Verlangt Sony für eines seiner PC-Spiele ein PSN-Konto, wird der Titel automatisch in allen Ländern unverkäuflich, in denen das PlayStation Network nicht verfügbar ist. PSN wird nur in etwa 69 Ländern weltweit unterstützt . In den restlichen 132 kann kein PSN-Konto erstellt werden .
Bei Marvel Tōkon: Fighting Souls hat Sony die Regionalsperre von Beginn der Vorbestellungen an aktiviert. Spieler in diesen 132 Ländern sehen entweder die Meldung „Dieser Artikel ist in Ihrer Region nicht verfügbar“ oder können die Steam-Seite gar nicht erst aufrufen . Laut SteamDB-Daten, die der ResetEra-Nutzer Chairmanchuck bestätigte, vermerkt jede regionale Auflistung des Spiels den Hinweis „132 Länder nicht verfügbar“ .
Sony hat sich zu dieser speziellen Sperre bislang nicht offiziell geäußert . Das Unternehmen hat auch nicht öffentlich erklärt, warum PSN in diesen Regionen fehlt; Beobachter vermuten Gründe wie Zahlungsinfrastruktur, Gesetze zur Datenlokalisierung oder Compliance-Kosten .
Der Helldivers-2-Eklat vom Mai 2024 legte das Muster fest, dem Sony nun folgt – und das es später teilweise zurücknahm.
Im Mai 2024 gab Sony bekannt, dass alle Helldivers-2-PC-Spieler ihr Steam-Konto mit einem PSN-Konto verknüpfen müssten, um weiterspielen zu können . Da PSN in 177 Ländern nicht verfügbar ist, wurde das Spiel dort aus dem Steam-Shop genommen . Die Empörung war gewaltig: Über 200.000 negative Rezensionen auf Steam, die Bewertung fiel auf „Überwiegend negativ“, und Sony machte die PSN-Pflicht innerhalb weniger Tage rückgängig .
Die Situation bei Marvel Tōkon: Fighting Souls ist strukturell identisch, aber strategisch anders gelagert.
| Aspekt | Helldivers 2 (Mai 2024) | Marvel Tōkon: Fighting Souls (Juli 2026) |
|---|---|---|
| Vorgabe | PSN-Pflicht nachträglich für PC-Spieler angekündigt | PSN-Pflicht für Online-Modus von Anfang an |
| Betroffene Länder | 177 Länder ohne PSN | 132 Länder ohne PSN |
| Ergebnis | Spiel aus Steam-Shop in diesen Ländern entfernt | Vorbestellung/Kauf in diesen Ländern blockiert |
| Reaktion der Spieler | Über 200.000 negative Steam-Rezensionen, massive Empörung | Wachsender Unmut auf Reddit und in Steam-Foren (Stand Juli 2026) |
| Sonys Reaktion | Rücknahme der PSN-Pflicht; Verknüpfung optional |
Der entscheidende Unterschied: Helldivers 2 wurde in jenen 177 Ländern monatelang verkauft, bevor Sony nachträglich die PSN-Verknüpfung verlangte – das löste den wütenden Rezensionssturm aus . Bei Marvel Tōkon: Fighting Souls blockiert Sony den Verkauf von Anfang an in den 132 Ländern, vermutlich um zu vermeiden, dass das Spiel an Menschen verkauft wird, die später ausgesperrt würden . Viele Beobachter sehen darin dieselbe Politik, nur früher im Verkaufszyklus angewandt .
Sony hat bereits mehrfach unter Druck nachgegeben – das schafft einen Präzedenzfall für Marvel Tōkon.
Im Juni 2025 – über ein Jahr nach dem Helldivers-2-Eklat – hob Sony die Regionalsperren und die zwingende PSN-Pflicht für vier große First-Party-PC-Spiele auf Steam auf: God of War Ragnarök, The Last of Us Part II Remastered, Marvel's Spider-Man 2 und Helldivers 2 . Die PSN-Anmeldung wurde optional, wer sie nutzte, erhielt kosmetische Boni – und die Spiele wurden in 162 zusätzlichen Ländern verfügbar .
Mehrere Magazine bestätigten, dass Sony „endlich die PC-Spiel-Regionssperren beseitigt“ habe . Engadget und PC Gamer berichteten über die von Wario64 entdeckte Änderung . Sony hatte Regionssperren und die PSN-Pflicht für die meisten PlayStation-PC-Spiele auf Steam aufgehoben und den Zugang auf 162 Länder ausgeweitet .
Allerdings wurden nicht alle Titel entsperrt. Ghost of Tsushima und einige andere Sony-PC-Spiele blieben selbst nach der Policy-Änderung vom Juni 2025 gesperrt . Einige Reddit-Nutzer wiesen darauf hin, dass Marvel Tōkon auch nach dieser Lockerung blockiert blieb, mit der Vermutung, dass es wegen der PSN-Pflicht für Online-Spiele gesperrt bleibt .
Fazit: Sony hat ein Muster gezeigt – Helldivers-2-Eklat führte innerhalb weniger Tage zur Rücknahme der PSN-Pflicht , die breitere Lockerung der Regionssperren folgte im Juni 2025 für mehrere Spiele . Das deutet darauf hin, dass Sony auch bei Marvel Tōkon nachgeben könnte, falls der Druck wächst; einen offiziellen Hinweis darauf gibt es bislang nicht.
Die PSN-Pflicht ist Teil einer seit Jahren andauernden Debatte über Sonys Strategie auf dem PC-Markt.
Einen eigenen Garten einzäunen. Sonys Drängen auf PSN-Konten am PC wird weithin als Versuch gesehen, PC-Spieler in das PlayStation-Ökosystem zu locken – um Nutzerdaten zu sammeln, plattformübergreifende Store-Integrationen zu ermöglichen und möglicherweise Käufe an PSN statt an Steam zu binden . Kritiker werfen Sony vor, den PC so als Neben-Storefront zu behandeln statt als offene Plattform .
Ungleichheit beim Zugang. PSN ist in Dutzenden Ländern nicht verfügbar – vor allem in Afrika, Teilen Asiens, Osteuropas, des Nahen Ostens und der Karibik – aus Gründen, die Sony nie vollständig erläutert hat (vermutlich Zahlungsinfrastruktur, Datenlokalisierungsgesetze oder Compliance-Kosten) . Indem Sony PC-Spiele an PSN knüpft, schließt es Hunderte Millionen potenzielle Kunden aus. Die 132-Länder-Sperre betrifft schätzungsweise 2,6 Milliarden Menschen (zum Vergleich: Helldivers 2 sperrte 177 Länder) .
Fragen zum digitalen Besitz. Die PSN-Pflicht wirft auch die Frage auf, ob ein auf Steam gekauftes Spiel unabhängig von Sonys Online-Diensten nutzbar ist. Sollte Sony PSN eines Tages einstellen oder die Bedingungen ändern, könnten selbst Spieler in unterstützten Ländern den Zugriff auf ihre gekauften Spiele verlieren . Dies spiegelt breitere DRM-Debatten über „Always-online“-Pflichten und Abhängigkeiten von Drittanbieterdiensten wider.
Inkonsistente Signale. Sonys Kehrtwende im Juni 2025 bei einigen Spielen signalisierte Kompromissbereitschaft – doch die gleichzeitige Regionssperre für Marvel Tōkon: Fighting Souls zeigt, dass das Unternehmen die Politik nicht aufgegeben hat, sondern sie selektiv und präventiv anwendet . Diese Inkonsistenz untergräbt das Vertrauen und nährt den Vorwurf, Sony betrachte den PC lediglich als erweitertes PlayStation-Terrain.
Für Spieler in den 132 betroffenen Ländern ist die Lage klar: Sie können Marvel Tōkon: Fighting Souls auf Steam oder im Epic Games Store nicht legal erwerben – es sei denn, sie nutzen ein VPN oder ändern ihre Steam-Region, beides mit dem Risiko einer Kontosperrung . Einige Spieler merken verbittert an, dass eine der gesperrten Sprachen sogar als „unterstützt“ auf der Shop-Seite aufgeführt ist .
Sony hat nicht offiziell bestätigt, ob die Regionssperre – zum Start oder später – aufgehoben wird. Der bisherige Kurs des Unternehmens macht eine Rücknahme bei wachsendem Druck denkbar, aber keineswegs sicher. Spieler, die ihrer Empörung Luft machen wollen, hinterlassen negative Rezensionen auf Steam und diskutieren das Thema in Reddit-Foren – ähnlich den Taktiken, die Sony bereits bei Helldivers 2 zum Einlenken zwangen .
Die Situation ist eine ernüchternde Erinnerung daran: Wenn Publisher PC-Spiele an Konsolenkontosysteme koppeln, sind es die Spieler in Regionen ohne diese Dienste, die den Zugang verlieren – unabhängig davon, ob sie eine Konsole besitzen oder jemals nutzen wollten.
| Bislang keine offizielle Reaktion (Stand 4. Juli 2026) |