Offizielle chinesische Zolldaten zeigen, dass die Exporte von Klimaanlagen in EU-Länder in der ersten Jahreshälfte 2026 3,76 Milliarden US-Dollar erreichten – ein Anstieg von 43,2 % im Vergleich zum Vorjahr und der höchste jemals für diesen Zeitraum verzeichnete Wert . Der Marktanteil chinesischer Marken in Europa stieg von 27 % im Jahr 2023 auf 41 % im ersten Halbjahr 2026. Damit ist China erstmals der größte Lieferant von Klimaanlagen auf dem Kontinent
.
Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 stiegen die Exporte mobiler Klimaanlagen aus China nach Westeuropa um mehr als 70 % im Vergleich zum Vorjahr . Gleichzeitig haben sich die chinesischen Klimaanlagenexporte nach Frankreich, in die Niederlande und nach Belgien mehr als verdoppelt, während Spanien, Portugal und Deutschland starke zweistellige Zuwächse verzeichneten
.
Die großen chinesischen Hersteller arbeiten rund um die Uhr, um die Nachfrage zu befriedigen. Midea teilte Medien mit, dass sein Werk in Shunde, Guangdong, im 24-Stunden-Betrieb PortaSplit-Geräte produziert, die per China-Europa-Güterzug nach Europa transportiert werden . Midea meldete für das erste Halbjahr einen Anstieg der Klimaanlagenverkäufe in Westeuropa um mehr als 70 % im Vergleich zum Vorjahr, mit starken Zuwächsen in Frankreich, Spanien, Deutschland und Großbritannien
. In einigen europäischen E-Commerce-Kanäle war Mideas PortaSplit komplett ausverkauft; Gebrauchtpreise sollen den Neupreis überstiegen haben
.
Gree Electric verzeichnete in Frankreich, Italien und Spanien einen Umsatzanstieg von mehr als 40 % im Vergleich zum Vorjahr . Die internationale Einzelhandelsplattform von Alibaba meldete ein dreistelliges Wachstum für Klimaanlagen und Ventilatoren auf ihren Auslandsseiten. Ein Midea-Modell war innerhalb weniger Tage nach seinem Debüt im Juni im deutschen Lager ausverkauft
. Auch Haier, TCL und andere große chinesische Marken profitieren direkt von der Nachfrageexplosion
.
Indische Klimaanlagenhersteller beobachten Europa aufmerksam. Wie die Times of India berichtete, rüsten sich indische Hersteller für den Eintritt in den europäischen Markt, ermutigt durch die stark gestiegene Nachfrage. Sie sehen sich jedoch einem harten Wettbewerb durch chinesische und südkoreanische Marken gegenüber, die einen Kostenvorteil von 15–18 % genießen . Voltas, der größte Klimaanlagenhersteller Indiens, erklärte gegenüber Reuters, dass man in diesem Sommer mit einem zweistelligen Umsatzwachstum im Raumklimageräte-Segment rechne, der Fokus aber weiterhin auf dem Inlandsmarkt liege
. Branchenbeobachter stellen fest, dass indische Exporte weniger als 1 % des weltweiten Klimaanlagenmarktes ausmachen und indische Produkte in der Regel etwa 15 % teurer sind als vergleichbare chinesische Geräte
. Ein Export indischer Geräte nach Europa in großem Stil wird Quellen zufolge vor 2027 nicht erwartet
.
Das Timing der Hitzewelle wird für Brüssel zum handelspolitischen Kopfzerbrechen. Europa verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein rekordverdächtiges Handelsdefizit mit China von 83 Milliarden US-Dollar. Europäische Beamte haben versucht, diese Lücke zu verringern, indem sie die Abhängigkeit von chinesischen Importen reduzieren . Doch nun kaufen die Europäer chinesische Klimaanlagen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß, was die Bemühungen der EU zur Verringerung des Handelsungleichgewichts erschwert
.
Wie CNBC berichtete, treibt die schlimmste Hitzewelle des Blocks die Nachfrage nach chinesischen Kühlgeräten an, während sich EU- und chinesische Spitzenvertreter zu Gesprächen über Handelsstreitigkeiten treffen . Ein europäischer Beamter beschrieb die wachsende Handelslücke als „nicht nachhaltig“. Doch für Verbraucher, die bei 40 °C Hitze schwitzen, hat die sofortige Kühlung Priorität – ungeachtet der handelspolitischen Implikationen.
Die verfügbaren Belege bestätigen ein tödliches, rekordverdächtiges Hitzeereignis, das zu einem dramatischen Anstieg der chinesischen Klimaanlagenverkäufe geführt hat . Was noch unklar ist: Handelt es sich um einen vorübergehenden Spitzenwert oder den Beginn einer dauerhaften Verschiebung? Die niedrige Durchdringungsrate von Klimaanlagen in Europa – rund 20 % – deutet auf ein erhebliches strukturelles Wachstumspotenzial hin
. Sollten extreme Sommer, wie von Klimamodellen prognostiziert, zur neuen Normalität werden, könnte die strukturelle Nachfrage nach Kühlung erheblich steigen.
Für die chinesischen Hersteller ist die Situation jetzt schon ein kommerzieller Gewinn. Marken wie Midea, Gree und Haier verzeichnen massive Umsatzsteigerungen in ganz Westeuropa. Der handelspolitische Zielkonflikt der EU – zwischen der Verringerung der Abhängigkeit von chinesischen Waren und dem Schutz der öffentlichen Gesundheit bei extremer Hitze – bleibt eine ungelöste Spannung, die mit steigenden Temperaturen wahrscheinlich noch zunehmen wird.