026 setzen russische Einheiten im Raum Charkiw bei etwa 90 % ihrer Angriffsmissionen auf FPV-Drohnen mit Glasfaserkabeln. Das bestätigte Serhij Lawrentjew, ein Drohnenpilot der ukrainischen Forpost-Brigade. Dies ist ein dramatischer Wandel im Vergleich zu den bisher üblichen funkgesteuerten Drohnen.
Der erste dokumentierte Angriff einer solchen Drohne auf das Stadtgebiet von Charkiw ereignete sich am 25. Februar 2026, als eine Drohne einen Baum im Bezirk Kyjiwskyj traf.
Ukrainische Quellen berichten, dass russische Truppen inzwischen Glasfaserkabelspulen mit einer Länge von bis zu 50 km einsetzen. Das ermöglicht Angriffe tief im urbanen Raum – und das völlig störsicher. Im Jahr 2025 betrug die typische Länge noch 20 oder 30 km. Die Steigerung auf 50 km ist ein deutlicher Zugewinn an Fähigkeiten.
Der ukrainische Vize-Ministerpräsident Mychajlo Fedorow bestätigte dem Business Insider bereits im November 2025, dass Russland Drohnen mit 50 km Reichweite im Feld testet.
Russland hat seine Molnija-Drohne (ein Starrflügel-UAV) für die Steuerung per Glasfaserkabel umgerüstet. Ein Bericht vom September 2025 wies darauf hin, dass die Molnija durch die Kabelanbindung zwar schwerer zu stören sei, aber Reichweite und Nutzlast sinken. Die Standard-Molnija hat eine maximale Reichweite von etwa 50–60 km und eine Nutzlast von 6,5–8 kg. Sie trägt oft einen RPG-7-Gefechtskopf oder eine TM-62-Panzerabwehr-Mine.
Eine leistungsgesteigerte Variante, die Molnija-13, wurde im Juni 2026 auf der Sicherheitsausstellung in Belarus vorgestellt. Sie hat eine größere Zelle, vier Elektromotoren und kann 13 kg Nutzlast tragen – mehr als das Doppelte der Basisversion Molnija-2.
Anmerkung zur Behauptung: Die Recherche belegt, dass Russland die Molnija aktiv für den Faseroptik-Einsatz weiterentwickelt und an der Front erprobt. Die konkrete Aussage, es handele sich um „das erste faseroptische Starrflügel-UAV“ mit einer Reichweite von 50 km und einer Nutzlast von 6,5–8 kg, das derzeit für die Gefechtserprobung gebaut werde, lässt sich nicht aus einer einzigen Quelle direkt ableiten. Die Bestätigung für die faseroptische Molnija (bereits im Einsatz)
und die Basisspezifikationen
sind die nächstliegenden Belege.
Faseroptische Drohnen können nicht mit elektronischer Kampfführung (EW) gestört werden. Daher ist ihre physische Zerstörung die primäre Abwehrmethode. Da es keine universelle Lösung gibt, setzt man auf einen abgestuften, physischen Schutz.
Das Lowy Institute berichtet, dass Schrotflinten eine bewährte Methode sind, um diese Drohnen abzuschießen. Ukrainische Einheiten stellen auch spezielle Scharfschützen- oder Feuerteams für die physische Bekämpfung ab.
Die Behörden in Charkiw spannen Netze über die nördliche Stadtautobahn, um speziell die faseroptischen Drohnen abzufangen. NPR berichtet, dass der Einsatz von Netzen massiv ausgeweitet wird. Die ukrainische Regierung plant, bis Ende 2026 rund 4.000 Kilometer (!) solcher Netze entlang der Frontstraßen zu installieren. Die Drohnen verfangen sich in den Maschen und ihre Propeller werden gestoppt.
Das ukrainische Unternehmen U-FORCE hat das System „Barrier UF“ entwickelt. Es durchtrennt das Glasfaserkabel physisch und unterbricht so die Verbindung zum Piloten. Es wird in einem Umkreis von bis zu 500 Metern um die zu schützenden Stellungen positioniert.
Abfangdrohnen haben sich als eine der kostengünstigsten aktiven Maßnahmen gegen die Drohnenbedrohung erwiesen. Sie sind eine kinetische Lösung und benötigen keine Funkbefehle, um die faseroptischen Drohnen zu orten.
KI-gesteuerte, automatische Geschütztürme mit Radar- und Kamerasensoren sind in der Entwicklung, aber teuer und noch nicht breit im Einsatz. Die NATO hat einen Innovationswettbewerb gestartet, um skalierbare Lösungen zur Ortung, Verfolgung und Neutralisierung dieser Drohnen zu finden.
Fazit: Es gibt keine alleinige Wunderwaffe. Die derzeitige Strategie setzt auf einen Mix aus physischen Barrieren (Netze, Kabeltrenner), Schrotflinten, Abfangdrohnen sowie auf Tarnung und die räumliche Verteilung von Werten.